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Berufseinstieg mit Bachelorabschluss Es muss nicht immer noch ein Master sein

Klappt der Berufseinstieg auch mit dem Bachelorabschluss? Viele Studierende gehen lieber auf Nummer sicher und hängen einen Master dran. Dabei hat der Schnellstart nach sechs Semestern für junge Akademiker Vorteile.
  • Kirstin von Elm
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Auch mit dem Bachelor lässt sich Karriere machen. Quelle: Ralf Grossek / www.plainpicture.com
Von wegen kleinere Brötchen

Auch mit dem Bachelor lässt sich Karriere machen.

DüsseldorfAnnelies Peiner hat das, wovon viele Berufseinsteiger träumen: ein attraktives Gehalt, Personalverantwortung, internationale Kunden, einen klangvollen Titel und vor allem einen abwechslungsreichen, kreativen Job.

Bei der Kommunikationsagentur Edelman.ergo verantwortet sie als Director Brand Marketing die Kampagnen bekannter Marken und leitet bis zu 15-köpfige Teams. Was sie nicht hat, ist ein Masterabschluss. „Ich habe mich damals ganz bewusst für die Praxis entschieden“, sagt Peiner. 2006 machte sie ihren Bachelor in Kommunikations- und Kulturwissenschaften an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Mit gerade mal 23 Jahren stieg sie anschließend als Volontärin bei der Kreativagentur fischerAppelt ein – und dort anschließend bis zur stellvertretenden Teamleiterin auf. Anfang 2016 machte sie mit ihrem Wechsel zur Edelmann-Gruppe mit weltweit 6.000 Mitarbeitern den nächsten großen Karriereschritt.

Ihre Entscheidung gegen einen konsekutiven Master hat die Kommunikationswissenschaftlerin Annelies Peiner nie bereut: „Erfahrung und Überzeugungskraft zählen in meiner Branche mehr als ein akademischer Titel“, sagt sie. Eine pauschale Empfehlung für oder wider Master-Titel will sie zwar nicht aussprechen, denn das sei stets eine persönliche Entscheidung. Wen es jedoch aus dem Hörsaal in die Praxis zieht, dem rät sie keinesfalls davon ab: „Ich glaube, dass man sehr gut weiß, was für einen selbst das Richtige ist, so war es jedenfalls bei mir.“ Inspiriert von der Aufbruchstimmung an ihrer privaten Hochschule und den praxisorientierten Inhalten brannte sie nach dem Bachelor auf Taten statt auf Theorie.

Längst nicht jeder Studierende entscheidet sich so selbstbewusst für den frühen Berufseinstieg wie Annelies Peiner. Obwohl der Bachelor ausdrücklich als berufsqualifizierender Abschluss gilt, der nach dem Willen der Kultusministerkonferenz sogar „für die Mehrzahl der Studierenden zu einer ersten Berufseinmündung“ führen soll, startet bislang nur rund jeder dritte Absolvent ohne Master ins Berufsleben. Die jüngste Absolventenstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zeigt: 44 Prozent der Fachhochschul- und sogar 82 Prozent der Universitätsbachelors des Prüfungsjahrgangs 2013 nahmen innerhalb der ersten eineinhalb Jahre nach dem ersten Abschluss ein Masterstudium auf. „Viele haben Angst, ohne Masterabschluss keinen Job zu finden oder Karrierenachteile zu riskieren“, weiß Peiner aus Gesprächen mit Praktikanten und Werkstudenten. Auch die Eltern würden oft Druck machen und vom vermeintlichen „Studienabbruch“ abraten.

Firmen entwickeln Talente selbst

Völlig unbegründet sind die Sorgen der Bachelorabsolventen sicherlich nicht: Schließlich musste sich der neue Abschluss bei deutschen Arbeitgebern in den Jahren nach der sogenannten Bologna-Reform erst etablieren. Doch inzwischen sind mehr als 90 Prozent der Studiengänge an deutschen Hochschulen auf das zweistufige Bachelor-Master-System umgestellt. Rund 250.000 Bachelors bestanden alleine im vergangenen Jahr ihre Abschlussprüfung. Das ist ein großer Talentpool, den Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte zunehmend für sich entdecken. Statt sich über mangelnde Reife und fehlende Erfahrung der jungen Absolventen zu beklagen, nutzen immer mehr Arbeitgeber lieber die Chance, die flexiblen, örtlich und familiär meist noch ungebundenen Nachwuchskräfte frühzeitig für sich zu gewinnen und selbst passgenau weiterzuqualifizieren.

