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Mobilitätsreport Pendler halten trotz möglicher Diesel-Fahrverbote am Auto fest

Trotz drohender Fahrverbote für Dieselautos ist der öffentliche Nahverkehr für die meisten Pendler keine Alternative. Ein neuer Mobilitätsreport nennt die Gründe.
5 Kommentare

VW-Chef Müller: „Diesel-Fahrer erhalten keine Entschädigung“

Bonn Noch nie pendelten so viele Menschen zur Arbeit wie heute. Was sie auf Straße und Schiene treibt? Teure Mieten in den Städten und Rekordbeschäftigung. Der Anteil der Beschäftigten, die zum Teil lange Wege zum Arbeitsplatz und zurück in Kauf nehmen, ist 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf einen neuen Rekordwert von 59,4 Prozent gestiegen.

Damit wuchs die Zahl der Pendler von knapp 18 auf 18,4 Millionen. Nur in Belgien, den Niederlanden, Schweden, Dänemark und Großbritannien ist der Pendler-Anteil höher.

Doch wie lange pendeln Berufstätige konkret zur Arbeit? In welchen Regionen in Deutschland wird am meisten gependelt? Und wie stehen Autopendler zu Alternativen wie dem öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV)?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Online-Jobplattform Stepstone gerade in einem umfassenden Mobilitätsreport, der am 24. April veröffentlich werden soll. Für diese Studie wurden 20.000 Fach- und Führungskräfte sowie 4000 Recruiter befragt. Dem Handelsblatt liegen exklusiv erste Ergebnisse vor – es geht um die Reaktion der Pendler auf die Diesel-Fahrverbote.

Denn kaum hat das Bundesverfassungsgericht ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge mit Euro 5- und Euro-6-Norm in Innenstädten grundsätzlich für zulässig erklärt, wird über mögliche Alternativen für Autopendler debattiert. Der Mobilitätsreport macht sehr deutlich, welche Relevanz Mobilität für Fach- und Führungskräfte in Deutschland hat: Zwei von drei Berufspendlern ziehen das Auto eindeutig öffentlichen Verkehrsmitteln vor. Nur 18 Prozent derjenigen Fach- und Führungskräfte, die täglich mit dem Pkw zur Arbeit fahren, können sich vorstellen, auf den ÖPNV umzusteigen.

Über die Gründe für ein Nein zum ÖPNV ist sich der überwiegende Teil deutscher Autopendler einig: Nur fünf Prozent der Fach- und Führungskräfte finden öffentliche Verkehrsmittel zu teuer, den fehlenden Komfort kritisiert sogar kaum jemand (ein Prozent). Entscheidend sind für Berufspendler stattdessen zwei andere Aspekte: Mehr als jedem Zweiten dauert die Fahrzeit zwischen Wohn- und Arbeitsort per Bus und Bahn einfach zu lange. Auch die Flexibilität ist für 23 Prozent der Befragten ein Plus, das in ihren Augen nur das Auto bietet.

Der Report zeigt auch, wie viel Zeit Fach- und Führungskräfte für ihren Weg zur Arbeit täglich investieren. Mehr als jeder dritte Berufspendler ist täglich bis zu 30 Minuten für eine Strecke unterwegs. 21 Prozent pendeln bis zu 45 Minuten am Tag, immerhin noch 15 Prozent nehmen bis zu 50 Minuten Fahrzeit in Kauf.

„Fach- und Führungskräfte sind grundsätzlich bereit, täglich auch längere Strecken für den Job zurückzulegen. Mobilität ist entscheidend für einen funktionierenden Arbeitsmarkt. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass aus Sicht von vielen Berufstätigen derzeit keine Alternative zum Auto existiert“, sagt Sebastian Dettmers, Geschäftsführer bei Stepstone.

Dabei ist Pendeln eigentlich total unbeliebt. Den einen nervt der Stau, den anderen das Warten am zugigen Bahnhof, den dritten die Nähe der riechenden oder redenden Menschen. Kein Wunder, dass es Dutzende Studien gibt über die gesundheitlichen Folgen des Pendelns: Es stresst, macht krank und unglücklich.

Das US-Forschungsinstitut Gallup befragte vor einigen Jahren mehr als 170.000 Amerikaner. Das Ergebnis: Von Pendlern, die täglich über 90 Minuten unterwegs waren, litt jeder Dritte unter Nacken- oder Rückenproblemen.

Der britische Stressforscher David Lewis wiederum maß für eine Studie fünf Jahre lang den Blutdruck und die Herzfrequenz von 125 Pendlern. In belastenden Situationen stieg deren Stresspegel nicht nur stärker als der von Kampfpiloten. Sie vergaßen häufig sogar Teile ihres Weges zur Arbeit – die sogenannte „Pendler-Amnesie“.

