Zum The Shift! Special von Handelsblatt Online

Global Entrepreneurship Monitor Miserable Gründerinnenquote – Selbständige Frauen gehören in Deutschland zu den Exoten

Nur vier Prozent der Frauen in Deutschland gründen ihr eigenes Unternehmen. Im globalen Vergleich landet Deutschland auf den hinteren Plätzen. Was sich ändern muss.
1 Kommentar
Eine Studie zeigt: Frauen in Deutschland machen sich seltener selbständig als in anderen Ländern. Quelle: Imago/Westend61
Neustart als Gründerin

Eine Studie zeigt: Frauen in Deutschland machen sich seltener selbständig als in anderen Ländern.

(Foto: Imago/Westend61)

DüsseldorfViviane Hülsmeier hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Vor zwei Jahren kündigte sie eine gut bezahlte Festanstellung als Architektin, um ihr Start-up „Baustarter“ aufzubauen. „Quasi ein Sprung ins kalte Wasser“, wie sie selbst sagt.

Diesen wagen aber nur die wenigsten Frauen in Deutschland: Die Gründungsquote von Frauen in Deutschland liegt bei gerade einmal 3,9 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt der Global Entrepreneurship Monitor des RKW Kompetenzzentrums und des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeografie der Leibniz Universität Hannover.

Deutschland landet damit auf Platz 48 von 54 untersuchten Ländern. Die vorderen Plätze in der Erhebung belegen Ecuador (30,6 Prozent), Vietnam (24,8 Prozent) und Peru (22,9 Prozent).

Claudia Große-Leege, Geschäftsführerin des Verbands deutscher Gründerinnen e.V. (VDU), hat dafür eine Erklärung: „Die Selbstständigenquote in Ecuador ist genderunspezifisch fast fünfmal höher als hierzulande und ein Ausdruck einer gänzlich anderen Wirtschaftsstruktur als in Deutschland, wo wir eine Tradition von Mittelstandsbetrieben mit vielen Beschäftigten haben“, sagt sie.

Baustarter-Gründerin Hülsmeier sieht noch einen anderen Grund: „Der aktuell fast boomende Arbeitsmarkt in Deutschland bietet wenig Anreize für eine Selbstständigkeit und den damit verbundenen Unsicherheiten und Risiken.“

Eine Studie zeigt: Frauen in Deutschland machen sich seltener selbständig als in anderen Ländern. Quelle: Imago/Westend61
Neustart als Gründerin

Eine Studie zeigt: Frauen in Deutschland machen sich seltener selbständig als in anderen Ländern.

(Foto: Imago/Westend61)

Dennoch ist auffällig, dass Frauen in Deutschland im Vergleich zu Frauen in anderen Industriestaaten weniger häufig ein eigenes Unternehmen gründen. In Kanada ist die Gründungsquote bei Frauen mit 15 Prozent mehr als dreimal so hoch. Auch in Israel und den USA gründen mehr als doppelt so viele Frauen.

Frauen haben mehr Angst vor dem Scheitern

Auch das traditionelle Familienbild in Deutschland hält laut VDU-Geschäftsführerin Große-Leege viele Frauen in Deutschland von der Selbständigkeit fern. Steuerliche Fehlanreize wie das Ehegattensplitting verstärken diese Tendenz. „Die gleichberechtigte Erwerbsarbeit und die Teilung von Familienverantwortung zwischen Männern und Frauen“, sagt sie, „ist bei uns längst noch nicht so selbstverständlich wie zum Beispiel in Skandinavien.“ Außerdem mangele es an Vorbildern für wirtschaftlich erfolgreiche und unabhängige Frauen.

Die niedrige Gründungsquote von Frauen in Deutschland kann laut Paul Wolter, einem Sprecher des Bundesverbands Deutsche Start-ups e.V., auch durch die Unterrepräsentanz der Frauen in den sogenannten MINT-Fächern beeinflusst sein. In Deutschland gründen Wolter zufolge viele Absolventen dieser Fächer ihr eigenes Unternehmen.

