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Ford-Managerin Birgit Behrendt – eine kölsche Amerikanerin

Birgit Behrendt ist eine der wenigen Frauen im Topmanagement der US-Industrie. Sie fühlt sich sowohl in Amerika als auch in Deutschland heimisch.
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Von der Sekretärin zur Topmanagerin. Quelle: Marcel Maffei für Handelsblatt
Birgit Behrendt in ihrem Büro

Von der Sekretärin zur Topmanagerin.

(Foto: Marcel Maffei für Handelsblatt)

KölnIm Büro von Birgit Behrendt hängt ein Elchkopf. Zurück geht die Plüschtrophäe auf ein Ratgeberbuch über Führung. Es heißt „Put the Moose on the Table“, also „Pack den Elch auf den Tisch“. Es steht für die Aufforderung, alles offen anzusprechen.

Nur so könne man Probleme lösen, betont die 58-Jährige. „Das soll jeder wissen, der zu mir kommt.“ Es ist die Erkenntnis aus unzähligen Gesprächen mit Zulieferern von Ford, dem zweitgrößten US-Autobauer nach General Motors und Nummer fünf in der Welt.

Behrendts Weg an die Führungsspitze begann weit unten. Vor vier Jahrzehnten bewarb sie sich bei Ford in Köln als kaufmännische Auszubildende. Sie arbeitete erst als Sekretärin und studierte abends BWL, wurde dann Sachbearbeiterin und schließlich Managerin.

Es folgten Stationen in leitenden Funktionen in der Materialplanung, Logistik und vor allem im Einkauf. 1998 folgte sie dem ersten Ruf in die Ford-Zentrale nach Dearborn, südwestlich von Detroit, und arbeitete dort am Konzept einer globalen Einkaufsstrategie mit.

2004 rückte sie als erste Frau in den Vorstand von Ford Europa auf, in dem sie die Verantwortung für den Einkauf übernahm. Als ihr 2010 eine Position im weltweiten Einkauf angeboten wurde, zog es Behrendt erneut in die USA. Dort angekommen arbeitete sie am „One Ford“-Plan mit, im Rahmen dessen die Anzahl der Produktionsplattformen reduziert wurde. So konnten die Entwicklungs- und Beschaffungskosten gesenkt werden.

Die USA als zweite Heimat

Seit Anfang des Jahres nun ist Behrendt zurück in Köln und bei Ford als Vizepräsidentin für alle Joint Ventures und Allianzen zuständig. Dazu gehören nicht nur Gemeinschaftsunternehmen im Produktionsbereich, wie sie Ford in Russland oder der Türkei betreibt, sondern auch Kooperationen mit anderen Autobauern und branchenfremden Partnern. So beteiligt sich Ford etwa an Ionity.

Das Joint Venture mit BMW, Daimler und dem VW-Konzern mit Audi und Porsche baut ein Netz von Stromladestationen in Europa auf. Und für die Post-Tochter Streetscooter produziert und vertreibt Ford elektrische Transporter. Seit 2015 ist Behrendt zudem Mitglied im Aufsichtsrat des Gabelstapler-Herstellers Kion aus Frankfurt.

Das Gebäude, in dem sie auf dem Werksgelände in Köln-Niehl direkt neben dem Rhein sitzt, ist die alte Produktionshalle, deren Grundstein Henry Ford und Konrad Adenauer im Oktober 1930 legten. Ford steigerte den Umsatz 2017 um drei Prozent auf rund 157 Milliarden Dollar, kämpft aber derzeit mit schwachen Renditen in Europa.

Das Boot als Anker

Ein Foto in Behrendts Büro zeigt sie mit ihrem Mann auf ihrer Motoryacht „Cologne“. Sie liegt noch immer im Lake St. Claire bei Detroit. „Das Boot ist sprichwörtlich mein Anker“, sagt sie. Zum Ausgleich der Zwölf-Stunden-Tage joggt sie gerne und hat sich ihre beiden „Lieblingsstädte“ schon erlaufen: Detroit beim „Turkey Trot“ zu Thanksgiving, ihre Geburtsstadt beim Köln-Halbmarathon.

Auch ein Bild sticht heraus, das ihr die Kollegen geschenkt haben, als sie wieder in die USA ging: Darauf sitzt sie in einem pinkfarbenen Cabrio und überholt auf dem Weg von Köln nach Detroit einen Focus RS, das leistungsfähigste Modell der Ford-Focus-Reihe.

Behrendt ist bei Ford bekannt dafür, in Meetings immer wieder darauf hinzuweisen, dass man bei der Fahrzeugentwicklung bitte auch an die Frauen denken möge. „Wir dürfen Frauen nicht immer gleichsetzen mit Kleinwagen wie Fiesta oder Ka. Auch wir mögen schnelle Autos – vor allem Cabrios. Jetzt haben wir eins im Portfolio.“ Sie meint den Ford Mustang, den sie auch selbst fährt – natürlich ohne festes Dach.

Und dann ist da noch die Uhr, aus der zu jeder vollen Stunde das Geräusch eines anderen Ford-Motors erklingt: Um acht etwa röhrt ein 1955er Thunderbird, um eins ein Model T von 1914. Letzteres – auch „Tin Lizzy“ (Blechliesl) genannt – war das meistverkaufte Auto der Welt, bis der VW Käfer dem Wagen 1972 den Titel abnahm.

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