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MBA für Gründer Fehler ausdrücklich erlaubt – wie Business-Schools Entrepreneure formen

Immer mehr Business-Schools bieten MBA-Programme speziell für Gründer an. Aber lässt sich Unternehmergeist wirklich im Hörsaal vermitteln?
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Seine Karriere begann an der WHU und dient vielen ambitionierten Start-up-Gründern als Vorbild. Quelle: Marko Priske für Handelsblatt
Internetunternehmer Oliver Samwer

Seine Karriere begann an der WHU und dient vielen ambitionierten Start-up-Gründern als Vorbild.

(Foto: Marko Priske für Handelsblatt)

München Dass seine Idee nichts taugt, ahnt Georg Bader schon, bevor er sie im Plenum dem Dozenten und seinen 30 Kommilitonen vorstellt. Im Team hatte er zuvor im Schnelldurchlauf das Geschäftsmodell für ein Fitness-Start-up entworfen. Herzstück der Firma: ein Armband, mit dessen Hilfe Sportler ihren Puls überwachen können.

Innerhalb eines Nachmittags entwarfen die Studenten das Konzept für ihre „Health Rating Agency“, erstellten einen Finanzplan, definierten die Zielgruppe, sondierten den Markt – und stellten schnell fest, dass Konkurrenten mit fast identischen Produkten bereits erfolgreich am Start waren. „Unter realen Bedingungen wären wir mit unserem Start-up ziemlich sicher gescheitert“, sagt Bader.

Um den großen Wurf ging es an jenem Nachmittag im Hörsaal der Münchner TUM School of Management allerdings auch gar nicht. Vielmehr sollten die Teilnehmer des MBA-Programms „Innovation and Business Creation“ lernen, wie man aus einer Idee ein Geschäftsmodell entwickelt.

Fehler zu machen war dabei ausdrücklich erlaubt: „Im Plenum werden die Geschäftsmodelle der Studierenden analysiert und verbessert. So bauen sie im Laufe des Programms eigene Erfahrungen auf, auf die sie dann im Ernstfall zurückgreifen können“, sagt Bernhard Kraus, Geschäftsführer des Executive Education Center an der TUM School of Management. Dadurch sinke die Wahrscheinlichkeit, dass der Student den Fehler aus der Übung später bei einer echten Gründung wiederhole.

Scheitern erwünscht

Der Wirtschaftsabschluss Master of Business Administration (MBA) ist an der Business-School der TU München gezielt auf Berufstätige zugeschnitten, die ein Unternehmen gründen möchten. In drei Semestern, so das Versprechen der Hochschule, lernen die MBA-Studenten alles, was sie als erfolgreiche Gründer wissen müssen: wie sie einen Businessplan schreiben, die Finanzierung planen, dazu Marketing, Controlling, Vertrieb sowie rechtliche Grundlagen.

Mit dieser besonderen Spezialisierung stehen die Münchner nicht allein da. Auch die Frankfurt University of Applied Sciences und die Hochschulen in Bielefeld und Aachen bieten MBA-Programme für angehende Entrepreneure an.

Viele andere Angebote führen das Schlagwort zwar nicht direkt im Namen, doch bei nahezu allen renommierten Business-Schools ist das Thema Unternehmensgründung mittlerweile mindestens ein optionaler Bestandteil des Curriculums. Die Zahl der Professuren für Entrepreneurship hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Fragt sich nur: Lässt sich Unternehmertum wirklich akademisch vermitteln? Werden die Macher von morgen im Hörsaal geformt?

Theorie allein, so viel steht fest, reicht nicht aus. So setzen alle Entrepreneurship-Studiengänge auf eine enge Verzahnung mit der Praxis. An der TUM School of Management heißt das: Was der Dozent vormittags vorträgt, ist meist noch am selben Nachmittag Bestandteil einer praktischen Übung.

Mal wird eine Idee schnell wieder verworfen wie im Fall von Georg Bader. Oft ziehen sich Projekte aber auch über mehrere Wochen hin, manche über ein ganzes Semester. Besonders erfolgversprechende Projekte können das Studienende auch überdauern und im besten Fall als echte Start-ups weiterwachsen.

So hat Bader seine „Health Rating Agency“ zwar beerdigt, nicht aber den Gedanken an ein eigenes Fitness-Start-up. „Die Healthy-Living-Branche bietet enormes Potenzial, das war mir spätestens nach dem Seminar klar“, sagt er.

Über UnternehmerTUM, das Gründungszentrum der TU München, lernte er den Investor Oliver Bücken kennen und sprach mit ihm über die Potenziale im Geschäft mit der Gesundheit sowie über seinen Wunsch, sich in dieser Branche selbstständig zu machen. Erfahrung konnte der 36-Jährige bereits vorweisen: Im Jahr 2005 war er schon einmal mit einem Software-Start-up erfolgreich, das er sechs Jahre später an ein großes IT-Unternehmen verkaufte.

