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Gehalt im Vergleich Über Geld spricht man (immer noch) nicht

Die Mehrheit der Deutschen begrüßt das Gesetz von Manuela Schwesig, das ab Sommer für mehr Gehaltstransparenz sorgen soll. Dabei verrät jeder Dritte laut einer Studie nicht einmal seinem Partner, wie viel er verdient.
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Dieses Sprichwort nehmen die Deutschen offenbar sehr ernst: Laut einer Untersuchung des Karrierenetzwerkes Xing sprechen nur 44 Prozent mit nahen Verwandten über die Höhe ihrer Vergütung. Quelle: dpa
„Über Geld spricht man nicht“

Dieses Sprichwort nehmen die Deutschen offenbar sehr ernst: Laut einer Untersuchung des Karrierenetzwerkes Xing sprechen nur 44 Prozent mit nahen Verwandten über die Höhe ihrer Vergütung.

(Foto: dpa)

DüsseldorfViele Deutsche haben ein wohlgehütetes Geheimnis: die Höhe ihres Gehaltes. Denn mehr als jeder Zweite weigert sich, nahen Verwandten zu verraten, wie viel er monatlich verdient. Das ist das Ergebnis einer Studie des Karrierenetzwerkes Xing, das in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres mehr als 2000 deutsche Berufstätige nach ihrer Meinung zur Gehaltstransparenz befragt hat. Demnach gibt sogar jeder Dritte nicht einmal seinem eigenen Partner preis, wie viel er monatlich verdient. Mit grundsätzlich jedem sprechen nur 3,5 Prozent der Befragten über ihr Gehalt, jeder Vierte mit seinen Arbeitskollegen.

Dass viele Deutsche ihre Vergütung zum Tabuthema erklären, zieht aber auch oftmals Probleme nach sich: In Gehaltsverhandlungen tun sich Arbeitnehmer beispielsweise schwer, einen gerechten Lohn zu fordern – den sie anhand ihrer eigenen Leistung, aber auch an der ihrer Kollegen bemessen.

Gerade zwischen den Gehältern männlicher und weiblicher Angestellte klafft oftmals eine ordentliche Lücke. Alle vier Jahr berechnet das Statistische Bundesamt den bereinigten Gender Pay Gap – also den unerklärbaren Lohnunterschied zwischen einer Mitarbeiterin und einem Mitarbeiter auf gleicher Position mit vergleichbarer Qualifikation. Die letzten Berechnungen stammen aus dem Jahr 2014. Sechs Prozent der Gehaltsdifferenzen waren zu diesem Zeitpunkt unerklärbar. 2010 lag der bereinigte Gender Pay Gap mit sieben Prozent geringfügig darüber. Die unbereinigte Lohnlücke zwischen Männern und Frauen hierzulande lag im März 2017 bei 21 Prozent.

Der geschlechterspezifischen Lohnlücke soll ab diesem Sommer das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen entgegenwirken. Es sieht vor, dass Arbeitnehmer einer Firma mit einer Größe ab 200 Mitarbeitern Informationen darüber einfordern können, was Kollegen auf vergleichbarer Position verdienen. Wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen, haben sie die Möglichkeit, ein höheres Gehalt einzuklagen. Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, die einen Lagebericht nach dem Handelsbuchgesetz zu erstellen haben, müssen bald regelmäßig einen Bericht über Lohngleichheit veröffentlichen.

Die große Mehrheit der Deutschen begrüßt der Untersuchung zufolge die Gehaltstransparenz: Vier von zehn Befragte bekannten sich eindeutig dazu, genauso viele unterstützen das Vorhaben der ehemaligen Bundesarbeitsministerin Manuela Schwesig ebenfalls – allerdings etwas verhaltener. Zu den Befürwortern gehören laut Studie etwas mehr Frauen. Sie sind auch häufiger der Meinung, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts schlechter vergütet werden als Männer.

Schwesig ist davon überzeugt, dass ihr Gesetz langfristig zu einem Kulturwandel in den Unternehmen und der Gesellschaft beitragen und das Tabu gebrochen wird, über die Vergütung zu sprechen.

