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Emotionale Ansteckung Was Chefs von Katzenvideos lernen können

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Chefs und Chefinnen sind ansteckender
Ist der Chef müde oder gelangweilt, steckt das an, und seine Mitarbeiter fühlt sich bald auch so.
Wenn der Chef gähnen muss

Ist der Chef müde oder gelangweilt, steckt das an, und seine Mitarbeiter fühlt sich bald auch so.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Empirische Studien legen nahe, dass sich negative Gefühle in Netzwerken weitaus nachdrücklicher ausbreiten als positive. Sie verbreiten sich wie ein Virus von Person zu Person und kommen somit – wenn auch abgeschwächt – bei Netzwerkmitgliedern an, die in der ursprünglichen Situation nicht zugegen waren. Dies hat einen evolutionären Hintergrund: Potenzielle Bedrohungen früh erkennen zu können scheint letztlich adaptiver zu sein, als sich voreilig in Sicherheit zu wiegen. Ein erstes Zwischenfazit lautet demnach: Die Stimmung in Organisationen kippt wesentlich leichter nach unten als in die andere Richtung.

Es gibt einen weiteren Haken, der die Rolle der Hierarchie betrifft: Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich beim Prozess der emotionalen Ansteckung eine ausgeprägte Asymmetrie zeigt; konkret: Führungskräfte haben eine überproportional starke Wirkung auf ihre Mitarbeiter, die umgekehrte Wirkrichtung ist spürbar schwächer ausgeprägt.

Stellen Sie sich folgende Standardsituation vor: Eine Führungskraft betritt als letzte Person einen Meeting-Raum, wo bereits die Mitarbeiter warten. Eben noch in private Gespräche verwickelt, richten sich alle Augen auf die Tür, sobald sich die Klinke bewegt. Das Gemurmel versiegt und jeder „checkt ab, wie der (oder die) heute drauf ist“.

Ohne dies notwendigerweise zu wollen, hat die Führungskraft bereits vor dem ersten Wort die emotionale Atmosphäre in der Gruppe ein gutes Stück weit geprägt. Kommt sie gestresst oder verärgert aus dem vorigen Termin, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass auch das kommende Meeting unerfreulich verläuft, obwohl es mitunter gar keinen objektiven Grund dafür gibt. Daher das zweite Zwischenfazit: Führungskräfte tragen nicht nur Verantwortung für ihre eigenen Emotionen, sondern in Teilen auch für jene ihrer Mitarbeiter. Dies ist eine Nebenwirkung der hierarchischen Ordnung in Organisationen.

Führungskräfte sollten sich „in Stimmung bringen“
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1 Kommentar zu "Emotionale Ansteckung: Was Chefs von Katzenvideos lernen können"

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  • Früher hat man so etwas Selbstbeherrschung und Vorbildfunktion genannt und brauchte keine umständlichen Erklärungen über Katzenvideos. Wer als Führungskraft so etwas nicht automatisch berücksichtigt, ist keine Führungskraft

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