Bader gelang es, den Investor zu überzeugen – und der hatte Kontakte zum Münchner Inkubator Venture Stars, der gerade auf der Suche nach einem klugen Kopf war, um ein Start-up für Fitnessnahrung aufzubauen. Bader traf sich mit einem der Geschäftsführer, hörte sich dessen Vorstellungen für das Fitness-Start-up an – und entschloss sich einzusteigen. Im März 2014, kurz nach dem Ende seines MBA-Studiums, gründete er gemeinsam mit Venture Stars das Start-up Vitafy, das Naturkost, Sportlernahrung und Low-Carb-Produkte vertreibt.

Wertvolle Kontakte

Dass Bader Oliver Bücken gerade zur richtigen Zeit kennen lernte und dieser ihm den entscheidenden Hinweis gab, mag Zufall gewesen sein. Doch genau solche zufälligen Begegnungen werden von den Hochschulen gezielt ermöglicht und gefördert. Bei den meisten Business-Schools gehört es zum guten Ton, regelmäßig Praktiker mit langjähriger Berufserfahrung einzuladen, sei es als Dozenten, Gastredner oder Besucher von Networking-Veranstaltungen.

Die WHU Otto Beisheim School of Management organisiert regelmäßig Round-Table-Konferenzen zum Thema Entrepreneurship. Investoren, Business-Angels und erfolgreiche Gründer berichten dort von ihrem Arbeitsalltag und beantworten die Fragen der Studenten.

Im Anschluss gibt es bei Bier und Häppchen die Möglichkeit zu Gesprächen unter vier Augen. „Um erfolgreich zu gründen, braucht man vor allem ein starkes Netzwerk“, sagt Christoph Hienerth, Professor für Entrepreneurship an der WHU. Die Kontakte renommierter Business-Schools sind dafür eine gute Grundlage.

Die WHU in Vallendar bei Koblenz gilt als eine der erfolgreichsten Gründerschmieden Deutschlands. Oliver Samwer, Chef des Inkubators Rocket Internet, hat an der privaten Hochschule studiert, ebenso die Zalando-Gründer David Schneider und Robert Gentz. Wer hier ein Managementstudium beginnt, träumt in der Regel davon, sich eines Tages selbst in die Riege dieser Selfmade-Men einreihen zu dürfen – ein durchaus kostspieliger Traum.

39.000 Euro kostet das Vollzeit-MBA-Programm, das sich über den Zeitraum von einem Jahr erstreckt. Die Gebühr für das berufsbegleitende Studium über 24 Monate liegt bei 40.800 Euro. Auch an anderen Business-Schools werden für die Ausbildung zum Gründer fünfstellige Beträge fällig: An der TUM School of Management zahlen Studenten für den zweijährigen MBA in „Innovation and Business Creation“ 32.000 Euro plus Semestergebühr, in Aachen kostet der MBA in „Management und Entrepreneurship“ bei einer Studiendauer von 18 Monaten 19.500 Euro.

Ob sich diese Investition für angehende Gründer lohnt, ist in der Branche umstritten. „Die goldene Eintrittskarte ist ein solches Studium jedenfalls nicht“, sagt Uwe Horstmann. Er ist Partner beim Berliner Risikokapitalgeber Project A Ventures und bewertet täglich die Geschäftsideen junger Unternehmer, die ihn als Investor gewinnen möchten. Seiner Erfahrung nach scheitern die wenigsten Start-ups an mangelndem BWL-Wissen.

Wissen allein reicht nicht

Viel häufiger sei es das Team, das nicht harmoniere und ein Projekt zum Scheitern bringe. Ein gutes Team, sagt Horstmann, ergänze sich. Der Programmierer, der die App entwickelt, muss sie nicht zwangsläufig auch verkaufen können. Viel erfolgversprechender sei es, sich stattdessen einen Fachmann mit ins Boot zu holen, der diese Aufgaben übernimmt.

Benedict Rodenstock, Gründer und Geschäftsführer des Risikokapitalgebers Astutia in München, sieht die Gründer-Studiengänge positiver. „Jemand, der tiefes Wissen in seinem Bereich und zugleich auch ein gutes betriebswirtschaftliches Verständnis mitbringt, ist mit das Beste, was uns passieren kann“, sagt der Investor.

So habe beispielsweise ein Informatiker, der durch ein MBA-Studium bewiesen habe, dass er sich auch mit der Vermarktung seines Produkts auskennt, gute Karten, wenn es um eine Finanzierung durch den Münchner Risikokapitalgeber geht.

Für Georg Bader jedenfalls hat sich die Investition in sein MBA-Studium gelohnt. Mehr als vier Jahre sind seit der Gründung von Vitafy vergangen. Mittlerweile arbeiten über 50 Mitarbeiter für das Unternehmen, rund 2000 Produkte 300 unterschiedlicher Marken bietet das Start-up auf seiner Homepage an und lässt sich von Prominenten wie dem Fernsehmoderator Daniel Aminati bewerben.

Zudem konnte das Unternehmen einige namhafte Investoren für sich gewinnen. Ein Jahr nach der Gründung stieg die Mediengruppe Pro Sieben Sat 1 bei Vitafy ein und investierte einen zweistelligen Millionenbetrag. 2016 stockte der Konzern sein Investment um weitere 20 Millionen Euro auf. Auch diesen Investor hat Bader übrigens über seine Hochschule kennen gelernt.

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