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Start-up-Chefin Jenny Podewils

Jenny von Podewils ist Co-Founderin des HR Tech-Startups Leapsome.
(Credit: Leapsome)

Leapsome-Gründerin und Vordenkerin Jenny Podewils „Die wichtigste Fähigkeit für Führungskräfte ist, wertschätzendes Feedback zu geben“

Jenny Podewils hat eine Mission: Mit Hilfe von KI eine gesunde Feedback- und Lernkultur in Unternehmen etablieren. Ein Gespräch über Wertschätzung und Motivation.
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Jenny Podewils ist Geschäftsführerin des 2016 gegründeten Softwareunternehmens Leapsome und neues Top-Talent im diesjährigen Vordenker-Jahrgang, eine Initiative von Handelsblatt und der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG). Gemeinsam mit ihrem Co-Geschäftsführer Kajetan Armansperg unterstützt sie Unternehmen, u.a. Flixbus und Hering Schuppener, beim Aufbau einer agilen Feedback- und Lernkultur. Jenny, die kürzlich von Hamburg nach Berlin gezogen ist und Sushi liebt, ist eine Alumna der Universitäten St. Gallen und Oxford, sowie der Singularity University im Silicon Valley.
Zuvor arbeitete sie in strategischen und digitalen Transformations-Rollen in Medien-, Clean-Tech- und Tech-Unternehmen. Ihr Unternehmen Leapsome bietet Kunden eine KI-gestützte Software-Plattform für kontinuierliches Feedback, 360° Performance Reviews, Mitarbeiterumfragen, agiles Ziel-Management und personalisiertes Lernen - die Software wird von zahlreichen Kunden von Beratungen bis hin zu Großunternehmen genutzt.

Liebe Frau Podewils, was machen Sie morgens als erstes im Büro?
Ich nehme mir 5-10 Minuten Zeit, um zu planen, was ich an diesem Tag erreichen möchte. Außerdem reflektiere ich kurz, was ich am Vortag erreicht habe. Diese Zusammenfassung teile ich transparent mit meinem Team über unseren digitalen Team-Chat. Auch meine direkten Kollegen bei Leapsome teilen ein entsprechendes Update - so ist jeder im Bild und wir können den Tag fokussiert und optimal abgestimmt beginnen.

Was sind Ihre Stärken?
Die richtigen, manchmal auch unangenehme Fragen zu stellen, um komplexe und neue Sachverhalte schnellstmöglich und soweit wie möglich zu verstehen. Neugier und die damit verbundene Freude an neuen Herausforderungen.

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Jede Herausforderung ist eine Chance, etwas zu lernen. Der Lernprozess kann schmerzhaft sein, wichtig ist es daher, nicht aufzugeben. Retrospektiv ist in der Regel alles halb so schlimm.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Ich habe nicht ein einziges Rolemodel, sondern bin inspiriert von vielen ganz unterschiedlichen Menschen. Von Freunden und Freundinnen, die Unternehmen gründen, soziale Projekte auf die Beine stellen oder einfach sehr engagiert in ihren Jobs oder auch Familien sind. Von jungen und erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern, die Wert schaffen und Veränderungen vorantreiben. Von mutigen Politikern, die Dinge voranbringen und oft wenig Wertschätzung dafür bekommen. Oder auch von Medienmachern und investigativen Journalisten, die uns auf wichtige Missstände aufmerksam machen oder wichtige Diskurse anstoßen.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, Kollegen/innen) in schwierigen Situationen, indem…?
... ich versuche, mehr Fragen zu stellen, die gute Antworten produzieren, statt Antworten vorzugeben. Ich gebe ehrliches und offenes Feedback und drücke Wertschätzung aus. Ich versuche dabei zu helfen, die eigenen Stärken zu erkennen und eine Weiterentwicklung durch Reflektion zu ermöglichen. Dazu gehört auch Fehler ehrlich und offen zu besprechen, um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Angenommen eine Kollegin oder Mitarbeiterin denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
Achtsamkeit und Meditation zu erlernen und zu praktizieren, um derart destruktive und automatisch ablaufende Denkmuster zu erkennen und sie damit bewusst durchbrechen zu können.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich…?
... Aggression. Bringt nichts, führt zu nichts, außer einer Lose-Lose Situation.

Feedback ist für mich…?
... die Grundlage für jegliche Form des Lernens. Feedback hilft mir zu verstehen, was ich individuell, als Team oder als Firma bereits gut kann und was ich verändern muss. Wertschätzendes Feedback zu geben ist die wichtigste Fähigkeit für Führungskräfte. Aber auch konstruktives Feedback ist wichtig: Wenn ich gelernt habe, konstruktives Feedback gelassen anzunehmen, ist die Grundlage für kontinuierliches Lernen gelegt. Eine erfolgreiche Feedbackkultur aufzubauen ist die Grundlage für nachhaltigen Unternehmenserfolg in der VUCA Welt, in der wir uns befinden.