„Offenheit für Bachelorabsolventen bedeutet nicht, dass wir ihre Ausbildung für abgeschlossen halten“, betont beispielsweise Dagmar Zippel, Leiterin Recruiting bei Accenture.  Die Technologieberatung stellt jährlich rund 1.000 Nachwuchskräfte ein und wünscht sich dafür explizit mehr Bewerber mit Bachelor. Der Abschluss sei eine solide Grundlage, auf der eine praxisnahe Fortbildung aufbaue, so Zippel.  IT-Berater benötigen nämlich sehr spezifisches Fachwissen, beispielsweise zu Programmiersprachen wie Java oder SAP-Systemen. „Das bringen Absolventen von der Uni nicht immer mit, und zwar weder die mit Bachelor- noch die mit Master-Titel“, sagt Zippel. Karrieretechnisch sieht die Personalerin Bachelor-Absolventen deshalb sogar tendenziell leicht im Vorteil: Während der Kommilitone für den theoretischen Master noch immer die Schulbank drücke, beginne beim Bachelor unmittelbar die Karriere.

Im Unternehmen sei die Lernkurve für ihn persönlich steiler als an der Hochschule, findet auch Thorge Drews. Der gelernte Bankkaufmann aus der norddeutschen Kleinstadt Büdelsdorf hat nach seiner Ausbildung sieben Semester Betriebswirtschaft an der Kieler Christian-Albrechts-Universität studiert. Mit dem Bachelor in der Tasche stieg er im April 2017 als Trainee bei Edeka in Hamburg ein. Das 18-monatige Programm umfasst Stationen in Einkauf, Controlling und Rechnungswesen, außerdem Einsätze im Supermarkt und im Großhandel. „Die Strukturen bei Edeka sind komplex, deshalb finde ich es sehr gut, als Trainee die verschiedenen Bereiche in der Praxis kennenzulernen. Ein Masterstudium würde mich dabei nicht weiterbringen“, sagt Drews.

Für den Einstieg bei Edeka oder der IT-Tochter Lunar sei weniger der Abschluss entscheidend als die Kombination aus fachlicher Eignung und Persönlichkeit, betont Unternehmenssprecher Rolf Lange. Eine Aussage, die Christiane Konegen-Grenier vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln bei Arbeitgeberbefragungen inzwischen regelmäßig von Chefs zu hören bekommt. Nach Ansicht der Bildungsexpertin überschätzen Bewerber die Bedeutung des Masters für den erfolgreichen Ein- und Aufstieg: Viele Unternehmen hätten inzwischen positive Erfahrungen mit Bachelorabsolventen gemacht. Fähige Mitarbeiter könnten also vielfach auch ohne zweiten Studienabschluss Karriere machen.  Wichtig sei ein Master vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung oder für Positionen, die viel wissenschaftliche Methodik erfordern, beispielsweise als Analyst bei Banken oder Versicherungen oder als Leiter von anspruchsvollen technischen Prüfverfahren. Teilweise ist der Master auch formal vorgeschrieben, beispielsweise für Lehrer oder Psychotherapeuten.

In puncto Gehalt allerdings gilt: Auch wenn viele Unternehmen betonen, beim Einstiegsgehalt weniger nach dem Studienabschluss als nach persönlichen Zusatzqualifikationen zu unterscheiden, machen sich Extrasemester im Laufe des Berufslebens finanziell meist bezahlt: „In der Regel erhöht der Master langfristig den Marktwert und öffnet die Türen zu attraktiveren Positionen mit höheren Gehältern und mehr Verantwortung“, sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de. Im Schnitt verdienen Masterabsolventen nach Analysen des Vergleichsportals rund 10.000 Euro im Jahr mehr als ihre Kollegen mit Bachelor. Allerdings komme es auch auf den Studiengang und den ausgeübten Beruf an. In gut bezahlenden Branchen mit hohem Bedarf an Fachkräften, etwa in Beratungen, verdienen bereits Bachelors sehr gut, Master allerdings noch besser. In Branchen wie Touristik, Hotel- und Gaststättengewerbe, sozialen Einrichtungen oder Werbung und PR unterscheiden sich die Einstiegsgehälter zwischen Bachelor- und Masterabsolventen dagegen nur gering. Doch: „Wer eine Führungsposition anstrebt, hat auch hier mit einem Mastertitel bessere Chancen“, glaubt der Vergütungsprofi.