Und der renommierte Schweizer Ökonom Bruno Frey kam zu dem Ergebnis: Wer für den Weg zur Arbeit eine Stunde benötigt, müsste theoretisch 40 Prozent mehr verdienen, um genauso glücklich zu sein wie jemand, der seinen Job direkt um die Ecke hat.


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5 Kommentare zu "Mobilitätsreport: Pendler halten trotz möglicher Diesel-Fahrverbote am Auto fest"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Öffentlicher Nahverkehr bedeutet etwa eine Verdoppelung der Fahrtzeit, was langfristig ebenfalls der Gesundheit schadet. Was benötigt wird ist eine Umkehr der Zentrierung der Arbeitsplätze, die mit Merkels Werkstorprinzip erst richtig Fahrt aufgenommen hat. Die Arbeitgeber müssen in die Pflicht genommen werden, Personal heimatnah zu beschäftigen. Würde man sich die Pendlerwege aus dem Weltall ansehen, würde das eigentlich Problem deutlich! Mobilitätsvermeidung ist das Optimum, nicht Verlagerung!😡

  • Danke Herr Schmidt!
    Ich mache mir ebenfalls nicht mehr die Mühe, auf die ungewollt komischen Beiträge immer derselben Diesel-Fahrer näher einzugehen. Erst nerven die auf der Straße und jetzt in den Foren.

  • Sollen sie doch den Dieseldreck des Vordermanns weiterhin einatmen und die Luft filtern. Der der am meisten Dreck hinten raus pustet hat gewonnen.

  • Ziel des deutschen Politiksystems ist offensichtlich eine verarmte ökoreligiöse Gesellschaft. Das Auto als Mittel der Freiheit und Wohlstands ist dem Politiksystem ein Dorn im Auge. So hat Fr. Merkel das Auto mit Verbrennungsmotor zur Brückentechnologie** (Kernenergie 2010!) erklärt, nicht gegen kaum einhaltbare NOx Grenzwerte für Diesel, oder CO2 Grenzwerte die ausschliesslich deutsche Hersteller belasten* interveniert. Zu guter Letzt hat man die Deutsche Umwelthilfe die für Autofahrverbote klagt massgeblich aus dem Bundeshaushalt finanziert.

    Der öffentliche Nahverkehr ist abseits der Städte in Deutschland nicht so ausgebaut, dass dieser für Berufspendler sinnvoll nutzbar ist. Beispielsweise fehlen für Schichtarbeiter regelmässig Angebote. Damit hätte ein Verzicht auf das Auto für Alle für sehr viele Erwerbstätige einen Umzug zur Folge. Meist müsste dieser Umzug in Städte erfolgen deren Wohnungen mit Steuergeldern für Einwanderer/"Flüchtlinge" angemietet sind.

    *Die CO2 Grenzwerte sind als Flottenverbrauchswerte definiert. Grosse Autos können mit kleinen Autos verrechnet werden. So haben Fiat, Renault und Peugeot kein Problem, wohl aber Porsche, BMW und Mercedes.

    **Fr. Merkel hatte 2010 die Kernenergie zur Brückentechnologie erklärt gleichwohl es bislang keinen sinnvollen Ersatz abseits der Kohle gibt. Eine Brücke ins Nichts! 2017 erklärte sie das Auto mit Verbrennungsmotor zur Brückentechnologie.

  • Warum soll sich denn etwas so schnell ändern? Die Leute müssen zur Arbeit und außer einer riesigen, emontionalen Diskussion in den Medien über das Thema Diesel hat sich doch an den Rahmenbedingungen nichts geändert. Der ÖNPV ist wie er ist. Ob es zu Fahrverboten kommt oder nicht und in welchem Umfang ist noch offen. Wenn nötig sind dann immer noch Kombin-Lösungen drin, dass man als Pendler einen Großteil der Strecke per Auto bewältigt und den Rest von einer P+R Basis. Es fehlen mir die wirklichen Innovationen und Visionen in Politik und Volkswirtschaft. Das System so wie es ist, ist nicht marktbasiert, sondern unter Eingriffen entstanden. Damit wird immer nur versucht den letzten Eingriff zu kompensieren. Das beste Beispiel sind die EU-Grenzwerte für NOx und CO2, welche immer nur als Einzellösung ersonnen wurden und auch nur dort optimierbar sein könnten. Wenn es komplex wird, versagt das System. So wollen glaubt die öffentliche Meinung NOx durch andere Antriebe zu minimieren, was logischwerweise den CO2 Wert im Gesamtsystem wachsen lässt. Egal ob DUH oder EU, es sind nur schlecht gemachte Einzelforderungen/-vorschriften am Start, die die Komplexität des Systems leugnen.

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