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Freelancer-Kompass 2019 So unterscheidet sich der Stundensatz der Selbstständigen von dem der Festangestellten

Unternehmen suchen händeringend IT-Fachkräfte, weil ihnen die Expertise im Haus fehlt. Für Freelancer entsteht so ein lukratives Geschäftsfeld.
4 Kommentare
Freelancer schwimmen weiter auf der Erfolgswelle. Quelle: Photo by Manny Pantoja on Unsplash
Höher, schneller, weiter

Freelancer schwimmen weiter auf der Erfolgswelle.

(Foto: Photo by Manny Pantoja on Unsplash)

Düsseldorf Deutschland ist die europäische Freelancer-Nation – noch vor Italien, Spanien und Frankreich. Die deutsche Hauptstadt Berlin hat sogar einer Studie der Online-Projektbörse Twago zufolge die meisten Selbstständigen in ganz Europa, gefolgt von Madrid, Hamburg und Rom. Twago ist eine unter mehreren Plattformen, auf der Firmen Aufträge ausschreiben, die Freelancer per Mausklick annehmen können.

Sein eigener Chef sein, unabhängig und flexibel arbeiten – das wird nicht nur immer beliebter, sondern ist auch ein Trend. Er hat das Potenzial, den deutschen Arbeitsmarkt zu verändern.

So kann sich beispielsweise knapp die Hälfte aller Festangestellten in Deutschland grundsätzlich vorstellen, als Freiberufler zu arbeiten. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Studie, die das Forsa-Institut im Auftrag von „HalloFreelancer“, einem Service von Xing, im Juni durchgeführt hat.

Vor allem Arbeitnehmer zwischen 18 und 29 Jahren (52 Prozent) sehen sich tendenziell eher in dieser Arbeitsform, bei den 30 bis 39-Jährigen sind es 43 Prozent. Angela Broer, Vice President Professional Market Places und verantwortlich für „HalloFreelancer“, findet: „Durch die Veränderung auf dem Arbeitsmarkt und die positiven Jobaussichten für die nachwachsenden Generationen ist Freelancing mehr als ein Trend, sondern ein essenzieller Bestandteil der modernen Arbeitswelt.“ Die Studienergebnisse zeigten, dass Freelancer sogar glücklicher im Job seien. Auf diese neue Situation sollten sich Unternehmen und deren Personalverantwortliche unbedingt einstellen.

Gründe für die Selbstständigkeit

Unabhängigkeit / Selbstständigkeit / eigener Chef79,21 Prozent
Bessere Verdienstmöglichkeiten45,73 Prozent
Abwechslungsreiche Tätigkeit37,79 Prozent
Flexiblere Arbeitszeiten29,92 Prozent
Lukratives Angebot / Günstige Gelegenheit17,59 Prozent
Fachliche Herausforderung17,45 Prozent
Kündigung / Arbeitslosigkeit14,92 Prozent
Günstige Marktsituation 12,92 Prozent
Sonstiges4,23 Prozent
Quelle:Freelancer-Kompass 2019

Insgesamt ist die Zahl der Selbstständigen hierzulande laut Bundesagentur für Arbeit seit der Jahrtausendwende von rund 705.000 auf über zwei Millionen gestiegen (Stand: 2017). Da viele verschiedene Zählweisen existieren, ist die Festlegung auf eine konkrete Zahl schwierig.

Werden zu den zwei Millionen Selbstständigen beispielsweise noch die Personen dazugerechnet, die einen sogenannten freien Beruf etwa als Hebamme, Steuerberater, Architekt oder Journalist ausüben und keine Gewerbesteuer bezahlen müssen, beläuft sich die Zahl auf rund fünf Millionen Menschen, die eine unabhängige Beschäftigung ausüben. Das sind rund zehn Prozent aller Beschäftigten in Deutschland.

Vor allem der Bedarf an IT-Cracks und Experten für Künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologien ist in den letzten Jahren sehr gestiegen. Für die Unternehmen sind sie vor allem auch ein strategisches Werkzeug, um flexibel auf Schwankungen in der Auslastung der Kernbelegschaft reagieren zu können. Nur noch jede fünfte Firma, so heißt es in einer Untersuchung des Personaldienstleisters Hays, verzichtet ganz auf die Unterstützung durch Freelancer.

Der durchschnittliche Freelancer

Die begehrten Fachkräfte können in einigen Branchen sogar oft weitaus besser verdienen, als Vollzeit-Beschäftigte. Das zeigt der aktuelle Freelancer-Kompass 2019 des Auftrags-Marktplatzes Freelancermap.

