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BWL-Professorin Yasmin Mei-Yee Weiß „Das Leben ist zu kurz, um es mit einem Job zu füllen, der unglücklich macht“

„Mit ihrem Puppengesicht werden Sie nicht Führungskraft“, ätzte einer ihrer Chefs. Heute ist Yasmin Mei-Yee Weiß eine der jüngsten BWL-Professorinnen, Aufsichtsrätin und beriet lange die Kanzlerin.
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Yasmin Mei-Yee Weiß ist mehrfache Aufsichtsrätin, Unternehmerin und Professorin. Quelle: Hilke Opelt
Yasmin Mei-Yee Weiß

Yasmin Mei-Yee Weiß ist mehrfache Aufsichtsrätin, Unternehmerin und Professorin.

(Foto: Hilke Opelt)

Düsseldorf Als eine der jüngsten BWL-Professorinnen ist Yasmin Mei-Yee Weiß nicht nur an Deutschlands Hochschulen bekannt. Sie ist ebenso eine gefragte Personalmanagerin, Beraterin sowie Aufsichtsrätin und Beirätin bei deutschen Technologieunternehmen und geschäftsführende Direktorin des Instituts für deutsch-chinesische Zusammenarbeit Prof. Dr. Fargel. Daneben ist sie als politische Beraterin in Berlin sowie als Autorin aktiv.

Gleich nach ihrer Promotion in Wirtschaftswissenschaften arbeitete sie in verschiedenen internationalen Positionen bei namhaften Unternehmen wie Accenture, Eon oder BMW. Beim Münchener Premiumautobauer war sie bis Anfang 2014 unter anderem in der Personalstrategie und -politik, in der strategischen Personalentwicklung sowie im Personalmanagement für BMW China tätig.

Parallel zu ihrer Tätigkeit in der Wirtschaft hat Weiß seit 2011 eine Professur für Personal und Organisation an der Technischen Hochschule in Nürnberg inne. 2015 ist sie zudem als Visiting Professor an die Technischen Universität Berlin für das Lehrgebiet Diversity Management berufen worden. Yasmin Mei-Yee Weiß ist auch als Aufsichtsrätin tätig und gehört dem Aufsichtsrat des Zeppelin Konzerns, der Neuen Bayerischen Beamten Lebensversicherung A.G sowie dem Beirat der BLG Logistics Group an.

Liebe Frau Weiß, welche Hobbies hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
Meine Antwort mag sie vielleicht überraschen, aber für mich war diese Erfahrung ex post wirklich lehrreich: Mein größtes Hobby in der Jugend war Schwimmen als Leistungssport. Ich habe bis zu sechs Mal wöchentlich trainiert – im Becken, im Kraftraum, draußen beim Joggen. Ich bin da reingerutscht, maßgeblich aufgrund meiner zweier Brüder und habe nicht groß darüber nachgedacht, ob es das Richtige für mich ist.

Und, war es das?
Definitiv nicht! Mir hat es weder richtig Spaß gemacht, noch hatte ich besonderes Talent dafür oder gar die körperlichen Voraussetzungen, um eine herausragende Schwimmerin zu werden; egal wie viel ich trainiert habe. Und ich mochte den Trainer nicht. Mein Lerneffekt hieraus: Ohne Leidenschaft und eine ausreichende Prise Talent und den richtigen Coach auch keine Spitzenleistung, egal auf welchem Gebiet.

Im Rückblick: Was hat dazu geführt, dass Sie richtig gut geworden sind darin? Was haben Sie getan/gelassen?
Ich bin ja trotz intensiven Trainings nie richtig gut geworden, sondern im Mittelmaß stecken geblieben, was meinen Spaß nochmals gedämpft hat. Seither suche ich mir in allen Lebensbereichen sehr bewusst selber aus, womit und mit wem ich einen großen Teil meiner wertvollen Lebenszeit verbringe. Und ich achte darauf, dass es mein Weg ist, nicht der, den jemand anders für mich gewählt hat. Ausgeprägte Leidenschaft, Talent, Flowgefühl, Sinnempfinden und angenehme, inspirierende Menschen um mich herum – nach diesen Zutaten wähle ich aus. Das ist ein wunderbarer Cocktail, aus dem viel entstehen kann. Und der mir zudem so gut schmeckt, dass ich gar nicht genug davon bekommen kann.

Wie fängt Ihr Tag an?
Ich werde immer früher als mir lieb ist von unserer kleinen Tochter geweckt. Wir gehen runter, kuscheln eine Runde, unsere Haushälterin kommt und macht uns ein gesundes Frühstück und dann machen wir uns alle gemeinsam fertig für die Fahrt in den Kindergarten. Dann geht's für mich meistens zurück ins Home Office, wenn ich keine externen Termine oder Dienstreisen habe.