Die Studie zeigt, dass oft auch die Angst vor dem Scheitern Frauen von der Gründung eines eigenen Unternehmens abhält. Hinzu kommt, dass nur 35 Prozent der befragten Frauen in Deutschland ihre Gründungschancen als gut einschätzen. Bei Männern liegt der Wert bei 48 Prozent. Außerdem sehen Frauen ihre persönlichen Gründungsfähigkeiten im Vergleich zu Männern ungünstiger.

Wolter verweist zudem auf die Beharrungstendenzen der Investoren: „Auf der Seite von Venture-Capital-Gesellschaften und Business Angels sind wenige Frauen vertreten“, erklärt er. „Solange bei den Investoren ein Männerübergewicht herrscht, ist es für Frauen auch schwieriger, Geld einzusammeln.“

Damit in Zukunft mehr Frauen zu Gründerinnen werden, braucht es in Deutschland laut Große-Leege vom Verband Deutscher Unternehmerinnen gute Netzwerke, auf die Frauen insbesondere bei Gründung und Ausbau ihres Unternehmens zurückgreifen können. „Wir müssen die Geschichte von Unternehmerinnen, die zugleich Mütter und Erfolgsfrauen in der Wirtschaft sind, erzählen“, sagt sie. Letztlich dienen diese Frauen als Vorbilder und Inspirationsquelle für andere Frauen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Global Entrepreneurship Monitor - Miserable Gründerinnenquote – Selbständige Frauen gehören in Deutschland zu den Exoten

1 Kommentar zu "Global Entrepreneurship Monitor: Miserable Gründerinnenquote – Selbständige Frauen gehören in Deutschland zu den Exoten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Danke für diese Information.

    Ich arbeite jeden Tag mit selbstständigen Frauen, die frisch gegründet haben oder die in ihrem Business als Solopreneurinnen in den Erfolg gehen wollen, weil sie bisher zu wenig oder nicht sichtbar waren. Es ist ein langer Prozess und es braucht eine andere Art von Begleitung. Eine weibliche. Eine langfristige. Eine authentische.

    Ich bin genau deshalb Deutschlands einzige Sichtbarkeitsmentorin, weil es tolle Frauen mit tollen Business-Konzepten und -Ideen gibt, die aber bisher nicht erfolgreich sind, weil sie allein vor sich hin arbeiten oder weil ihnen das Know-how fehlt. Diese Business-Frauen unterstütze ich. Tag für Tag. Und es ist unfassbar toll, wie großartig sich jede einzelne entwickelt - mit individueller Förderung in ihrem Prozess, nur unter Frauen und mit wertschätzender Unterstützung!

    Es gibt deshalb ein Mentoringprogramm (Zeig-dich-Jahr) über 1 Jahr an. Das ist ein Gruppenprogramm, in dem selbstständige Frauen sich nährend und stärkend ONLINE austauschen, Kooperationen miteinander eingehen, Kenntnisse im Bereich Sichtbar-Machen, authentisches Onlinemarketing, Positionierung, Zielgruppe, Website, strategische Business-Kooperationen usw. vermittelt bekommen und sich gegenseitig fördern. Es ist gigantisch, welche Erfolge jede einzelne Frau (insgesamt über 70!) erzielt. Somit gibt es jetzt 70 Vorbilder mehr, die erfolgreich und auf dem Weg zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit sind ;-)

    Das größte Problem sehe ich im "allein sein". Mit den Business-Fragen, mit der zusätzlichen Herausforderung "Familie" (bei jungen Selbstständigen die Kinder, bei älteren die Pflege ihrer Eltern) und mit den Ängsten, die bei Frauen viel tiefer sitzen, zum Beispiel "nicht gut genug zu sein" usw. Zudem wollen Frauen authentisches Marketing machen, miteinander kooperieren und es wird kaum irgendwo gelehrt, wie das geht.

    Ich ermutige hiermit jede Business-Frau: Geh für dein Herzens-Business & mach dich sichtbar!
    Herzensgruß
    Super Sabine

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%