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Gastbeitrag von Nico Rose Zehn Wörter, die ich 2019 weniger hören und lesen will!

Achtsamkeit, Design Thinking, Disruption, Diversity: Gastautor Nico Rose kann die Buzzwörter nicht mehr hören und rät zum verbalten Neujahrsputz.
  • Nico Rose
1 Kommentar
Dr. Nico Rose ist ein führender Experte für Positive Psychologie. Er hält Keynotes an der Schnittstelle von Führung, Sinn-Erleben und Unternehmenserfolg. (Foto: nicorose.de)
Nico Rose

Dr. Nico Rose ist ein führender Experte für Positive Psychologie. Er hält Keynotes an der Schnittstelle von Führung, Sinn-Erleben und Unternehmenserfolg.
(Foto: nicorose.de)

HammNico Rose war lange Führungskraft im Vorstandsstab Personal eines internationalen Medienkonzerns. Der Experte für „Positive Psychologie“ ist zudem als Coach und Speaker aktiv. In seinem Gastbeitrag, den er für unser Businessnetzwerk Leader.In geschrieben hat, plädiert er für einen verbalen Neujahrsputz.

Menschen, die häufiger etwas von mir lesen, wissen, dass ich danach strebe, vor allem positive Botschaften in die Welt hinauszuposaunen. Miesepeter und Schlechtmacher gibt es schon genug. Manchmal muss man allerdings ein wenig aufräumen, damit Platz für Neues geschaffen wird.

In diesem Sinne plädiere ich mit diesem Beitrag für einen verbalen Neujahrsputz. Einige Konzepte haben sich mit der Zeit abgenutzt, vieles wird arg überstrapaziert, manches war von Beginn an hirnrissig. Mein Top-10, in alphabetischer Reihenfolge:

1. Achtsamkeit

Achtsamkeit hier, Achtsamkeit dort, Achtsamkeit überall. Der Fall ist ganz einfach: Ein Großteil dessen, was heute unter dem Label Achtsamkeit verkauft wird, hat mit der ursprünglichen Geistesschulung kaum noch etwas gemeinsam. Im Amerikanischen sprechen Menschen mittlerweile von McMindfulness, um den Ausverkauf dieser an sich wertvollen, Jahrtausende alten Tradition zu beklagen. Ich wünsche mir in diesem Jahr einen achtsameren Umgang mit der Achtsamkeit.

2. Design Thinking

Nichts gegen die Methode, sie hat etwas für sich. Mir geht allerdings die Tendenz zu Größenwahn und Weltrettungsphantasien auf den Senkel, die von einem Teil der Szene verströmt wird. Ich sehe sie jedenfalls noch nicht, all die Multi-Millionen-Dollar-Produkte und -Services, die dezidiert auf Basis von Design Thinking entwickelt wurden. Darüber hinaus gilt wie immer: Wenn es jeder tut, ist es kein Wettbewerbsvorteil mehr.

3. Disruption

Der Fall ist einfach: Viele Unternehmen, Produkte und Services, die sich selbst als disruptiv bezeichnen, sind es nicht. Oftmals handelt es sich bei näherem Hinsehen noch nicht einmal um echte Innovationen. Bitte nochmal nachlesen, z.B. hier bei Clayton Christensen, der die Idee ursprünglich beschrieben hat.

4. Diversity (-Management)

Diversität ist eine Tatsache des Lebens. Sie ist das, was bereits gegeben ist – und muss nicht gemanaged werden. Was wir alle besser als bisher hinkriegen müssen, ist die Begünstigung von Inklusion und Teilhabe, sei es in Unternehmen oder im weiteren sozialen Kontext.

5. Influencer (-Marketing)

Influencer-Marketing ist, mit wenigen Ausnahmen, mittlerweile genau dort angekommen, wo Promi-Werbung schon immer war: Mehr oder weniger bekannte Menschen halten mehr oder weniger motiviert Sachen in eine Kamera, die mehr schlecht als recht zur Person bzw. Persona passen. Echte Influencer bringen Menschen nicht dazu, irgendeinen Quatsch zu kaufen, sondern sich zu organisieren, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen – so wie beispielsweise Tijen Onaran.

