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Buchtipp: „Digital Renaissance“ Ein US-Ökonom erklärt, warum Spotify ein Segen für die Qualität neuer Songs ist

Läuft im Streaming-Zeitalter nur Schrott? BWL-Professor Joel Waldfogel meint: Nein. Spotify und Netflix hätten Musik, Filme und Bücher verbessert.
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Der schwedische Streamingdienst it nur ein Beispiel für die „digitale Renaissance“. Quelle: Reuters
Spotify

Der schwedische Streamingdienst it nur ein Beispiel für die „digitale Renaissance“.

(Foto: Reuters)

Glaubt man den Kritikern von Spotify, Netflix oder Kindle Direct Publishing, führt die Digitalisierung der Kultur in eine düstere Zeit: Musiker von der Pop-Sängerin Taylor Swift bis „Ärzte“-Schlagzeuger Bela B. arbeiteten sich in der Vergangenheit an der Höhe der Tantiemen von Musik-Streamingdiensten ab und warfen ihnen vor, Künstler und damit die Kunst selbst zu ruinieren.

Auch der bei von Kritikern zerrissene Erotik-Roman „Shades of Grey“, der sich über einen Self-Publishing-Verlag in die Bestsellerlisten hocharbeitete, taugt Kulturpessimisten als hinreichender Beleg, dass im Internetzeitalter auch literarische Zwerge lange Schatten werfen. „Durchleben wir ein dunkles Mittelalter oder eine kulturelle Renaissance?“, fragt deshalb Joel Waldfogel am Anfang von „Digital Renaissance“.

Die Antwort des BWL-Professors an der University of Minnesota ist kaum überraschend, er gibt sie ja schon im Buchtitel. Waldfogel argumentiert, dass die Digitalisierung jede der einzelnen Kulturindustrien besser mache als je zuvor – weil es mehr Angebot gibt und durch Empfehlungsalgorithmen bessere Möglichkeiten, Nischen mit ihrem Publikum zusammenzubringen.

Und weil früher gar nichts besser war. Interessant ist „Cultural Renaissance“ aber nicht wegen seiner Schlussfolgerung, sondern, weil Waldfogel seine Thesen rigoros und mit kreativen Mitteln überprüft.

Im Zentrum steht das „Niemand weiß irgendetwas“-Gesetz, das der Drehbuchautor William Goldman („Die Unbestechlichen“) aufgestellt hat. Demnach können die bisherigen Schwellenhüter, also die Verlags-, Platten- oder Studiobosse, das Potenzial eines Buches, Films oder Songs so gut bewerten wie jeder andere.

Joel Waldfogel: Digital Renaissance
Princeton University Press
Princeton 2018
309 Seiten
23 Euro
ISBN: 9780691185439

Unstrittig ist, dass es heute mehr Bücher, Filme und Songs gibt: Die Zahl der in den USA produzierten Filme etwa verdreifachte sich zwischen 2000 und 2016. Mehr Angebot bei identischer oder steigender Qualität hieße in Summe: mehr gute Filme. Aber haben Piraterie und der Trend weg vom Drehen für die Kinoleinwand auf die Qualität gedrückt?

Offenbar nicht: Anhand von Zuschauer-Bewertungen des Rezensionen-Portals „Rotten Tomatoes“ zeigt Waldfogel, dass auch die Qualität steigt: Topbewertungen erhielten 2016 fünfmal so viele Filme wie im Jahr 2000. Der von Netflix produzierte Film „Roma“, der in diesem Jahr für den „Bester Film“-Oscar nominiert war, ist ein Beispiel.

Ähnliches zeigt Waldfogel für die Musikindustrie, deren Umsatz durch Piraten-Portale wie Napster um 2000 einbrach. Die Qualität der Musik, gemessen in Kritikerbewertungen, liegt heute dennoch höher als in den 1990ern, bevor die Industrie durchgeschüttelt wurde.

Das „Niemand weiß irgendwas“-Gesetz gilt also nicht mehr: Der Algorithmus, sei es der von Spotify oder Netflix, weiß offenbar so einiges.

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