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Extrembergsteiger Alexander Huber Seilschaft mit der Angst

Als Extrembergsteiger bewegt sich Alexander Huber ständig in gefährlichem Gelände. Von den Herausforderungen am Berg profitiert er auch als Unternehmer – vor allem wenn es darum geht, im Team zu arbeiten.
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Der Extrembergsteiger, Jahrgang 1968, ist zwei Jahre jünger als sein Bruder Thomas. Seit rund drei Jahrzehnten verbindet die beiden eine Seilschaft, die sie zu einem der besten Duos in der internationalen Kletterszene macht. Alexander Huber beherrscht auch den Free Solo Stil, Klettern ohne Seil und Absicherung. Huber, verheiratet und Vater von drei Kindern (3, 5 und 7 Jahre alt) lebt im oberbayrischen Traunstein. (Quelle: www.huberbuam.de) Quelle: PR
Alexander Huber

Der Extrembergsteiger, Jahrgang 1968, ist zwei Jahre jünger als sein Bruder Thomas. Seit rund drei Jahrzehnten verbindet die beiden eine Seilschaft, die sie zu einem der besten Duos in der internationalen Kletterszene macht. Alexander Huber beherrscht auch den Free Solo Stil, Klettern ohne Seil und Absicherung. Huber, verheiratet und Vater von drei Kindern (3, 5 und 7 Jahre alt) lebt im oberbayrischen Traunstein.
(Quelle: www.huberbuam.de)

(Foto: PR)

Man muss kein Extremsportler werden, um sich mit der Angst zu verbünden. Aber das Beispiel Alexander Huber zeigt, dass es sich auch im Berufsleben lohnt, die Sicherheit der Komfortzone zu verlassen, und ein Risiko einzugehen. „Wenn Du Deine Angst zulassen kannst, wird sie Dein Leben reicher machen", erzählt der durchtrainierte Kletterprofi am Rande einer LeaderIn.-Veranstaltung am Hamburger Elbufer. Während des intensiven Gesprächs wirkt er ebenso kraftvoll wie sanftmütig. Seine langen dunkelbraunen Haare hat der 48 Jahre alte Familienvater zu einem Zopf gebunden. Obwohl alle anderen Gäste in festlich-eleganter Abendgarderobe erschienen sind, trägt Huber Jeans, T-Shirt und Turnschuhe. Ein Rebell, der keine Angst hat, Konventionen zu brechen.

Herr Huber, als Extrembergsteiger bewegen Sie sich ständig in Absturzgefahr, wenn man so will, in für Sie potentiell tödlichem Gelände. Wie gehen Sie in solchen Momenten mit Ihrer Angst um?
Die Angst ist unser bester Freund. Sie lenkt und leitet uns, beschützt uns, macht uns wachsam in Momenten der Gefahr, in denen tatsächlich unser Leben bedroht ist. Und das gilt im Besonderen auch für uns Bergsteiger. Vor allem dann, wenn wir engagiert unterwegs sind, befinden wir uns immer im absturzgefährdeten Gelände. Wären wir in der steilen Welt der Berge nicht wachsam, dann wäre jeder gestiegene Meter brandgefährlich.

Sie sagen, dass Sie ohne Angst nicht mehr leben würden – das müssen Sie uns erklären.
Wenn ich der angstauslösenden Gefahr nicht in die Augen schaue, werde ich diese Ignoranz mit dem Leben bezahlen. Nur wenn ich konzentriert und präzise arbeite, kann ich die Momente der Gefahr sicher durchleben – denn man muss sich über eines im Klaren sein: Sich in Gefahr zu begeben heißt noch lange nicht, sein Leben zu riskieren. In einem Moment der Gefahr diese zu ignorieren entspricht dagegen der Lebensweise eines Hasardeurs. Und die sind in der Welt der Berge noch nie weit gekommen.

Aber es gab Zeiten, da haben Sie sich nicht mehr zum Bäcker getraut, aus Angst, dass jemand Sie ansprechen könnte. Was war da los?
Ich hatte eine generalisierte Angststörung, die sich über viele Einzelereignisse über einen längeren Zeitraum entwickelt hat. Verletzungen, Scheitern, Kritik, finanzielle Probleme und fehlende Vortragsbuchungen haben die Begeisterung für die Berge überdeckt. Ich musste einen neuen Zugang zu den Bergen finden, diese waren und sind für mich nicht nur sportliches Ziel, sondern auch Quelle der Freude in meinem Leben.

Wir alle erleben Krisen, nicht nur im Sport. Was hat Ihnen damals am meisten geholfen, und was raten Sie Menschen, die in eine ähnliche seelische Notlage geraten?
Eine meiner besten Entscheidungen im Leben war, in dieser Situation frühzeitig einen Therapeuten aufzusuchen. Mit ihm begann ich zu verstehen, dass meine Reaktion auf die Ereignisse in meinem Leben nachvollziehbar ist, und er half mir, meine Gedanken neu zu ordnen, und die Freude an den Bergen zurückzugewinnen. Viele scheuen sich, einen Therapeuten aufzusuchen, aber vielleicht würden diese sich leichter tun, wenn man diese Hilfe als Coach oder Mentaltrainer bezeichnet.

Adrenalin-Junkies auf der Couch
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