Dieser Text stammt aus dem Handelsblatt Karriere Magazin N° 5 – 2017. Die Themen im neuen Heft sind u.a.:

  • Lass dich finden! So profitieren Bewerber von der Online-Talentjagd
  • Bilderbuchkarriere Wie Instagram beim Erklimmen der Jobleiterh hilft
  • Und raus bist du: Welche Fettnäpfchen Bewerber im Vorstellungsgespräch umgehen sollten
  • Durchstarten mit dem Bachelor Ein Schnellstart in den Job kann für junge Adakemiker Vorteile haben
  • Kämpft! Warum Konflikte im Büro auch Gutes bewirken können

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    Das heißt allerdings nicht, dass der Masterabschluss schon vor dem ersten Arbeitstag in der Tasche sein muss – ganz im Gegenteil: „Wer Interesse hat, sich als Bachelor weiteres Fachwissen anzueignen, kann dies zum Beispiel später auch über ein berufsbegleitendes Masterstudium tun“, betont Rolf Lange von Edeka. Immer mehr Unternehmen unterstützen entwicklungswillige Mitarbeiter durch umfangreiche Fort- und Weiterbildungsangebote – ein Modell, auf das renommierte Prüf- und Beratungsgesellschaften wie Accenture, McKinsey, EY, KPMG oder Boston Consulting Group (BCG) bereits seit vielen Jahren erfolgreich setzen. „Wer nach dem Bachelor erst einmal Praxisluft schnuppern will, dem rate ich, direkt einzusteigen“, sagt Philipp Jostarndt. Er ist Partner bei BCG und für Neueinstellungen verantwortlich. Der Vorteil: In der Zeit als sogenannter Junior Associate könnten die jungen Kollegen ihr Beraterprofil schärfen und herausfinden, welcher Master sie interessiere und sie beruflich weiterbringe.  Zwischen der zweiten und dritten Karrierestufe sei ein zweiter Abschluss für Bachelors dann allerdings Pflicht: „Masterabsolventen sind methodisch meist fitter und ihr Abstraktionsvermögen ist höher“, so Jostarndt. Deshalb finanziert BCG genau wie die anderen Beratungen das weiterführende Studium. 

    Nächsten Schritt in Ruhe planen

    Unter den Spezialisierungsfächern kann der Nachwuchs frei wählen: „Ich habe mich noch nicht endgültig entschieden“, sagt zum Beispiel Hanna Shen aus Darmstadt. Vor zwei Jahren ist sie nach ihrem Bachelorabschluss als Juniorberaterin bei BCG eingestiegen. Den Ausschlag für ihre Entscheidung gab ein dreimonatiges Firmenpraktikum während ihres BWL-Studiums in Mannheim: „Die Beratung ist ein tolles Umfeld, um in kurzer Zeit ganz unterschiedliche Branchen und Unternehmensbereiche kennenzulernen“, sagt die 23-Jährige. In welche Richtung sie sich demnächst akademisch weiterqualifizieren will, ist noch offen – neben Finanzen würde sie beispielsweise auch Psychologie reizen. „In Großbritannien gibt es verschiedene Masterprogramme, die auch Bewerbern ohne psychologischen Erstabschluss offenstehen“, hat sie mittlerweile herausgefunden: „Direkt nach dem Bachelorabschluss hätte ich mich dafür noch nicht mal interessiert.“ 

    Auslandserfahrung und Sprachkenntnisse sind weitere Qualifikationen, die sich mit etwas mehr Zeit bis zum Master oft leichter erwerben lassen als nebenbei in vielen straff durchorganisierten Bachelorstudiengängen. Kommunikationsmanagerin Annelies Peiner hat hier ihren eigenen Weg gefunden: Nach sechs Jahren im Job legte sie 2012 ein Sabbatical ein und ging für acht Monate nach Italien, um dort an einer professionellen Sprachschule Italienisch zu lernen. Aber auch ein Master ist für sie nach wie vor eine Option. Wenn es so weit ist, wird sie jedenfalls genau wie beim Berufseinstieg nicht lange zaudern: „Wenn mich irgendwann ein Thema so richtig packt, dann ziehe ich das durch“, sagt sie.

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