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Gastkommentar zum neuen Entgeltgleichheitsgesetz „Das Einkommen ist ein größeres Tabu als die sexuelle Orientierung“

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Das Gesetz schafft Ungleichbehandlung nicht ab
Stellen Sie sich vor, Sie wären einen Tag lang Chef
Endlich Chef
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Einen Tag lang Chef – was würden Sie ändern? Das hat die Karriereberatung von Rundstedt kürzlich gefragt und überraschende Dinge von den 1.035 Teilnehmern erfahren.

(Foto: Getty Images)
Das würden die Deutschen als Chef ändern
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75 Prozent der Befragten würden ganz grundlegende Dinge ändern, wenn sie einen Tag lang in die Rolle ihres Chefs schlüpfen könnten. Schließlich sind nämlich nur 16 aller Deutschen der Meinung, dass ihr Chef seine Sache gut macht.

(Foto: Getty Images)
Gute Chefs
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Auch Vorgesetzte brauche Hilfe, um besser zu werden.

(Foto: Getty Images)
Sich mehr Gehalt genehmigen?
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So stehen für die Deutschen nicht die individuellen Vorteile wie eine Beförderung oder mehr Geld im Vordergrund, sondern eher grundlegende Verbesserungen der täglichen Zusammenarbeit.

(Foto: Getty Images)
Auf Platz eins
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Wären die Deutschen Chef, würden knapp zwei Drittel ausführlich mit ihren Mitarbeitern sprechen, um zu erfahren, was sie beschäftigt, und dies berücksichtigen (63 Prozent).

(Foto: Getty Images)
Jeder macht, was er kann
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53 Prozent der Befragten würden an zweiter Stelle die Arbeit so im Unternehmen verteilen, dass jeder für die Themen zuständig ist, in denen er oder sie besonders gut ist und am meisten Spaß hat.

(Foto: Getty Images)
Mitarbeiter wollen mit entscheiden
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Grundsätzlich, so heißt es in der Umfrage, besteht der Wunsch, sich mehr in Unternehmen einzubringen und diese mitzugestalten: Fast jeder zweite Deutsche möchte, dass Mitarbeiter in zentrale Unternehmensentscheidungen miteinbezogen werden (47 Prozent).

(Foto: Getty Images)

Zuweilen kommen die Unterschiede durch puren Zufall ans Licht: Ein bei einer Besprechung liegengelassener Zettel auf dem Tisch, der die Entgeltgruppen der Mitarbeitenden listete, ließ die Tischlermeisterin Edeltraud Walla gegen ihren Arbeitgeber vor Gericht ziehen. Seit Jahren streitet sie mit der Universität Stuttgart um ihre tarifliche Eingruppierung: monatlich 1200 Euro weniger Gehalt als ein schlechter qualifizierter Kollege. Bei den Heinze-Fotolabor-Betrieben ließ ein Kollege seinen Lohnstreifen in der Dunkelkammer liegen. Die Heinze-Frauen gingen auf die Barrikaden und gewannen vor dem Bundesarbeitsgericht 1981 in dritter Instanz.

Doch nicht immer kommt der Zufall zu Hilfe: Hat eine Beschäftigte den Verdacht, schlechter bezahlt zu werden als ihre männlichen Kollegen, bleibt ihr meist nur investigative Recherche übrig. Erhärtet sich der Verdacht, braucht es Belege. Betroffene gehen das Risiko ein, gemobbt oder versetzt zu werden, oft bleibt nur die juristische Auseinandersetzung.

Das neue Entgeltgleichheitsgesetz sieht vor, dass in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten Auskunft verlangt werden kann. So sind die Betroffenen keine Einzelkämpferinnen mehr, Betriebsräte oder Gewerkschaftsvertreterinnen können ihre Interessen gegenüber den Arbeitgebenden geltend machen. Dass alle das neue Gesetz kritisieren und jeder daran etwas auszusetzen findet, ist ein hervorragendes Zeichen: offenbar wurde eine ausgewogene Regelung gefunden, die niemanden übervorteilt. Das Gesetz allein schafft die Ungleichbehandlung nicht aus der Welt, aber es macht die Lohnlücke sichtbar. Transparenz ist ein erster, guter Schritt auf dem langen, weiten Weg zur Lohnfairness.

Ein ähnliches Zeichen war der Fair-Pay-Act in den USA, der es vereinfachen sollte, gegen ungleiche Arbeitslöhne vorzugehen. Es war das erste Gesetz, das Barack Obama 2009 im Amt als amerikanischer Präsident unterzeichnete. Die Signalwirkung war groß, doch die Bilanz nach acht Jahren ist enttäuschend: Der Lohnunterschied sank seitdem um nur 3 Cent. In Ontario, Kanada ist man einen Schritt weitergegangen und hat ein „Pay Equity Office“ eingerichtet, das Unternehmen aktiv bei der Umsetzung der Lohngerechtigkeitsgesetze unterstützt.

Ein Gesetz ist nur so gut wie seine Anwendung, und sicher wird es auch in Deutschland noch Verbesserungspotential geben. Weder wird die Wirtschaftswelt untergehen, noch führt es uns ins Gleichstellungsparadies. Aber wir brauchen das neue Gesetz, um Unternehmen und Beschäftigte dabei zu unterstützen, den guten theoretischen Willen in der praktischen Gehaltsrealität umzusetzen.

Über die Autorin

Henrike von Platen ist Unternehmensberaterin, Finanzexpertin und Initiatorin des FairPay-Bündnisses. Sie wird heute als eine von 11 Sachverständigen im Familienausschuss des Bundestages zum neuen Entgeltgleichheitsgesetz angehört. Sie erreichen Sie unter: [email protected]

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