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Brigitte Zypries

(Credit: SPD- Parteivorstand.)

Interview mit Brigitte Zypries „Frauen sollten bei Gehaltsverhandlungen ruhig noch eine Schippe drauflegen“

Als erste Bundeswirtschaftsministerin durchbrach Brigitte Zypries die gläserne Decke in der Politik. Ein Gespräch über Geld, dumme Anmachen und kluge Mentoren.
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BonnBrigitte Zypries verabschiedete sich im September 2017 aus der Bundespolitik, kurz nachdem sie dort eine gläserne Decke durchbrochen hatte: Vor ihr war noch keine andere Frau Bundeswirtschaftsministerin. Bis dahin war sie Parlamentarische Staatssekretärin in diesem Ministerium und zuständig für Informationstechnologie (IT) und Außenwirtschaft.

Sie ist zudem die Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt. Vor einem Jahr präsentierte Zypries ein Manifest für Frauen in der Wirtschaft. Mit der Sozialdemokratin sprechen wir darüber, was sie von Gerhard Schröder gelernt hat und wie Frauen mit dümmlichen Anmachen umgehen sollten.

Frau Zypries, was sind Ihre Stärken?
Man bescheinigt mir, dass ich gut zuhören kann. Und ich denke, ich kann ganz gut mir wichtige Themen voranbringen. Dabei hilft, dass ich ein dickes Adressbuch habe und Menschen gut vernetzen kann.

Wie steht es um die Start-up-Pläne für die Frauen-Finanz-App?
Das könnte besser sein. Ich war dieses Jahr zu viel unterwegs, um mich wirklich damit zu beschäftigen. Ich habe mir vorgenommen, mich nächstes Jahr finalisierend darum zu kümmern. Aber erste Schritte gibt es bereits.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Gerhard Schröder war ein guter Mentor. Von ihm habe ich gelernt, dass man seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Freiraum geben muss, damit sie ihre Aufgaben so erledigen können, wie sie meinen, dass es gemacht werden sollte. Und wenn es mal schiefgeht, wird erstmal ein klärendes Gespräch geführt und geschaut, warum das so kam.

Bitte ergänzen Sie: Ich unterstütze meine Mitarbeiter in schwierigen Situationen, indem...?
... ich mit Ihnen rede und nachfrage, wie ich Ihnen am besten helfen kann.

Angenommen, eine Kollegin oder Mitarbeiterin denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
Diese Gedanken sollte frau wegsperren und sich von davon verabschieden! Raten würde ich ihr: Auch für Dich gilt, Du kannst das, also trau dich. Bertold Brecht hat es so gefasst: Ein Teil allen Talents ist die Courage. Und ich sage: genauso ist es und alles weitere, was jetzt als Hindernis erscheint, wird sich dann organisieren lassen.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich...?
... keine regelmäßigen Gespräche und hinter ihrem Rücken schlecht über sie reden. Probleme gehören angesprochen und man muss auch mal nicht so schöne Dinge thematisieren.
Feedback ist für mich...?
Unbedingt notwendig.

Über ihre Erfolge sollten Frauen...?
Häufiger reden. Oft sind Frauen zu bescheiden und stellen nicht heraus, was sie Tolles gemacht haben. Das muss sich ändern!

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
Auch da gilt: nicht zu bescheiden sein, sondern ruhig noch eine Schippe drauflegen. Ordentliche Arbeit muss auch gut bezahlt werden.

Verbündete und Mentoren finde ich, indem...?
... ich die Person, die ich im Blick habe als Mentorin, offen frage, ob sie helfen kann. Dabei sollte man keine Scheu vor großen Namen haben. Trau Dich, mehr als Nein sagen kann keiner und meist holt man sich keine Absage.

In Konfliktsituationen bin ich...?
... immer gesprächsbereit. Nur wenn man miteinander redet, kann man die Probleme lösen oder wenigstens einen Verfahrensweg finden.

Pannen sind...?
... normal und hinzunehmen.

Wie gehen Sie mit Stress um?
...tief durchatmen und ruhig an die Abarbeitung der Themen gehen. Hektik macht auch nichts besser.

Nein sagen sollten Frauen zu...?
... jeglicher Art dümmlicher Anmache und zu den Angeboten, die sie wirklich nicht wollen.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Zunächst mal klären, woran es liegt: an Konflikten mit Kollegen oder Vorgesetzten oder an den Inhalten der Arbeit. Dann schauen, was man ändern kann. Wenn nichts fruchtet, hilft nur, sich einen neuen Job zu suchen.

Anderen Chefs würde ich gerne sagen, ...?
... sprecht mehr mit euren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, lobt sie und unterstützt sie.

Frau Zypries, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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