Kritiker bemängeln allerdings, dass das Gesetz nicht weit genug geht: Es fehlen Sanktionsmöglichkeiten für Unternehmen. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kleinerer Betriebe sollten Informationen darüber erhalten, was die Kollegen verdienen. Und: Wer Einsicht fordert, setzt das Verhältnis zum Chef aufs Spiel – und muss vor Gericht erst einmal beweisen, dass er bei der Vergütung benachteiligt wird.

Diese Faktoren beeinflussen Ihr Gehalt
Alter
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Gemäß der Gehaltsbiografie 2016 von Gehalt.de steigen die Gehälter der Deutschen stetig an - bis sie eine gewissen Altersgrenze erreicht haben. Demnach pendeln sich die Bezüge von Fachkräften um die 40 Jahre bei durchschnittlich 45.000 Euro brutto im Jahr ein. Danach steigen die Gehälter nur noch bei Führungskräften - und zwar auf durchschnittlich 105.000 Euro brutto im Jahr.

Trotzdem steigt das Einkommen im Alter, wie eine neue Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Demnach haben die verfügbaren Einkommen der 65- bis 74-jährigen in Westdeutschland seit Mitte der 1980er Jahre um durchschnittlich 52 Prozent zugelegt. Die Einkommen von Menschen unter 45 Jahren stiegen laut der Studie dagegen nur um 21 bis 31 Prozent, wie das Sozio-oekonomische Panel belegt. Dafür werden jährlich Tausende Haushalte in Deutschland befragt. Allein seit der Wende wuchsen die Einkommen der Älteren laut der Studie um 25 Prozent, die der Jüngeren nur um zehn Prozent.

Geringverdiener machen pünktlich Feierabend
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Umgekehrt machen Menschen mit einem Jahresbrutto von weniger als 30.000 Euro durchschnittlich 2,1 Überstunden pro Woche. Bei einem Gehaltsniveau von 60.000 Euro sind es schon doppelt so viele Überstunden.

Gewicht
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Schlanke Frauen und übergewichtige Männer verdienen mehr als andere Geschlechtsgenossen. Das haben die Ökonomen Marco Caliendo von der Uni Potsdam und Markus Gehrsitz von der New York Universität bei einer Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels herausgefunden. Anhand der jährlichen Befragung von rund 12.000 deutschen Privathaushalten errechneten sie den Body-Mass-Index (BMI) von Männern und Frauen und verglichen ihn mit dem Einkommen. Und siehe da: Am meisten verdienen Frauen durchschnittlich mit einem BMI von 21,5. Mit zunehmendem BMI sinkt ihr Gehalt. Männer hingegen verdienen am meisten, wenn sich ihr BMI von 23 bis kurz vor der Fettleibigkeit bewegt. Die Autoren schlussfolgern daraus, dass das Gehalt bei Frauen durch ihre Schönheit angetrieben wird und bei Männern durch Gesundheit und Körperkraft. Allerdings ist der Einfluss von Schönheit auf das Einkommen gerade bei Frauen wissenschaftlich umstritten.

Schönheit
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Inwiefern Schönheit das Einkommen beeinflusst, untersuchten US-Forscher anhand einer Auswahl von 737 MBA-Absolventen aus den Jahren von 1973 bis 1982. Dabei verglichen sie die Attraktivität der Gesichter mit den Einstiegsgehältern sowie ihrem späteren Einkommen - und stellten fest: Attraktive Männer erhalten durchschnittlich höhere Einstiegsgehälter als attraktive Frauen. Dafür verdienen schöne Frauen auf ihrem weiteren Karriereweg mehr als andere Frauen. So hat beispielsweise Eva Sierminska vom Luxemburger Institut für Sozialforschung herausgefunden, dass schöne Frauen in Deutschland rund 20 Prozent mehr verdienen als der Durchschnitt.

