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OECD-Online-Umfrage Künstliche Intelligenz und Automatisierung: Wie sicher ist Ihr Job?

Die Digitalisierung verändert ganze Berufsbilder. Ein Tool der OECD hilft Arbeitnehmern, die Auswirkungen auf den eigenen Job zu prognostizieren.
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Der Kollege von morgen? Quelle: dpa
Roboter am Arbeitsplatz

Der Kollege von morgen?

(Foto: dpa)

DüsseldorfKünstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung beeinflussen bereits die Arbeitswelt von heute. In Zukunft werden sie in bestimmten Branchen eine noch viel bedeutendere Rolle spielen. In manchen Fällen werden sie den Menschen bei seiner täglichen Arbeit ergänzen und ihm diese erleichtern. In anderen Fällen werden sie Tätigkeiten, die bislang von Menschen erledigt werden, sogar komplett übernehmen können.

Das sorgt für viel Unsicherheit bei Arbeitnehmern, die sich fragen: Wird mein Job in Zukunft von einer Maschine gemacht werden können und macht mich das überflüssig? Die Angst vor Arbeitsplatzverlust und einer unsicheren Zukunft treibt immer mehr Menschen um.

Wer besser verstehen möchte, wie groß der Einfluss von KI und Maschinen in seinem Job in Zukunft werden dürfte, kann an einer Online-Analyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) teilnehmen.

Das Tool ermittelt anhand verschiedener Faktoren den Grad der künftigen Durchdringung des eigenen Tätigkeitsbereichs durch KI und Maschinen und berechnet die Wahrscheinlichkeit, mit der sich der eigene Job dadurch verändern wird. Das Ziel: Hinweise darauf liefern, wie zukunftssicher der eigene Job ist.

Die Nutzer können ihre Ergebnisse auch mit anderen Berufsbildern in verschiedenen Ländern vergleichen und erhalten so Inspiration für eine mögliche berufliche Umorientierung, die mehr Zukunftssicherheit bietet.

Der Grad der Gefährdung durch KI und Automatisierung bemisst sich am Anteil der Aufgaben, die von Maschinen und Software übernommen werden können. Die berechneten Wahrscheinlichkeiten basieren auf den Ergebnissen der OECD-Studie „Automation, skills use and training“ von Ljubica Nedelkoska und Glenda Quintini aus dem Jahr 2018.

Das OECD-Paper stützt sich unter anderem auf die Ergebnisse der jüngsten PIAAC-Studie. Ähnlich wie bei der Pisa-Studie unter Schülern handelt es sich dabei um eine von der OECD in Auftrag gegebene internationale Vergleichsstudie zur Erfassung von grundlegenden Kompetenzen – in diesem Fall der erwachsenen Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren aus 32 OECD-Ländern.

Dabei wurden Fähigkeiten wie Lesekompetenz, alltagsmathematische Kompetenz und technologiebasiertes Problemlösen abgefragt. Zur Überprüfung der Belastbarkeit der erhobenen Daten zogen die Studienmacher nationale Daten aus Deutschland und Großbritannien hinzu.

Die OECD-Studie kommt zu dem Schluss, dass wahrscheinlich jeder zweite Job in den 32 teilnehmenden Ländern wesentlich von Automatisierung betroffen sein wird. 14 Prozent der Jobs sind demnach „hoch automatisierbar“ und somit gefährdet. Das beträfe etwa 66 Millionen Arbeitnehmer in den teilnehmenden Ländern.

Die Zahlen sind allerdings deutlich weniger erschreckend als das Horrorszenario, das der schwedische Ökonom Carl Benedikt Frey und der Informatiker Michael Osborne in einem vieldiskutierten Thesenpapier aus dem Jahr 2013 entworfen hatte und das auch Gegenstand der OECD-Studie ist: Basierend auf einer Expertenbefragung kamen Frey und Osborne damals zu dem Ergebnis, dass 47 Prozent aller Jobs in den USA sehr wahrscheinlich automatisierbar wären.