Was machen Sie morgens als erstes im Büro?
Zuerst immer etwas Schönes, beispielsweise besonders angenehme E-Mails beantworten oder gute Telefonate führen. Ich möchte stets mit einem guten Gefühl in den Arbeitstag starten, nicht mit etwas, was mich nervt.

Was würden Ihre alten KollegenInnen/Ihr alter ChefIn sagen auf die Frage was Sie auszeichnet?
Ich kann sehr gut auf Menschen zugehen, die ich bislang nicht kenne, und mit ihnen ins Gespräch kommen. Ich bin sehr an anderen Menschen interessiert und liebe es, mein persönliches Netzwerk und meinen Horizont zu erweitern. Von jedem Menschen kann ich etwas lernen, zum Beispiel lerne ich auch sehr viel von meinen jungen Studierenden. Was meine alten Kollegen oder mein alter Chef über mich sagen würden? Vermutlich dass ich eine schnelle Auffassungsgabe habe, kommunikationsstark bin und von klein auf gelernt habe, mich in einem internationalen Kontext parkettsicher zu bewegen, insbesondere was die Zusammenarbeit mit Chinesen betrifft, da ich eine chinesische Mutter habe.

... was Sie besser können als alle anderen im Team?
Ich weiß, was ich nicht weiß. Und ich kann extrem gut um Hilfe bitten.

Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind?
Wenn ich mit total inspirierenden Menschen umgeben bin und mich mit ihnen austausche. Und wenn ich an meinen Büchern schreibe.

Wenn Sie Leiter der Bill Gates Foundation wären, die finanziellen Mittel jedoch nur für ein einziges Anliegen verwenden könnten, welches wäre es?
Ich würde einen globalen Weckruf starten, dass wir nur eine Welt haben und wir alle im gleichen Boot sitzen. Statt mit vereinten Kräften an den großen globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, sauberer Energie und nachhaltigen Ernährungskonzepten zu arbeiten, verzetteln wir uns derzeit in geopolitischen Konflikten, Handelsstreits und engstirnigen nationalistischen Denkweisen. Dabei sind alle Länder inzwischen so eng miteinander verwoben. Diese Zusammenhänge einmal verständlich aufzuzeigen und transparent zu machen, was für jeden Einzelnen die spürbaren Konsequenzen sind, wenn wir so weitermachen wie bisher: DAS hielte ich für extrem lohnenswert. Vielleicht führt das bei dem ein oder anderen zum Umdenken.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, KollegInnen) in schwierigen Situationen, indem…?
… ich versuche, stets Antennen dafür zu haben, wie es ihnen geht und offen bin, Veränderungen anzustoßen, die zu einer Verbesserung führen. Ich habe zudem große Freude dran, Nachwuchskräfte zu fördern und ihnen Türen zu öffnen, wenn ich in ihnen etwas erkenne, was mich persönlich beeindruckt. Gerade junge Nachwuchskräfte unterstütze ich dabei, ihre eigene, mutige Vision für ihre Zukunft zu entwickeln und Wege aufzuzeigen, wie sie dorthin gelangen. Das ist einer der Gründe, warum ich das Start-Up Yoloa gegründet habe.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich…?
Mangelnde Empathie, mangelnde Wertschätzung, mangelndes Interesse am Menschen, der sich hinter der Arbeitskraft verbirgt.

Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
Ich schreibe ja gerade ein Buch. Es geht darum, was die weibliche Neudefinition von Lebenserfolg im 21. Jahrhundert ist und wie wir Frauen es schaffen, unsere individuelle Vision von privatem und beruflichem Erfolg unter einen Hut zu bringen.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar und welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?
Ohne mein Smartphone mit diversen E-Mailkonten und Apps wäre das Remote-Arbeiten für mich schwer. Täglich im Einsatz habe ich die Apps von LinkedIn, Twitter und ntv für News.

Inspirierende Newsletter, Podcasts oder Webseiten?
Ich reserviere jeden Tage mindestens 30 Minuten in Summe für die Erweiterung meines Wissens. Besonders gerne mag ich hier den Join-Ada Podcast, Blinkist, das Handelsblatt Morning Briefing und meine Timelines auf LinkedIn und Twitter.

Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Zu viele Apps gleichzeitig geöffnet zu haben und immer wieder reinzuschauen. Das möchte ich mir wirklich abgewöhnen. Mein Ziel ist, einen dafür vorgesehenen Zeitraum im Tag zu haben, und den restlichen Tag, die Apps zu ignorieren.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an KollegInnen für Gehaltsverhandlungen?
Vor Gehaltsverhandlungen musst Du Deine Hausaufgaben gemacht haben, damit Du eine gute Verhandlungsbasis hast. Du musst Dir ein unverwechselbares Kompetenzportfolio aneignen und laufend aktuell halten, hervorragende Leistungen abliefern, ein relevantes berufliches Netzwerk pflegen und dann auf dieser Basis selbstbewusst in die Gehaltsverhandlungen starten. Ich meine dabei aber nicht nur die Verhandlung monetärer Gehaltsbestandteile, sondern insbesondere auch die nicht-monetären: beispielsweise Freiheitsgrade bei der zeitlichen und räumlichen Arbeitsgestaltung, inhaltliche Autonomie, Zugang zu Weiterbildungsmaßnahmen und Netzwerken. Gerade die genannten nicht-monetären Anreize sind total wichtig für Working-Mums wie mich, die den Anspruch haben, Familie und eine anspruchsvolle Karriere miteinander in Einklang zu bringen.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Ich wurde empfohlen für Tätigkeiten und Positionen, für die man sich nicht bewerben kann. Zum Beispiel wurde ich aus meinem Netzwerk heraus an Bundeskanzlerin Merkel empfohlen, die mich dann in den Innovationssteuerkreis der Bundesregierung berufen hat. Oder ich durfte auf der offiziellen Feier anlässlich 95. Geburtstag von Altbundeskanzler Helmut Schmidt sprechen, was aufgrund der Live-Übertragung im Fernsehen zu einer Reihe an weiteren spannenden Chancen geführt hat.

In Konfliktsituationen bin ich…?
… meistens nicht so dickhäutig, wie ich es gerne wäre. Meine Stärke allerdings ist, dass ich selbstreflektiert bin und im Nachgang überlege, was mein Teil an dem Konflikt war.

Pannen sind…?
... große persönliche Lernquellen, die zunächst im hässlichen Gewand einer Niederlage daherkommen.

Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend trotzdem gerne verzichtet?
Auf so wirklich einige…

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Ich hätte auch eine empathische Ärztin werden können.

Wie gehen Sie mit Stress um?
Ich treibe zur Stressprävention möglichst vier Mal wöchentlich Ausdauersport und treffe mich zudem an zwei Abenden pro Woche mit meinen engsten Freunden. Als Familie verbringen wir mehrmals im Jahr Urlaub an besonders schönen Orten, damit mein Mann und ich bewusst von unseren anspruchsvollen Jobs abschalten können. Und ich trainiere ganz bewusst die Kraft des positiven Denkens. Denn wir können negative Emotionen wie Stress zwar nicht direkt steuern, aber indirekt sehr wohl, denn ich habe es selber in der Hand, mit was für Gedanken ich mich größtenteils beschäftige.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Love it, change it or leave it. Das Leben ist zu kurz, um es mit einem Job zu füllen, der mich unglücklich macht.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
Ich habe mal von einer miserablen Führungskraft den Satz gehört: „Mit ihrem Puppengesicht werden Sie nicht Führungskraft.“ Was für ein inhaltlich falscher, menschenverachtender Satz. Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum ich gerne Aufsichtsrätin geworden bin: Um Unternehmenskulturen so zu transformieren, dass solche Sätze weder gedacht, noch ausgesprochen werden, sondern der Vergangenheit angehören.

Anderen Chefs würde ich gerne sagen, ...?
... dass Führen bedeutet, anderen Menschen zu dienen. Und dass wir neben der Zielerreichung auch die Schaffung von emotionalem Mehrwert im Blick haben müssen. Schließlich ist es dass, was uns nachhaltig von Robotern unterscheidet.

In den nächsten 3 Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
Ich möchte noch mehr als bislang die Rolle eines „Tech-Translators“ einnehmen und mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass eine breite Öffentlichkeit die Grundlagen der neuen Technologien versteht. Gerade im Bereich der großen Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Blockchain oder Data Analytics sind wir gerade dabei, sehr viele Menschen abzuhängen, die dann Ängste und Widerstände entwickeln, sich damit auseinander zu setzen. Um diese Rolle wirkungsvoll einnehmen zu können, muss ich in den nächsten Jahren selber tiefer in die neuen Schlüsseltechnologien eintauchen.

Wie schalten Sie abends ab und wann gehen Sie ins Bett?
Ich gehe leider fast immer viel zu spät ins Bett. Mein klares Ziel aber ist: Mindestens sieben Stunden Schlaf pro Nacht, da ich weiß, wie wichtig Schlaf für unsere Gesundheit und unsere Leistungsfähigkeit ist. Daher habe ich folgenden Plan: Mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen Digital Detox betreiben und deutlich früher als bislang ins Bett gehen. Was ich jetzt bereits gut umsetze, ist das Credo: „Go to bed with a dream and wake up with a purpose.” Das ist eine tägliche Gedankenübung, auf die ich nicht mehr verzichten möchte.

Frau Weiß, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Mehr: Podcast - In „Handelsblatt Mindshift“ sprechen die Wirtschaftsjournalistinnen Carina Kontio und Andrea Rexer ab sofort jeden Mittwoch mit inspirierenden Leaderinnen und Leadern aus Politik und Wirtschaft darüber, was gute Führung in einer neuen Arbeitswelt ausmacht, warum wir Regelbrecher und Querdenker brauchen. Kurz: einen Mindshift.

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