Auf welchen durchschnittlichen Stundenlohn ein Freelancer kommt und wie viele freie Tage ihm im Jahr bleiben, um auch mal Urlaub zu machen, beantwortet die heute veröffentlichte Untersuchung des Nürnberger Unternehmens.

Der typische Freiberufler ist demnach männlich, kommt aus Nordrhein-Westfalen, arbeitet knapp 45 Stunden pro Woche als Entwickler (26 Prozent) und macht 26 Tage Urlaub im Jahr. Er ist im Schnitt 47 Jahre alt, heißt Thomas und traut sich erst nach 13 Jahren Berufserfahrung im Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit. Der Frauenanteil ist indes gering: er beträgt 10,91 Prozent.

Stundensätze anhand des Alters

< 30 Jahre74,25 Euro
30-39 Jahre87,92 Euro
40-49 Jahre94,34 Euro
50-59 Jahre99,88 Euro
60-69 Jahre92,11 Euro
> 69 Jahre106,25 Euro
Quelle:Freelancer-Kompass 2019

Das Gehalt liegt inzwischen bei 96 Euro pro Stunde, während der Stundensatz bei der ersten Untersuchung von Freelancermap im Jahr 2016 lediglich 82 Euro betrug. Nur vier Prozent der befragten Selbstständigen verdienen weniger als 50 Euro pro Stunde. Besonders gefragt sind Experten mit langer Berufserfahrung: Wer älter ist als 69 Jahre kann einen Stundensatz von 106,25 Euro ansetzen.

Ein Blick auf die lukrativsten Fachgebiete zeigt: SAP-Experten verdienen mit einem Stundensatz von 112,49 Euro am besten. Am geringsten verdienen Grafiker und Content-Manager.

„Die Marktpreise steigen und Unternehmen sind gewillt, für qualitativ hochwertige Auftragsarbeiten entsprechend zu vergüten“, kommentiert Thomas Maas, Geschäftsführer von Freelancermap, die Ergebnisse. „Diese Entwicklung wird vermutlich in den kommenden Jahren Fahrt aufnehmen, denn schon für 2020 schätzen wir einen Anstieg auf über 96 Euro.“

Hält dieser Trend an, sind Stundenätze über 100 Euro in fünf Jahren keine Utopie mehr. Deutlich steigen würde damit auch das durchschnittliche Nettoeinkommen von Freelancern, das derzeit bei 6922 Euro liegt.

Dieses hohe Einkommen dürfte auch erklären, weswegen die Mehrheit der befragten Freelancer (77 Prozent) eine erneute Festanstellung ausschließt. Zwei Drittel gaben bei der Befragung an, nun als Freelancer mehr zu verdienen als im festen Beschäftigungsverhältnis.

Ein Blick auf die Bruttoumsätze zeigt, dass bereits 2018 über 60 Prozent der Freelancer jährlich mehr als 100.000 Euro umgesetzt haben. Über diesen Jahresumsatz kamen im Jahr 2014 nur 52 Prozent. Zugenommen hat auch der Anteil mit über 50.000 Euro Bruttogewinn pro Jahr: von 52,88 Prozent auf 58,50 Prozent.

Stundensatz nach Fachgebiet

SAP112,49 Euro
Beratung & Management107,82 Euro
IT-Infrastruktur88,52 Euro
Entwicklung82,33 Euro
Ingenieurswesen80,01 Euro
Grafik, Content, Medien66,31 Euro
Sonstiges90,82 Euro
Quelle:Freelancer-Kompass 2019

Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Generell lässt sich, ungeachtet des Geschlechts, feststellen, dass Frauen sowie Männer pro Stunde drei Euro mehr verdienen als noch ein Jahr zuvor: So liegen Frauen bei einem Stundensatz von 87,63 Euro und Männer bei 94,66 Euro.

Zwar ist der Gender Pay Gap im Vergleich zu 2018 um acht Prozent, also 62 Cent, kleiner geworden. Dennoch liegt der Stundensatz weiblicher Freelancer um 7,03 Euro unter dem Stundensatz der männlichen Kollegen. Entsprechend beträgt das durchschnittliche Nettoeinkommen der männlichen Freelancer 7090 Euro und das ihrer Kolleginnen lediglich 5545 Euro pro Monat.

