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Berufseinsteiger 36 Dollar Stundenlohn – So buhlen Tech-Riesen und Banken um Praktikanten

Tech-Konzerne sind bei jungen Leuten angesagter als Banken. Diese müssen deshalb um Praktikanten kämpfen – mit neuen Apps und üppigen Gehältern.
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Banken haben die Anstrengungen verstärkt, um gute Praktikanten für sich zu gewinnen. Quelle: Cultura/Getty Images
Praktikanten

Banken haben die Anstrengungen verstärkt, um gute Praktikanten für sich zu gewinnen.

(Foto: Cultura/Getty Images)

New YorkDer Hausausweis hängt noch am Gürtel, als die junge Frau auf der Party erscheint. „Leute, ich brauche dringend einen Cocktail“, seufzt sie, während sie zielstrebig auf den Tisch mit den Getränken zusteuert. Zwar steht auf dem Ausweis nur ihr Name und Foto, doch ihre Freunde wissen Bescheid. „Sie macht gerade ein Praktikum bei Goldman Sachs“, erklärt einer ihrer Kumpels. „Ist ja klar, dass man sich da besonders anstrengt.“

Ihren Namen will die junge Frau lieber nicht in der Zeitung lesen, sie ist eine von hunderten Studentinnen und Studenten, die gerade ihre Praktika an der Wall Street beenden und hoffen, nächstes Jahr wiederkommen zu dürfen. Die jüngeren für ein weiteres Praktikum. Die, die nur noch zwei Semester zu studieren haben, für ihren ersten Job nach der Uni.

Die Praktikanten sind umkämpft wie nie zuvor. Tech-Konzerne wie Google, Apple und Amazon sind deutlich angesagter als Goldman Sachs, Deutsche Bank und Co. Auch Fintechs und andere Technologie-Start-ups locken mit praxisnahen Stellen für den Sommer.

„Es geht Praktikanten heute nicht mehr nur um die Größe des Unternehmens, sondern um die Möglichkeiten, etwas zu bewegen“, sagt Faye Woodhead, die bei der Deutschen Bank unter anderem die Praktikantenprogramme verantwortet.

Das Frankfurter Finanzinstitut hat daher, wie viele andere Wall-Street-Häuser, die Anstrengungen verstärkt, um gute Praktikanten für sich zu gewinnen. Es sind schließlich die Banker von morgen, und wer jetzt schon richtig auswählt, kann damit gleich das Diversity-Problem lösen, das die von weißen Männern dominierte Wall Street schon lange plagt.

„Dieser Jahrgang ist so divers wie nie zuvor“, schwärmt Elizabeth Schoentube von der Bank of America. 45 Prozent sind weiblich, 55 Prozent sind farbig. „Mit unseren Sommerpraktikanten füllen wir maßgeblich unsere Pipeline für zukünftige Mitarbeiter. Wenn wir jetzt eine diverse Praktikantengruppe sicherstellen, spiegelt sich das später auch in der Belegschaft wider.“

Goldman Sachs bekam zuletzt schmerzlich zu spüren, was passiert, wenn die Pipeline nicht gut gefüllt ist: Bei der Nachfolgersuche für Vorstandschef Lloyd Blankfein gab es keine einzige Mitarbeiterin, die es weit genug nach oben geschafft hatte, um für den Chefposten in Frage zu kommen. Blankfeins designierter Nachfolger, David Solomon, hat bereits angekündigt, das zu ändern.

Apps für die Praktikantensuche

Alle Banken setzen bei der Jagd nach jungen Mitarbeitern auf eine ausgefeilte Online-Strategie. Seit zwei Jahren bittet Goldman die jüngeren Studenten, in einem Video eine Reihe von Fragen zu beantworten und dann an die Bank zu schicken. „Das hat die Zahl der Bewerber deutlich erhöht und wir können Kandidaten aus den verschiedensten Orten der Welt auf diese Weise kennenlernen“, erklärt eine Sprecherin.