Die beiden hatten eine Liste von 702 Berufen in den USA zusammengestellt, für die das US-Arbeitsministerium ausführliche Tätigkeitsbeschreibungen veröffentlicht hatte. Anschließend diskutierten sie mit zehn Robotik- und Computerexperten, welche dieser Berufe automatisierbar wären.

Die Oxford-Studie von Frey und Osborne ist durchaus umstritten, da sich die von ihnen befragten Experten nur bei 70 der 702 Berufe relativ sicher waren, ob die Automatisierung die betreffenden Jobs wirklich gefährden könne.

Frey und Osborne berechneten die Anteile von Kreativität, sozialer Kompetenz, Fingerfertigkeit und Routineaufgaben an diesen 70 Berufen und setzten diese in Beziehung zum Grad der Gefährdung. Die daraus resultierenden Schätzungen übertrugen sie auf die restlichen Berufe, bei denen sich die Experten nicht sicher gewesen waren.

Das Fazit: Der Grad der Gefährdung durch KI und Automatisierung für den eigenen Job lässt sich nicht in absoluten Zahlen ausdrücken, aber das Online-Tool der OECD berücksichtigt den aktuellen Wissensstand zum Verhältnis von Mensch und Maschine, der im Folgenden erläutert werden soll.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Mensch und Maschine

Trotz der enormen Fortschritte beim maschinellen Lernen gibt es immer noch zahlreiche Aufgaben, die Menschen besser erledigen können als Maschinen. Je mehr der folgenden Attribute auf den eigenen Job zutreffen und je häufiger sie im Berufsalltag ausgeführt werden müssen, desto geringer ist auch laut der OECD-Umfrage die Wahrscheinlichkeit, dass der eigene Job in Zukunft von KI und Maschinen bedroht sein könnte.

1. Menschen können besser in unstrukturierten Arbeitsumgebungen arbeiten als Maschinen. Je mehr verschiedene und zufällig angeordnete Objekte einen Arbeitsplatz unübersichtlich machen, desto schlechter finden sich Maschinen in einer solchen Arbeitsumgebung zurecht. Roboter hingegen brauchen strukturierte Umgebungen, um zu navigieren. In Supermärkten, Fabriken oder Lagerhäusern finden sie sich beispielsweise gut zurecht.

2. Robotern fällt es schwer, Fehler zu erkennen, wenn sie bestimmte Gegenstände zusammen- oder irgendwo einbauen – vor allem, wenn diese Gegenstände ungewöhnliche Formen haben. Maschinenhände und -Arme sind dem menschlichen Tastsinn zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unterlegen. Sie können kleine Abweichungen bei Gegenständen, die sie bearbeiten, deutlich schlechter erkennen als Menschen, sind also in diesem Zusammenhang fehleranfälliger.

Wer also heute einen Job hat, in dem es darauf ankommt, mit ungewöhnlichen Gegenständen umzugehen, sie zu bewegen oder zusammenzubauen, muss nicht fürchten, in naher Zukunft von einer Maschine ersetzt zu werden. Das gilt vor allem dann, wenn zusätzlich dazu filigrane Handarbeit erforderlich ist, um die Aufgaben zu erledigen.

3. Künstliche Intelligenz kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht die kreative Intelligenz imitieren, die Menschen besitzen. Menschen benutzen ihre Fantasie, um neue Ideen, Herangehensweisen und Produkte zu entwickeln. Dieser Prozess konnte bislang nicht überzeugend in Algorithmen implementiert werden, die Computer und Roboter abrufen müssen, um zu agieren. Wer also heute einen kreativen Beruf ausübt, wird so schnell nicht von einer Maschine ersetzt werden können.

4. Die soziale Intelligenz von Maschinen ist der menschlichen unterlegen. Menschen müssen in Echtzeit die Emotionen anderer wahrnehmen, analysieren und auf diese reagieren, um soziale Interaktionen erfolgreich zu gestalten. Das überfordert Maschinen derzeit noch. Wer also in seinem Job oft mit anderen Menschen verhandeln, sie von bestimmten Positionen überzeugen oder sich um sie kümmern muss, der wird mittelfristig nicht von einer Maschine ersetzt werden können.

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