VUCA-Welt? Das müssen Sie bitte kurz erklären!
VUCA steht dabei für eine Welt, die durch Volatilität (V wie volatility), Unsicherheit (U wie uncertainty), Komplexität (C wie complexity) und Mehrdeutigkeit (A wie ambiguity) geprägt ist.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar?
Die wichtigsten Mechanismen bei der Arbeit sind für mich klar definierte Ziele (Objectives and Key Results - OKRs), unsere täglichen Team-Updates auf Slack und sauber vor- und nachbereitete Meetings, weil dort die essentielle Abstimmung und Führungsarbeit stattfindet. Wir nutzen dazu eine Mischung aus Slack, Leapsome und Google Drive.

Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
E-Mails und unnötige Meetings. Letzteres vermeiden wir. Ersteres versuche ich dadurch zu kontrollieren, Mails nur zu bestimmten Tageszeiten in einem Durchgang abzuarbeiten. Dies gelingt mir aber nicht immer und dann lasse ich mich von einer E-Mail doch von meinem eigenen Tagesplan abbringen...

Über ihre Erfolge sollten Frauen…?
... sprechen, um voneinander und miteinander zu lernen.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
Mit mehr Mut in Gehaltsverhandlungen gehen. Ich habe in Bewerbungsprozessen sehr oft gesehen, dass weibliche Bewerberinnen mit demselben Profil eine deutlich geringere initiale Gehaltsvorstellung angeben. Meine Hypothese dazu: Mädchen werden tendenziell noch zu mehr Zurückhaltung erzogen. Daher am besten einmal überlegen, mit welcher Gehaltsforderung man sich gerade anfängt unwohl zu fühlen, diese mit 1,2 multiplizieren und dann mit diesem neuen Wert und guten Argumenten, wie bisherigen Erfolgen oder speziellen Fähigkeiten und Wissen, in die Gehaltsverhandlung gehen. Am besten die Gehaltsverhandlung außerdem vorher einmal im Rollenspiel üben, wenn man noch nicht so viel Routine hat.

Verbündete und Mentoren/ finde ich, indem…?
... ich mich umschaue, wen ich direkt oder über mein Netzwerk ansprechen kann. Das sollte eine Person sein ,die in der Vergangenheit schon einmal die gleichen Herausforderungen gemeistert hat, die mir jetzt begegnen. Ich schätze Mentoren, die vor allem aus eigener direkter Erfahrung berichten können.

In Konfliktsituationen bin ich…?
... interessiert daran, eine schnelle und sinnvolle Lösung zu finden. Ich versuche, die Interessen des Gegenübers zu verstehen und gemeinsame Anknüpfungspunkte zu finden.

Pannen sind…?
... ganz normal. Fehler passieren, wenn man Neues angeht und weiterentwickeln will. Wir versuchen bei Leapsome, auf das schnelle Lernen (und nicht auf das Fehler machen) zu optimieren. Ein Fehler ist nur dann schlecht, wenn man nichts daraus lernt und ihn wiederholt.

Wie fängt Ihr Tag an?
Idealerweise mit 15 Minuten Yoga und 10 Minuten Meditation, oder einer anderen Sporteinheit.

Wie schalten Sie abends ab und wann gehen Sie ins Bett?
Ich versuche um 23 Uhr im Bett zu liegen, und davor mindestens eine Stunde nicht mehr gearbeitet zu haben, dann schlafe ich besser. Abschalten kann ich gut, beispielsweise durch Gespräche oder Bücher.

Welches Buch lesen Sie denn gerade?
Von Yuval Noah Harari „21 Lessons for the 21st Century“ - sehr empfehlenswert!

Nein sagen sollten Frauen zu…?
... viel mehr! Da der Tag ja leider nur 24 Stunden hat, muss man zu vielen spannenden Möglichkeiten auch lernen, Nein zu sagen. So kann man leider einfach nicht zu jeder auch noch so spannenden Veranstaltung gehen oder jede Einladung zum Mittagessen annehmen. Fokus entsteht dadurch, dass man lernt, viel häufiger Nein zu sagen.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Jeder Job hat meines Erachtens einfache und schwierigere Seiten und Zeiten. Wichtig finde ich, dass man an das glaubt, woran man arbeitet und ein wertschätzendes Umfeld hat. Wenn ich an die Vision und Werte des Unternehmens glaube, für das ich arbeite, und ein wertschätzendes Umfeld habe, dann kann ich auch schwierige Zeiten gut überstehen. Ist das nicht der Fall oder bin ich einer nicht lösbaren Situation wie Mobbing ausgesetzt, dann würde ich mich entschieden und schleunigst nach neuen Möglichkeiten umsehen.

Anderen Chefs würde ich gerne sagen, …
... ich frage lieber! Wie unterstützt ihr jeden Mitarbeiter in eurem Team und in eurer Firma, sich kontinuierlich in seiner/ihrer Rolle weiterzuentwickeln? Und was könntet ihr dabei noch besser machen?

Frau Podewils, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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