Die Deutsche Bank hat zwei Apps entwickelt, um die richtigen jungen Leute zu finden. Eine soll künftig testen, ob die Einstellung des Studenten zu den Werten des Instituts passt. Die andere soll eine Art Online-Campus sein. Einige Wochen vor Beginn des Praktikums erhalten die Kandidaten Einblicke in die Abläufe. Sie lernen Fachbegriffe, bekommen Tipps, wie man sich in Meetings verhält, können sich vernetzen und in Kontakt treten.

Während die US-Banken zehn Jahre nach der Krise wieder Rekordgewinne einfahren, steckt die Deutsche Bank mitten in einer Restrukturierung und hat angekündigt, rund 7000 Stellen abzubauen. Das verunsichert auch die Praktikanten.

„Es wäre albern, zu sagen, dass sich die Leute nicht damit beschäftigen. Aber wir investieren weiter in junge Talente“, stellt Woodhead klar. Alle Banken haben erkannt, dass es oft teurer ist, erfahrene Manager von der Konkurrenz abzuwerben als selbst Leute aufzubauen.

Nicht immer jedoch sind die Tage an der Wall Street aufregend, wie bei vielen anderen Praktika auch. Die junge Goldman-Praktikantin berichtet, dass sie viel Zeit damit verbringt, das „Wall Street Journal“ zu lesen, um zu verstehen, worüber die Banker in ihrem Team sprechen. Die Manager, die sie betreuen, seien oft ziemlich im Stress. „Da sind wir häufig uns selbst überlassen.“

Aber auch wenn wenig los ist, sitzen die Praktikanten mindestens zwölf Stunden im Büro, wie mehrere von ihnen berichten. Es herrscht schließlich Wettbewerb zwischen den Kandidaten, nicht jeder wird übernommen. „Die Stimmung unter den Praktikanten ist nicht immer kollegial und herzlich“, erzählt ein Kandidat der Deutschen Bank, der ebenfalls lieber anonym bleiben will.

Bis in die späte Nacht und das Wochenende durchzuarbeiten, sei für die Praktikanten kein Thema mehr, versichern die Banken, nachdem es in der Vergangenheit mehrere Skandale um völlig erschöpfte Praktikanten gegeben hatte. Sogar zu Todesfällen war es gekommen.

8640 Dollar Praktikantengehalt

Goldman hat für Berufseinsteiger eine sogenannte „out of office guideline“ eingeführt. Die Richtlinie schreibt vor, zwischen 21 Uhr am Freitag und 9 Uhr am Sonntag nicht zu arbeiten. „Wir wissen, dass dies eine dynamische und fordernde Branche ist, aber wir wissen auch, dass es für unsere Mitarbeiter wichtig ist, Zeit zu haben, um sich um ihre Verpflichtungen und Interessen außerhalb der Arbeit zu kümmern“, sagt die Sprecherin.

Die Zeit an der Wall Street ist durchaus gut bezahlt, auch wenn keine der Banken genaue Zahlen nennen will. „Unsere Praktikanten bekommen das, was ein Analyst im ersten Jahr für diesen Zeitraum bekommen würde“, heißt es bei Goldman Sachs.

Ein Praktikant offenbart, dass er 36 Dollar pro Stunde für die ersten zwölf Stunden am Tag bekommt. Wenn er länger bleibt, bekommt er für die Überstunden das 1,5-fache. Ohne Überstunden sind das 8640 Dollar – selbst im teuren New York ein passables Gehalt für junge Leute Anfang 20.

Ob der Sommer erfolgreich war, erfahren die Kandidaten in den kommenden Wochen. Deutsche Bank und Bank of America übernehmen im Schnitt 70 bis 80 Prozent. „Einer der wichtigsten Gründe, einen Praktikanten einzustellen, ist, weil wir ihm oder ihr danach eine Vollzeitstelle anbieten wollen“, sagt Woodhead von der Deutschen Bank. „Das hat sich nicht geändert.“

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