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Lisa Davis Siemens-Managerin könnte die erste Chefin eines Dax-Konzerns werden

Die Amerikanerin führt das Energiegeschäft von Siemens, das jetzt abgespalten und an die Börse gebracht wird. Für die Managerin könnte das zum Karriere-Sprungbrett werden.
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Siemens-Managerin könnte erste Chefin eines Dax-Konzerns werden Quelle: EUROFORUM, Dietmar Gust
Lisa Davis

Sie steht seit fünf Jahren der Siemens-Sparte Gas and Power vor, ein Koloss mit 30 Milliarden Euro Umsatz und 80.000 Mitarbeitern.

(Foto: EUROFORUM, Dietmar Gust)

München, DüsseldorfHerrschaftlich ist das Palais Ludwig Ferdinand in München. Hier wohnten einst Architekt Leo von Klenze und Ludwig Ferdinand von Bayern. Am Mittwoch versammelte sich am Wittelsbacher Platz wieder einige Prominenz, allerdings aus der Wirtschaft. Siemens-Chef Joe Kaeser warb vor Investoren für die Umbaupläne.

Nach ihm trat Lisa Davis auf die Bühne. Sie führt das Kraftwerksgeschäft, das mit anderen Energieaktivitäten abgespalten und an die Börse gebracht wird – und in den deutschen Leitindex Dax aufsteigen könnte. Davis wäre damit möglicherweise die erste Frau, die einen Dax-Konzern führt.

Doch so einfach ist es nicht. Der aktuelle Vertrag der Amerikanerin läuft inklusive einer Option nur noch bis 2021. Der Börsengang ist für 2020 geplant. Die Investoren wollen sicherlich rechtzeitig wissen, wer den Konzern auf längere Sicht führt. Ob das Davis ist, ließen die Beteiligten offen. Man müsse besprechen, wie Lebensplanungen und Laufzeiten zusammenpassen, sagte Kaeser.

Von manchen im Konzern wird Davis durchaus kritisch gesehen. Und so können sich nicht wenige auch Michael Sen als Chef des neuen Energietechnik-Kolosses vorstellen. Der 50-Jährige ist im Siemens-Vorstand unter anderem für den Windanlagenbauer Siemens Gamesa zuständig, der der neuen Einheit zugeschlagen wird.

Zudem kennt er das Energiegeschäft von der Kundenseite. Der altgediente Siemensianer war von 2015 bis 2017 in einem Zwischenspiel Finanzvorstand bei Eon. Er gilt zwar als möglicher Nachfolger von Siemens-Chef Joe Kaeser – doch auch der neue Energiekonzern könnte für ihn reizvoll sein.

Schließlich ist Siemens Gas and Power ein Koloss mit 30 Milliarden Euro Umsatz und 80.000 Mitarbeitern. Intern wird es „Powerhouse“ genannt. Die Geschäfte liefen zuletzt allerdings in der Kraftwerkssparte schlecht, was Davis in ihrer Rede verschwieg. Ein großartiges Asset sei das, das Portfolio wettbewerbsfähig und widerstandsfähig. „Für die Zukunft gerüstet“, schwärmte die 55-Jährige.

Leidiges Kraftwerksgeschäft

Die Chemie-Ingenieurin trat vor fünf Jahren die Nachfolge von Michael Süß an. Der setzte auf große Gasturbinen, ein Fehler. Auch Davis soll nicht genug umgesteuert haben, für das schwache Marktumfeld im Kraftwerksgeschäft kann sie aber kaum etwas. Die Sparte läuft mit einer operativen Umsatzrendite von 5,6 Prozent auch besser als die beim Konkurrenten GE. Eine gute, aber nicht überragende Leistung.

Hinzu kommen Zweifel, was ihren Umgang mit Mitarbeitern betrifft. Erratisch nennt einer, der mit ihr zusammenarbeitete, ihren Stil. Von einer „rauen Benutzeroberfläche“ spricht ein anderer, von einem typisch amerikanischen Führungsstil ein dritter. Als sehr fokussiert auf ihr Geschäft aber bezeichnen sie alle. Die Stärke von Davis ist ihr Verkaufstalent. Die Managerin reist unermüdlich um die Welt. Im Flugzeug stelle sie sich ihrem Sitznachbarn gern als Vertriebsmitarbeiterin von Siemens vor, berichtet ein Kollege.

Ein Headhunter rief sie 2014 an. Da kannte sie Siemens als Kunden ihres ehemaligen Arbeitgebers Shell. Das Angebot kam zum günstigen Zeitpunkt, Davis‘ Karriere kam nach ihrem Ausscheiden bei Shell – dorthin wechselte sie 1998 von Texaco – nicht so recht voran.

Bei Siemens führt sie das Geschäft aus dem fernen Houston. „Sie hat kein starkes Netzwerk in Deutschland“, heißt es im Umfeld. Den Umzug nach Texas begründete Davis so: „Wenn Sie Wintersportgeräte verkaufen möchten, kommen Sie nicht auf die Idee, ein Geschäft in der Karibik zu eröffnen.“

Davis stammt aus einer Mittelklassefamilie im Mittleren Westen. Ihr Vater war Pilot, die Mutter arbeitete bei der US-Steuerbehörde. Nach dem Studium 1985 lernte die Ingenieurin die Energiebranche von der Pike auf kennen. Sie arbeitete auf einer Ölplattform, in Raffinerien, in der Zentrale von Shell und setzte sich in der Männerwelt durch.

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