Körperpflege
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Körperpflege zahlt sich vor allem für Männer aus. Wirtschaftswissenschafter der amerikanischen Elon Universität werteten Daten der American Time Use Survey des US-Amtes für Arbeitsmarktstatistik aus und stellten fest, dass Männer, die mehr Zeit in Körperpflege investieren, auch mehr verdienen. Eine ausgiebige Körperpflege steigert das Gehalt vor allem bei Männern, die einer Minderheit in den USA angehören. Bei Frauen zeigte die Zeit für Körperpflege keinen Effekt auf ihr Gehalt.

Persönlichkeit
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Aussehen ist nicht alles: US-Forscher erfassten in einer Umfrage unter 731 Teilnehmern die Persönlichkeit sowie ihren Jobtitel, ihr Gehalt und ihre berufliche Zufriedenheit. Dabei wiesen emotional stabile und gewissenhafte Menschen ein höheres Einkommen und eine höhere Zufriedenheit mit ihrer Arbeit auf. Eine Folgeumfrage zehn Jahre später zeigte außerdem, dass Extraversion das Gehalt über die Jahre stärker steigerte.

Emotionen
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Wut sorgt für mehr Geld als Trauer. Dies zeigt eine Studie, über die Simon M. Laham in seinem Buch "The Science of Sin" berichtet. Dabei wurden Probanden Videos von Bewerbungsgesprächen gezeigt, in denen die Bewerber über einem Vorfall in ihrem vorherigen Job erzählen, als sie einen wichtigen Kunden verloren. Mal war der Bewerber wütend, mal traurig. Nach den Videos wurden die Studienteilnehmer befragt, wie viel Gehalt sie den Bewerbern zahlen würden. Das Ergebnis: Wer sich wütend zeigte, bekam ein durchschnittliches Jahresgehalt von 53.700 US-Dollar zugesprochen. Traurige Personen sollten lediglich 41.330 US-Dollar erhalten.

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3 Kommentare zu "Gehalt im Vergleich: Über Geld spricht man (immer noch) nicht"

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  • Komisch, von der SPD kommen nur schwachsinnige, bürokratische Gesetze die kaum einen Menschen tangieren! Reine Energieverschwendung!

  • Sehr geehrte Frau Oenning,

    sollen wir wirklich über Gehälter reden? Vielleicht stellen Sie sich als Szenario einmal vor, Sie seien zu einer Gartenparty eingeladen. Mit dabei fünf Ehepaare, die Sie nicht näher kennen.

    Als erstes erzählt ein Herr, er sei Hauptabteilungsleiter mit fettem Dienstwagen und 12 000 EURO Gehalt. Der nächste Herr berichtet, er sei Druckereibesitzer mit 12 Angestellten und komme pro Jahr auf 300 000 EURO. Die anderen schämen sich, weil sie es zu nichts Vorzeigbarem gebracht haben. Sie halten den Mund und brechen unter einem Vorwand bald auf.

    Dass sich unsere Gesellschaft extrem schichtet, ist schlimm genug. Aber müssen wir auch noch bei jeder Gelegenheit an die große Glocke hängen, auf welcher Sprosse der Stufenleiter jeder Einzelne steht? Gibt es etwas Dümmeres, als Neid und Haß zu schüren? Die Solidarität vollends zerstören?

  • Sehr geehrte Frau Oenning,

    Sie kennen sicher die Definition: Lohn oder Gehalt sind das Entgelt für geleistete Arbeit. Das gilt auch, wenn man die Verdienste von Frauen und Männern bei gleichartigen Tätigkeiten vergleicht. Mir scheint, dass der sogenannte Gender pay back nicht gar so rätselhaft ist.

    Dass Frauen schwanger werden und Kinder betreuen, ist gesellschaftspolitisch wertvoll. Aber aus der Sicht eines Betriebes bedeutet dies, dass dringend benötigte Arbeitsstunden ausfallen. Und anscheinend hat es die Natur so eingerichtet, dass Frauen häufiger krank werden als Männer. Nach einer Studie der DAK kommen sie auf 14 % mehr Fehltage als ihre männlichen Kollegen. Dass weniger abgeleistete Arbeitsstunden auch etwas geringer honoriert werden, sollte einleuchten.

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