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DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst „Mehr als das Beste kann niemand geben und das reicht völlig“

Die prominente Gender-Forscherin tritt nach rund 32 Jahren beim DIW Berlin ab. Ein Gespräch über ihre Zukunft, Atmen und Fehlentscheidungen.
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BonnElke Holst ist Forschungsdirektorin im Bereich Gender Studies und Senior Economist des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Sie verfolgt das Thema Gleichstellung von Männern und Frauen in der Arbeitswelt schon seit Jahrzehnten – und sagt: „Unternehmen müssen sich ambitionierte Ziele für mehr Frauen in Führungspositionen setzen“.

Sie plädiert außerdem dafür, alle Hierarchieebenen der Unternehmen mit ausreichend Frauen zu besetzen – damit der Pool an Frauen, aus dem Spitzenpositionen besetzt werden können, immer größer wird. Beim DIW verantwortete Holst auch das „Managerinnen-Barometer“, mit dem jedes Jahr der aktuelle Stand bezüglich des Frauenanteils in Spitzenpositionen der Wirtschaft untersucht wird.

Das Gespräch mit Elke Holst führte ich kurz vor dem Ende ihrer Zeit beim DIW, das sie am 1. Juni altersbedingt verlassen wird. Holst war mit kurzen Unterbrechungen rund 32 Jahre am Institut tätig und hat sich vor allem um die Genderforschung in Deutschland insgesamt sehr verdient gemacht. Als „Jeanne d'Arc“ der Gender Studies verabschiedete Brigitte Zypries Elke Holst vergangene Woche unter tosendem Beifall im DIW Berlin.

Frau Holst, wie fing Ihr Tag bisher Tag an und wie wird das wohl in der Zukunft jetzt aussehen?
Mein Tag fing bisher sehr früh mit der Beantwortung von E-Mails an. Dann so schnell wie möglich auf's Fahrrad – oder bei schlechtem Wetter in die U-Bahn – zum DIW oder zu einem externen Termin. In Zukunft werde ich mehr spontan den Tag beginnen lassen, und tun, was mir in den Kopf kommt; gerne auch den Tag mit einem gemütlichen Frühstück in meinem Lieblingscafé beginnen. Reisen gehört seit meiner Schulzeit ohnehin zu meinem Alltag. Ich entdecke immer noch Neues.

Was machen Sie morgens als erstes im Büro?
E-Mails beantworten, Tag planen, Terminplan und Aufgaben abarbeiten, Gesprächen führen, an Sitzungen teilnehmen, Gespräche mit Kolleg*innen führen, twittern, externe Terminen absolvieren, Mittagsessen und wenn es ruhiger wird gegen Nachmittag meiner eigentlichen Aufgabe nachgehen: forschen.

Was sind Ihre Stärken?
Humor, Offenheit, Neugier, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Kommunikationsfreude, Freude am Teilen und Spaß haben. Und ich hoffe sehr, ausreichend gutmütig zu sein – das müssen die anderen beurteilen.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Ich habe kein bestimmtes Rolemodel, aber ich schneide mir sehr gerne von Menschen, die ich treffe, ein kleines oder größeres Stück Vorbild ab. Das überfordert niemanden und macht es mir leichter, das zu lernen, was ich brauche.

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Einatmen, ausatmen, weiteratmen. Offen bleiben; die Welt ist ein riesengroßes Abenteuer!

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine MitarbeiterInnen (Nachwuchskräfte, KollegInnen) in schwierigen Situationen, indem…
... ich versuche, sie in ihre eigene Kraft und Selbstvertrauen zu führen. Im Rahmen meiner Möglichkeiten stehe ich auch als Gesprächspartnerin zur Verfügung, erkläre, schlage Lösungswege vor oder entscheide wenn nötig, was getan wird. Nach meiner Erfahrung finden Menschen nach etwas Zeit meist schon selber sehr gute Lösungen.

