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Digitalisierung Bundesregierung besorgt über Frauenmangel in der IT- Branche

Geht es nach der Regierung, gestalten zu wenige Frauen die Industrie 4.0 mit. Ihre Unterrepräsentanz verschärfe nicht nur den Fachkräftemangel.
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Die Bundesregierung will den „Girl’s day“ weiterentwickeln, um so mehr junge Frauen für die IT-Branche zu begeistern. Quelle: AFP
Kanzlerin Angela Merkel

Die Bundesregierung will den „Girl’s day“ weiterentwickeln, um so mehr junge Frauen für die IT-Branche zu begeistern.

(Foto: AFP)

BerlinDie Digitalbranche ist nach wie vor eine Männerdomäne – seit Jahren dümpelt der Frauenanteil unter den Beschäftigten bei unter 30 Prozent. Das stört auch die Bundesregierung.

Um Deutschland „zum digitalen Wachstumsland in Europa zu machen“, müsse „das innovative Potenzial der Frauen stärker eingebunden“ und ihr Anteil an Führungsjobs erhöht werden, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen, die dem Handelsblatt vorliegt.

Die Unterrepräsentanz der Frauen verschärfe nicht nur den Fachkräftemangel in der IT-Branche, schreibt Bildungsstaatssekretär Michael Meister (CDU), sondern schade generell, weil „der Input der Frauen für die digitale Zukunft“ fehle. Studien zufolge führe das auch zu „echten Sicherheitslücken“, weil das Verhalten von Frauen ignoriert würde, heißt es. Bisher ist nicht abzusehen, dass schnell mehr Frauen für die Branche und die entsprechende Forschung gewonnen werden können.

Durch unzählige „Girls' Days“ und Werbung für naturwissenschaftlich-technische Fächer (MINT) ist der Frauenanteil im Studiengang Informatik im vergangenen Jahrzehnt zwar kräftig gestiegen – allerdings nur von 14,5 auf 21 Prozent. Bei den Promotionen waren es zuletzt gut 15 Prozent, unter den Professoren sind gerade mal zwölf Prozent weiblich.

In anderen Ländern, vor allem Schwellen- und Entwicklungsländern, sind die Anteile teils weit höher. So stellen in Tunesien Frauen die Hälfte der IT-Spezialisten, berichtete die Nordafrika-Expertin der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Maria Losada, jüngst auf einem MINT-Gipfel im Wirtschaftsministerium.

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Potenzial sei auch in Deutschland vorhanden, ist die Regierung überzeugt. „So haben beim Jugendwettbewerb Informatik in den Klassenstufen eins bis vier fast genauso viele Mädchen teilgenommen wie Jungen“, heißt es in der Antwort. Nur nehme das Interesse dann kontinuierlich ab, so dass es in der Oberstufe nur noch knapp 28 Prozent sind. Meister sieht „enormen Handlungsbedarf“.

Die Regierung „unterschätzt das Problem von zu wenigen Frauen im IT-Bereich massiv“, kritisiert die innovationspolitische Sprecherin der Grünen, Anna Christmann. „Obwohl sie den Handlungsbedarf offenbar sieht, will sie nichts an ihrer Politik ändern und lediglich existierende Programme weiterführen.“ Dabei seien die Zahlen ein klarer Beleg, dass die bisherigen Anstrengungen offensichtlich nicht reichten.

Die Grünen fordern „breit und auf Dauer angelegte spezifische Angebote für Frauen“ – vor allem die frühzeitige Ansprache von Mädchen in der Schule, einen Hochschulwettbewerb um die besten Studienangebote speziell für Frauen und Mentoringprogramme in Wissenschaft und Wirtschaft.

Auf die Frage nach konkreten Maßnahmen kündigt die Regierung in der Tat lediglich an, sie wolle den „Girls' Day“ weiterentwickeln und die 2016 gestartete Initiative „Klischeefrei“ ausbauen. Letztere hat sich zum Ziel gesetzt, eine geschlechterunabhängige Berufs- und Studienorientierung zu etablieren.

Zuletzt sind ihr auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der DIHK und der Zentralverband des Handwerks beigetreten. „Viele junge Frauen entscheiden sich nach wie vor für Ausbildungsberufe und Studiengänge, die nur begrenzte Verdienstchancen bieten“, sagt Alexander Gunkel, Mitglied der BDA-Hauptgeschäftsführung. „Wir wollen das ändern und damit auch dazu beitragen, dass die noch bestehenden Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern geringer werden.“

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