Vorteile als FreelancerNachteile als Freelancer
Freie Zeiteinteilung: 54,57 ProzentAuftragsakquise: 52,49 Prozent
Unabhängigkeit: 54,12 ProzentSchwankendes Einkommen: 49,07 Prozent
Entscheidungsfreiheit: 48,03 ProzentZahlungsverzug: 36,01 Prozent
Projektvielfalt: 35,78 ProzentUnbezahlter Urlaub: 31,70 Prozent
Höheres Einkommen: 32,29 ProzentBuchhaltung: 25,61 Prozent
Home-Office: 27,17 ProzentVertragsverhandlungen: 14,77 Prozent
Kundenauswahl: 16,63 ProzentZeitmanagement: 12,32 Prozent
Keine Verdienstgrenze: 11,95

Insgesamt haben 30,59 Prozent der Befragten ein Nettomonatseinkommen von 5000-7499 Euro. 63,25 Prozent der Freiberufler liegen unter 7500 Euro und 22 Prozent können ein Nettoeinkommen von über 10.000 Euro pro Monat verbuchen.

Die Arbeit als Selbstständiger birgt auch Herausforderungen. Die Projektakquise wird demnach mit 52,49 Prozent als größter Nachteil betrachtet. Fast jeder zweite Selbstständige empfindet ein schwankendes Einkommen als besonders unangenehm.

Die Vorteile des Freelancer-Daseins werden deutlich, wenn sie mit Arbeitern mit einem festen Angestelltenverhältnis verglichen werden: Freiberuflich Arbeitende geben an, eher Zeit für die eigene Familie und für Weiterbildung zu haben, können sich die Zeit freier einteilen und unabhängiger entscheiden.

Woher die Aufträge kommen

Für die Mehrheit der Freiberufler kommen besonders spannende Auftraggeber aus dem Mittelstand: 41 Prozent. Das ist eins der Ergebnisse der „HalloFreelancer“-Umfrage (Xing), die auch besagt, dass nur 15 Prozent der Freelancer Großkonzerne als Auftraggeber bevorzugen.

Mehr: Hier können Sie die komplette Studie Freelancer-Kompass 2019 als pdf-Datei runterladen freelancermap.de/marktstudie.

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Mehr zu: Freelancer-Kompass 2019 - So unterscheidet sich der Stundensatz der Selbstständigen von dem der Festangestellten

4 Kommentare zu "Freelancer-Kompass 2019: So unterscheidet sich der Stundensatz der Selbstständigen von dem der Festangestellten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich stimme meinen Vorkommentatoren völlig zu. Schlimm finde ich, dass im Artikel teilweise "Gehalt" und "Einkommen" synonym zu "Stundensatz" verwendet, was suggeriert, dass die abgerufenen Stundensätze dem Bruttoverdienst entsprechen - was selbstverständlich Unfug ist. Ein Unternehmen bezahlt für gewöhnlich vom Umsatz noch ein paar andere Dinge als Gehälter.
    Darüber hinaus gibt es sehr wesentliche Unterschiede, sowohl zwischen den einzelnen freien Berufen (Hebamme - Rechtsanwalt - Literaturübersetzerin) als auch insgesamt bei den Freelancern, zu denen ja auch Hermes-Paketboten oder Juicer für die E-Tretroller gezählt werden - fallen die unter "Sonstiges" mit rund 90 EUR Stundensätzen? Für mich nicht plausibel.

  • Ich stimme Herrn Frischat hier voll zu. Der Titel spiegelt den Inhalt des Artikels nicht wider. Somit klassischer Click-Bait.

  • Auf das Titelthema "So unterscheidet sich der Stundensatz der Selbstständigen von dem der Festangestellten" wird überhaupt nicht eingegangen. Dazu wäre eine Betrachtung notwendig, die sowohl die Kosten für Kranken., Renten- und Unfallversicherung einschließt, als auch die wichtige Tatsache, dass Vollselbständige nach zwei Jahren alle bisher erarbeiteten Rechte auf ALG I verlieren. Weiterhin kommen auf Angestellte Leistungen von anderen Abteilungen des Unternehmens zu, die Selbständige selbst erbringen müssen: Arbeitsmittel, Buchhaltung, Aquise, ggf. PKW, und vieles mehr.

    Infos gut, Titel verfehlt!

  • Komisch dass das Thema 'Scheinselbständigkeit' gar nicht beleuchtet wird....ist es doch zur Zeit das größte Risiko in der IT-Selbständigkeit

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