Angenommen, eine Kollegin oder Mitarbeiterin denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
... kenne ich, das hat bestimmt jede schon mal von sich gedacht, oder fast jede. Es gibt einen Buchtitel: Ich bin okay – du bist okay. So sehe ich das. Mehr als das Beste kann niemand geben und das reicht völlig. Jeder Mensch ist einzigartig mit seiner oder ihrer Art und seinen oder ihren Talenten. Ich rate, darauf zu vertrauen und nach vorne zu schauen, es einfach auszuprobieren und nicht so viel zu bewerten. Oftmals ist es besser zu lernen durch beobachten und sich dann für das zu entscheiden, was frau selber möchte. Fehlentscheidungen sind nicht schlimm, daraus lernen ist das Geheimnis.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich…
... Herabwürdigungen, niedermachen, anschreien, Launen an ihnen auslassen, Schuld auf sie abschieben.

Feedback ist für mich…
... enorm wichtig. Ich möchte lernen und es nicht nur fachlich, sondern gerade auch im Umgang mit Menschen immer besser machen.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar?
PC und Handy.

Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Disziplinloses Zeit-„Management“.

Über ihre Erfolge sollten Frauen…
... sich freuen. Und dabei nicht vergessen, dass zu Erfolgen auch Misserfolge beigetragen haben. Wird daraus gelernt, ist jeder Misserfolg ein Schritt weiter in Richtung Erfolg.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
Sich schon beim Einstiegsgehalt sehr gut informieren. Überhaupt so viele Informationen wie möglich vor Gehaltsgesprächen sammeln und sich mit anderen auch über Strategien austauschen. Sollte es monetär nicht weitergehen, dann können auch geldwerte Leistungen verhandelt werden. Immer einen Plan B in der Tasche haben.

Verbündete und Mentoren finde ich, indem...
... ich eine Person suche, die so führt, wie ich es mir wünsche und sie dann frage. Das Verhältnis ist zwischen Mentor*innen und Mentees ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Das ist wichtig zu wissen.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Große Freude und Schwung, gegenseitige Unterstützung, Durchhaltevermögen, Ideen zu kreativen Lösungsansätzen.

Wenn Sie Leiter der Bill Gates Foundation wären, die finanziellen Mittel jedoch nur für ein einziges Anliegen verwenden könnten, welches wäre es?
Das ist schwer zu beantworten. Ich denke, ich würde einen speziellen Fonds für Alleinerziehende auflegen, um sie zu entlasten und ihre Chancen sowie die Chancen ihrer Kinder auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

In Konfliktsituationen bin ich…
... wenn sie sehr heftig sind, ganz ruhig. Ansonsten versuche ich, meine Interesse nicht aus den Augen zu verlieren und nach Kompromissen zu suchen, mit denen möglichst alle Beteiligten leben können.

Pannen sind…
... zu vermeiden, aber nicht immer vermeidbar.

Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend trotzdem gerne verzichtet?
Eigentlich habe ich aus allem gelernt. Auch Fehlentscheidungen machen jeden oder jede zu der Person, die frau oder man heute ist.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Coach, Künstlerin.

Wie gehen Sie mit Stress um?
Leider völlig unzureichend. Einatmen, ausatmen, weiter atmen. Dann hoffe ich zu erkennen, wie ich den Stress sofort reduzieren kann, etwa durch Delegation.

Nein sagen sollten Frauen zu…
... allem, was ihnen schadet. Wenn sie beispielsweise klein gemacht werden oder andere definieren, was für sie gut ist, ohne dass sie sich damit identifizieren können.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Ich habe schon alles durchprobiert, viel gewechselt und bin dann bei dem interessantesten Job in meiner Karriere geblieben: der wissenschaftlichen Arbeit in einem Forschungsinstitut, das großen Wert auch auf den Wissenstransfer in Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft legt.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
Sie sind dumm.

Anderen Chefs würde ich gerne sagen …
Erkennt die Potenziale eurer Mitarbeiter*innen und fördert sie. Sind sie besser als ihr, fördert sie weiter. Man oder frau sieht sich mindestens zweimal im Leben, und ein guter Kontakt nach „oben“ kann nicht schaden.

Wie schalten Sie abends ab, und wann gehen Sie ins Bett?
Ich gehe im Schnitt gegen ein Uhr ins Bett. Davor sehe ich meine Wahlverwandten, mache Sport, zeichne oder tue spontan das, was sich gerade so ergibt und mir Spaß macht. Das kann manchmal auch ein fauler Fernsehabend sein. Direkt vor dem Einschlafen gehe ich die 4-7-8 Atemübung durch.

Frau Holst, ich danke Ihnen sehr für dieses Gespräch.

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