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"Mrs. Code"

Aya Jaff ist 23, weiblich und angesagte Programmiererin.
(Credit: Privat)

Codesign Factory Gründerin Aya Jaff „Ich kann nicht lange an etwas arbeiten, was mich nicht erfüllt“

Die Gründerin der Codesign Factory ist ein Star der Tech-Branche. Die Deutsch-Irakerin will jungen Menschen die Angst vor dem Programmieren nehmen.
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Der Vater von Aya Jaff ist Taxifahrer, die Mutter Kassiererin. Mitte der 1990er-Jahre flohen sie vor dem kurdischen Bürgerkrieg aus dem Nord­Irak nach Deutschland. Nach dem Abitur schrieb Aya Jaff sich für ein Wirtschaftsinformatik-Studium in Nürnberg ein. Ein Stipendium ermöglichte ihr einen Forschungsaufenthalt im Silicon Valley. Doch nach vier Semestern schmiss sie ihre Studium.

2018 gründete die damals 22-Jährige ein eigenes Start-up. Mit der „Codesign Factory“ wollte sie eine Alternative zur normalen Unternehmensberatung schaffen und praxisnahe Nachhilfe bei der Digitalisierung geben.

Parallel dazu studiert Aya Jaff heute Wirtschaft an der Universität in Nürnberg. Sie war schon auf beinahe allen Titelseiten der wichtigen Tech-Magazine zu sehen und wurde kürzlich zur „Mrs. Code“ gekürt. Ihre Mission: Jungen Menschen – insbesondere Frauen – die Angst vor dem Programmieren nehmen.

Liebe Frau Jaff, welche Hobbies hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
Ich hatte keine besonderen Hobbies ehrlich gesagt... Ich war auch nicht in irgendwas besonders gut. Ich war eher die Person, die in alles mal reingeschnuppert hat, zum Beispiel habe ich paar Jahre lang Gitarre gespielt und vier Jahre lang Ballett getanzt. Also, wirklich keine Besonderheit! Ich war auch nie Teil einer Clique, sondern habe mich querbeet mit den Leuten gut verstanden.

Im Rückblick: Was hat dazu geführt, dass Sie richtig gut geworden sind darin? Was haben Sie getan/gelassen?
Die Tatsache, dass ich so viel ausprobiert habe, hat dazu geführt, dass ich immer mehr Selbstbewusstsein entwickelte mit der Zeit. Damals in der 5. Klasse war ich noch ziemlich schüchtern, doch das hat sich dann in der Oberstufe geändert. Das wiederum hat dazu geführt, dass ich mich getraut habe, offen über meine Gedanken und Ideen zu reden. Ehrlich zu sein und mit anderen Menschen über seine Gefühle und Wünsche reden zu können, ist eine unglaublich wertvolle Eigenschaft - sowohl privat, als auch beruflich.

Wie fängt Ihr Tag an?
Ich werde am Morgen erst einmal von meinem Hund abgeknutscht, dann wird eine kleine Runde gekuschelt, während ich den Tag in meinem Kopf plane. Ich bin auch jemand, der sofort nach dem Handy greift, um ehrlich zu sein. Ich hätte Angst, etwas zu verpassen, wenn ich das nicht tun würde.

Was machen Sie morgens als erstes im Büro?
Spotify öffnen und die richtige Musik suchen, danach eine To-Do-Liste schreiben mit den drei wichtigsten Aufgaben des Tages.

Was sind Ihre Stärken? Bzw. Was würden Ihre alten Kollegen/Ihr alter Chef sagen auf die Frage was Sie auszeichnet?
Puh, schwer zu sagen. Jeder Chef hat etwas anderes an mir gemocht. Aber meistens ist es dann doch meine Ehrlichkeit. Wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich das. Ich kann nicht lange an etwas arbeiten, was mich nicht erfüllt. Mich muss die Vision des Unternehmens inspirieren, sonst macht das alles keinen Sinn. Man merkt es mir relativ schnell an, wenn ich nicht mehr mit Herz und Seele dabei bin. Moment, Sie haben nach Stärken gefragt?

... was Sie besser können als alle anderen im Team?
Ich kann andere Menschen aus dem tiefsten emotionalen Loch herausholen und ihnen das Gefühl geben, dass sie weiterhin an die Vision/Idee/sich selbst glauben können. Zumindest sagen mir das meine Freunde und Kollegen oft. Ich bin dankbar, dass sie sich mir so anvertrauen.

Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind?
Wenn ich Magazine lese und mir auf einmal tausend Ideen kommen, wie ich den Inhalt auf mein Leben übersetzen kann. Dann fange ich an, Mindmaps zu basteln und die verschiedenen Themen in Form von Überschriften, Bildern oder Post-its an die Wand zu heften. Nach ein paar Stunden intensivster Konversation mit mir selber, merke ich dann oft, welche Richtung mich wirklich begeistert und was ich als nächstes angehen sollte. In solchen Moment bin ich dann so aufgeregt und hibbelig, dass ich alles andere um mich herum vergesse.

Wenn Sie Leiter der Bill Gates Foundation wären, die finanziellen Mittel jedoch nur für ein einziges Anliegen verwenden könnten, welches wäre es?
Bill and Melinda Gates, wenn ich bitten darf! Die Frau ist der absolute Hammer. Aber zurück zur Frage. Mein einziges Anliegen wäre wahrscheinlich: Frauen auf der ganzen Welt einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Genau dafür setzt sich Melinda auch richtig stark ein.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, Kollegen und Kolleginnen) in schwierigen Situationen, indem…?
... ich ihnen zuhöre und versuche, zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn ich Vermutungen habe, dann sage ich das frei heraus. Manchmal sind schwierige Situationen nämlich auch emotionaler Natur und nicht so einfach zu beschreiben. Persönliche Grenzen überschreite ich nicht, wenn ich merke, die Person fühlt sich bei dem Gespräch unwohl.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich…?
... wenn Hierarchie spürbar wird.

Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
Ich glaube mein Buch würde Moneymakers heißen und es würde mal gehörig über die Börsenwelt aufklären. Aber nicht auf langweilige Art mit super vielen Fachbegriffen, sondern mit vielen Fallbeispielen aus dem Alltag und inspirierenden Vorbildern. Ich rede nicht von Gordon Gekkos! Halt...Moment... Das klingt nach einer mega Idee. Ich glaube, da setze ich mich gleich mal ran.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar und welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?
Meine Notizen-App ist mein kleines Universum - dort schreibe ich bei Meetings mit, oder auch meine To-Dos. Manchmal mache ich dort auch einen kleinen Entwurf für meine Vorträge, aber auch schwierige E-Mail-Formulierungen und Rechnungsnummern finden dort ihren Platz. Echt praktisch die App.

Inspirierende Newsletter, Podcasts oder Webseiten?
Ich liebe den Newsletter „what happened last week“ – ich habe das Gefühl, dass er mir die Welt erklärt. Hab ich erwähnt, dass er absolut kostenlos ist?

Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Instagram! Ich deaktiviere mein Profil, wenn ich merke, dass ich mich selbst nicht beherrschen kann.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an Kollegen und Kolleginnen für Gehaltsverhandlungen?
Nie aus einer Position der Schwäche argumentieren, sondern immer aufzählen, warum man mehr verdient - also ganz konkret aufzeigen, wo man erfolgreich war und wie viel Verantwortung man tragen muss. Außerdem immer etwas mehr verlangen, als ursprünglich geplant.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Dass man sich nicht ganz so alleine fühlt in der „bösen, harten“ Business-Welt. Man hat Freunde gefunden - man hilft einander, empfiehlt einander und kann vor allem einfach um Rat fragen.

In Konfliktsituationen bin ich…?
... bemüht um Fairness.

Pannen sind…?
... Gelegenheiten zu lernen.

Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend trotzdem gerne verzichtet?
Meine Interesse für Computer nicht früh genug mit Freunden geteilt zu haben!

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Ich habe eben meine Schwester und meine Mama gefragt. Sie überlegen immer noch...

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Ich kommuniziere meine Bedürfnisse an meinen Chef/meine Chefin. Bin ich das selbst, werde ich selbst aktiv und ändere das, was mich unglücklich macht.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde…?
Können Sie überhaupt etwas?

Anderen Chefs würde ich gerne sagen...?
Ich weiß es ist hart, aber bitte bleibt nett.

In den nächsten 3 Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
So viel! Zu viel. Spaß beiseite. Ich würde gerne richtig gut skaten können.

Wie schalten Sie abends ab und wann gehen Sie ins Bett?
Ich höre ein Hörbuch oder Headspace. Und ich gehe ins Bett, wenn ich müde bin. No pressure (lacht).

Frau Jaff, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Mehr: Dossier zum Download. Rolemodels – Wie erfolgreiche Frauen denken und handeln.

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