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Hirndoping Mit diesen Drogen pimpen Manager ihr Gehirn

Der Drang zur Selbstoptimierung erreicht das Gehirn. Immer mehr Leistungsträger nehmen Pharmazeutik zur Leistungssteigerung.
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Das sogenannte Neuro Enhancement ist ein gigantisches Versprechen mit völlig ungeklärten Nebenwirkungen. Quelle: dpa
Pharmazeutische Möglichkeiten der Selbstoptimierung

Das sogenannte Neuro Enhancement ist ein gigantisches Versprechen mit völlig ungeklärten Nebenwirkungen.

(Foto: dpa)

Als die Blicke der Kollegen sich verändern, bemerkt er, dass nicht alles in seinem Sinne läuft. Der Mann ist Ende 40, er hat lange in einer Mailänder Bank gearbeitet. Und er hat sie geliebt, diese Blicke, wenn er mal wieder in unglaublicher Zeit unglaubliche Dinge weggearbeitet hatte. Wenn er auch nach zwölf Stunden noch in der Lage war, sich auf letzte Details in einem Zahlenwerk zu konzentrieren. Wenn er sich Dinge einprägen konnte, vor denen die anderen kapitulierten.

„Aber dann“, sagt der Mann, der in der folgenden Stunde viel berichten wird, aber seinen Namen nicht öffentlich machen möchte, „änderte sich irgendwann irgendwas in diesen Blicken. Aus der Bewunderung wurde Befremden.“

Als der Mann in einem lichten Moment seine Gegenüber nach diesem Befremden fragte, irritierten ihn die Antworten. „Launisch.“ „Roboterhaft.“ „Maskiert.“ So sahen die anderen ihn plötzlich, der sich selbst für leistungsstark, fokussiert, brillant gehalten hatte. Dafür hatte er das Zeug ja genommen. Modafinil.

„Es half am Anfang dabei, dass ich mich sammle, dass ich gleichzeitig angespannt und ruhig war“, sagt der Mann. „Und als ich sah, dass ich damit mit meinen Sachen besser und schneller vorankam, hab ich es eben häufiger genommen. Es schien, als habe ich an mein Hirn eine zusätzliche Festplatte angebaut.“ Nur dass diese Festplatte einige Nebenwirkungen hatte und sich irgendwann abnutzte. So schildert er es jedenfalls.

Und bringt damit ein Dilemma auf den Punkt, das sich in Vorstandsetagen wie Büros gleichermaßen ausbreitet: Getrieben von Leistungsdruck und Selbstoptimierungsparadigma versuchen Manager, Arbeitnehmer und Leistungsträger in immer größerem Ausmaß, nach ihren Körpern nun die Leistungsfähigkeit ihrer Gehirne zu optimieren.

Das sogenannte Neuro Enhancement ist Trend wie klinischer Befund gleichermaßen; ein gigantisches Versprechen mit völlig ungeklärten Nebenwirkungen. Und so lange technologische Erweiterungen des Gehirns, wie sie etwa Facebook-Chef Marc Zuckerberg, Google-Vordenker Ray Kurzweil oder Multi-Unternehmer Elon Musk für die nächsten Jahre versprochen haben, noch auf sich warten lassen, greifen immer mehr Menschen zu pharmazeutischen Möglichkeiten der Selbstoptimierung. Mit ungeahnten Folgen.

Mehr zum Thema Neuro-Enhancement lesen Sie hier bei Wirtschaftswoche Online.

Leistung, die Leiden schafft

Einfach bei sich zu bleiben, das ist nicht das größte Talent des Menschen. Archäologische Funde aus der Zeit um 2000 vor Christus belegen, dass wir schon lange auf der Suche nach der eigenen Transzendenz sind. Bei einer Ausgrabung in Argentinien entdeckten Forscher kleine Pfeifen, die aus ausgehöhlten Pumaknochen geschnitzt und mit Samenresten des Cohoba- oder Yopo-Baums (Anadenanthera peregrina) gefüllt waren. Diese Samen der Pflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler enthalten das Halluzinogen DMT (Dimethyltryptamin).

