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Managerin Simone Menne – die künstlerische Kontrolleurin

2016 verließ Simone Menne die Lufthansa. Über zu wenig Arbeit kann sie sich heute nicht beschweren – aber sie genießt die neue Freiheit.
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Im Herbst will die Managerin ihre eigene Galerie eröffnen. Quelle: Paula Markert für Handelsblatt
Simone Menne

Im Herbst will die Managerin ihre eigene Galerie eröffnen.

(Foto: Paula Markert für Handelsblatt)

KielEs ist warm in Kiel an diesem Tag. Die Sonne scheint durch das große, weit geöffnete Giebelfenster in die Wohnung mitten in der Altstadt. Möwen fliegen kreischend vorbei, Klaviermusik dringt aus Lautsprechern. In der offenen Küche fällt der Blick auf einen Lufthansa-Trolley, wie er täglich an Bord durch die Flugzeugreihen geschoben wird. Ein Geschenk.

27 Jahre stand Simone Menne im Dienst von Europas größter Airline, zuletzt als Finanzvorständin. Sie war die erste Kassenwartin eines Dax-30-Konzerns – und wäre auch gern die erste Dax-Chefin geworden. Weil daraus nichts wurde, suchte sie sich im Sommer 2016 einen neuen Arbeitgeber in einer ihr völlig fremden Branche: das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, seit Gründung 1885 in Familienbesitz.

Doch es war ein kurzes Gastspiel. Ende 2017 verließ Simone Menne die Unternehmensleitung wieder. Zwischen Boehringer-Chef Hubertus von Baumbach und ihr habe es persönlich einfach nicht gepasst, sagt sie. Sie entschied sich für die Rückkehr nach Kiel, wo sie 1960 als einziges Kind einer Steuerberatergehilfin und eines Meisters für Band-Plattenspieler geboren wurde. Nach dem BWL-Studium war ihr die Hafenstadt an der Ostseeküste zu klein. Per Stellenanzeige landete sie 1987 in der Revisionsabteilung des amerikanischen Konzerns ITT in Frankfurt.

Lieber in der „Peripherie“ unterwegs

1989 schließlich ging sie zur Lufthansa. Fast alle drei bis fünf Jahre wechselte sie den Job innerhalb des Dax-Konzerns, meist auch das Land. Sie arbeitete in Lagos in Westafrika, in Paris und London – kümmerte sich um das Finanz- und Rechnungswesen, die EDV und das Personal in vielen unterschiedlichen Abteilungen und Gesellschaften. Statt in der Hauptverwaltung war sie lieber in der „Peripherie“ unterwegs, denn draußen gab es weniger Regeln, weniger Aufpasser.

Im Juli 2012 folgte der Höhepunkt ihrer Karriere: die Ernennung zur Finanzchefin. Sie sei so stolz gewesen, wie sie da zu Hause beim damaligen Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber saß, erzählt sie. „Ich dachte: Wow, du darfst mit Herrn Weber reden. Er traut dir die Aufgabe zu; diese herausragende Persönlichkeit, die Lufthansa aus der größten Krise geholt hat, glaubt an dich. Das war Wahnsinn. Gänsehaut pur.“

Über zu wenig Arbeit kann sich die 57-Jährige auch heute nicht beschweren, aber sie genießt die neue Freiheit. Sie entscheidet, was sie wann und wo macht. Sie berät das Finanzministerium in Kapitalmarktfragen und den Standardsetter für deutsche Rechnungslegung. Sie sitzt im Aufsichtsrat von BMW, der Deutschen Post und dem US-Mischkonzern Johnson Controls. Und auch den Wissenschaftsverlag Springer Nature kontrolliert sie, auch wenn der geplante Börsengang nicht geklappt hat.

Immer auf der Suche nach Inspiration

Vor allem das Thema Digitalisierung treibt Simone Menne um – und die Frage, wie Unternehmen von Industrie 4.0, Big Data und Blockchain profitieren können. Zum Tech-Festival SXSW in Austin, Texas, reist sie ebenso wie zur Start-up-Konferenz Noah nach Berlin. Immer auf der Suche nach Inspiration, immer neugierig. Ganz nach Henry Ford: „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ 

Und dann ist da noch ihre Galerie unten im Haus, in dem sie wohnt, ihr „eigener kleiner Kunst-Raum“. Im Herbst soll Eröffnung sein. Simone Menne steckt mitten in der Planungsphase und erledigt alles selber, wofür sie früher Leute hatte: spricht mit Elektrikern und Tischlern, bestimmt Bodenbeläge und Beleuchtung, kümmert sich um die Gewerbe- und Steueranmeldung.

Kunst, das war schon immer ihre Leidenschaft und ihre Entspannung. Sie malt seit Jahrzehnten, vor allem „schräge Vögel, Papageien und so etwas“. Ihr 2015 verstorbener Vater hat gern geschnitzt, zum Beispiel das Holzschiff, das auf ihrem Regal steht. Kontrolle und Kunst, das sind die zwei Dinge, die Simone Menne in der neuen Phase ihres Lebens umtreiben. luki

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