6. Neuro (-)

Wichtig: Nichts liegt mir ferner, als die Neurologie und Neurowissenschaften diskreditieren zu wollen. Was mir allerdings schon seit Jahren tierisch auf den Senkel geht, ist diese Neuro-Bindestrich-Masche (Neuro-Coaching, Neuro-Leadership etc.), in deren Rahmen altbekannte und gut bewährte Erkenntnisse mit dem Begriff Neuro und bunten Blinkebildchen vom Gehirn künstlich aufgebauscht – und verteuert – werden sollen. Der Begriff Neuro-Coaching ist in etwa genauso sinnvoll wie Neuro-Klempnern.

7. New Work

Was soll ich sagen? Ich kann's irgendwie nicht mehr hören. Zu viel, zu oft, zu laut. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die meisten Konzepte, die heute unter New Work verkauft werden, alles andere als „new“ sind. Und ich rede jetzt nicht vom Jahr 2010, als die Welle so langsam nach Deutschland geschwappt ist. Das Milliarden-Unternehmen W.L. Gore & Associates, bekannt durch die Gore-Tex-Faser, aber auch Gitarrensaiten und Zahnseide, arbeitet seit 1958 mittels Selbstorganisation, organischer Führung und vielen andern Konzepten, die uns heute immer noch als Innovation verkauft werden. Das Ganze ist definitiv smart, aber nicht mehr neu. Hören wir auf, es so zu nennen!

8. Millennial/Generation Y

Hier muss ich mich zunächst schuldig bekennen. Auch ich habe früher über die Besonderheiten dieser sagenumwobenen Spezies geschrieben und gesprochen. Zu meiner Ehrenrettung möchte ich anfügen, dass ich vor über vier Jahren coram publico damit aufgehört habe. Es wird Zeit, dass wir es alle sein lassen. Vermutlich ist es auch an der Zeit, generell weniger über vorgebliche Unterschiede zwischen wie auch immer gearteten Kohorten zu sprechen. Die Wissenschaft zeigt wieder und wieder, dass Varianz in puncto Persönlichkeit, Einstellungen und Werten innerhalb einer Alterskohorte immer wesentlich größer ist, als die Varianz zwischen verschiedenen Kohorten.

9. Start-up

Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin ein großer Freund von Unternehmertum sowie Mut und Optimismus im Allgemeinen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Welt wirklich noch mehr Online-Bestelldienste, Gutschein-Verticker oder Fitness-Apps braucht. Mein Wunsch für 2019: Etwas weniger Start-up, etwas mehr Follow-through. Etwas weniger Kundenbedürfnisse befriedigen, etwas mehr echte Probleme lösen – das wär doch was!

10. Zeitmanagement

Zeitmanagement ist der Zombie unter den Managementmoden: Eigentlich schon seit über 25 Jahren tot, kommt aber immer wieder – auch wenn die Löcher größer werden und es unangenehm müffelt. Nochmal zum Mitschreiben: Zeit lässt sich nicht managen. Die macht Tick und dann Tack, 86.400 Mal am Tag. Was wir in einem bestimmten Rahmen beeinflussen können, ist unsere Haltung und die damit einhergehenden Wertvorstellungen und Prioritäten. Doch das ist wesentlich schwieriger, als To-Do-Listen zu schreiben, weshalb sich viele Menschen nicht auf diesen Weg machen.

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1 Kommentar zu "Gastbeitrag von Nico Rose: Zehn Wörter, die ich 2019 weniger hören und lesen will!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was ich nicht mehr lesen möchte: den "Lernenden Algorithmus". Vermutlich gibt es ihn nicht, und wenn doch bewahre mich der gütige Digital-Gott vor ihm.
    Was "lernen" kann, ist nur das (Software-)Objekt, das den Algorithmus zur Ausführung seiner Aktionen oder zur Kommunikation mit Menschen und anderen Künstlichen Intelligenzen einsetzt und steuert. Denn nur das Objekt hat oder "lernt" das nötige Wissen. Das "Lernen" eines Algorithmus kann nicht mehr sein als "das macht mir Bauchschmerzen" bei einem Menschen. Und weder sollten wir uns davon steuern lassen noch es unseren Conputern antun ...

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