Bei Genuss tritt man für etwa fünfzehn Minuten in einen Zustand der Bewusstseinsveränderung über, begleitet von Halluzinationen, erotischen Ekstasen oder Flugerlebnissen. Im ungünstigen Falle einer zu hohen Dosierung entstehen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen und am nächsten Tag ein schnöder Kater. Offenbar waren Menschen sehr früh so findig, die pulverisierten Samen in einer Pfeife zu verdampfen und sich den Rauch zu Kopf steigen zu lassen. Yopo als frühbronzezeitlicher Vorläufer eines Joints.

So arbeiten Sie effektiver
Den Blick nach draußen schweifen lassen
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Es ist kein Zufall, dass uns die besten Ideen oftmals unter der Dusche, beim Autofahren oder Joggen kommen. Schweifen die Gedanken ab, verarbeitet das Gehirn im Hintergrund Informationen und trägt zur Bildung neuer Aktivierungsmuster bei. Sich kurzzeitig von Problemen zu entfernen ist daher oftmals der beste Weg, diese zu lösen. Auf diese Weise bilden unsere Neuronen neue Verbindungen.

Quelle: Steelcase, Stand: November 2015

(Foto: dpa)
Ziele definieren
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Um wirklich aufmerksam arbeiten zu können, muss das Gehirn wissen, wie sich der Rahmen einer Tätigkeit gestaltet. Aufgaben benötigen daher einen deutlichen Anfang und ein noch deutlicheres Ende, damit die geistigen Ressourcen bestmöglich eingeteilt werden können.

(Foto: Imago)
Eine To-do-Liste schreiben
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Können erledigte Aufgaben wortwörtlich abgehakt werden, aktiviert dies das innere Belohnungssystem und motiviert uns für noch bevorstehende Tätigkeiten. Dies erscheint vielleicht unbedeutend, das Gehirn sehnt sich jedoch geradezu nach diesen kleinen Belohnungen. Die Folge: weniger Stress. Erfolgsgefühle bedingen positive Rückkopplungsschleifen in unserem Gehirn und bewegen uns dazu, das erfolgreiche Verhalten zu wiederholen.

(Foto: Fotolia.com)
Selbstgespräche führen
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Diese Situation kennt vermutlich fast jeder. Statt konzentriert zu arbeiten, schweifen die Gedanken ab. Kleine Nebentätigkeiten wie Selbstgespräche oder Kritzeleien, helfen uns dabei, Ablenkungen auszublenden und so klare Gedanken zu fassen.

(Foto: Imago)
Pausen einlegen
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Die Kapazitäten des Gehirns sind begrenzt und daher ermüdet es, wenn es überbeansprucht wird. Sich länger als 45 Minuten vollständig auf eine Aufgabe zu fokussieren, ist für die meisten Menschen nahezu unmöglich. Es bringt also nicht viel, aufgrund von Zeitdruck auf Pausen zu verzichten. Ganz im Gegenteil: Eine Einteilung der Arbeit mit regelmäßigen Pausen kann die Leistungsfähigkeit des Gehirns enorm steigen.

(Foto: Imago)
Für ausreichend Schlaf sorgen
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Genügend Schlaf ist für unsere Konzentration und Aufmerksamkeit unerlässlich. Schlafmangel führt außerdem dazu, dass die Lernfähigkeit abnimmt und wir anfälliger für Stimmungsschwankungen sind.

(Foto: Imago)
Blickkontakt suchen
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Die Aufmerksamkeit ist in hohem Maße davon abhängig, wie nah wir neuronalen Reizen sind. Neue Ideen lassen sich daher viel einfacher in Umgebungen entwickeln, in denen problemlose Kommunikation möglich ist, Augenkontakt gehalten wird und Informationen einfach geteilt werden können.

(Foto: Imago)

Über sich hinauszuwachsen, die Grenzen der eigenen Sinneserfahrungen zu überschreiten, dafür haben Menschen oft sogar ihr Leben riskiert. Viele Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass ein Forscher- und Erkenntnisdrang Ursache für gefährliche Selbstversuche war. Albert Hofmann, der Entdecker des LSD, beschreibt seine Experimente mit dem starken Halluzinogen als unglaubliches Erlebnis mit fantastischen Bildern und einem kaleidoskopartigen Farbenspiel: „Ich war mir bewusst, dass der neue Wirkstoff LSD mit derartigen Eigenschaften in der Pharmakologie, in der Neurologie und ganz besonders in der Psychiatrie von Nutzen sein müsse.“

Deutlicher Anstieg des Medikamentenmissbrauchs
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