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Ortunabhängige Jobs So gelingt das Arbeiten fernab des Büros

Ortsunabhängiges Arbeiten ist für viele Menschen ein Traum. Doch nicht für jeden eignet sich ein solcher Job. Wie man fern des Büros arbeiten kann.
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Unterm Strich hat die Arbeitsform der digitalen Nomaden ohne Zweifel ihre Vor- und Nachteile. Quelle: Getty Images

Unterm Strich hat die Arbeitsform der digitalen Nomaden ohne Zweifel ihre Vor- und Nachteile.

(Foto: Getty Images)

Bonn So glamourös, wie es viele Freelancer auf Instagram inszenieren, ist das Leben fernab der Büromauern meistens nicht. Trotzdem ist ortsunabhängiges Arbeiten für viele Menschen ein Traum. Doch nicht für jeden eignet sich der Job im „Paradies“ - vor allem gilt es, einige wichtige Dinge zu beachten, bevor Sie sich auf den Weg machen.

Digitale Nomaden sind Menschen, denen es egal ist, wo auf der Welt sie den Laptop aufklappen, um ihr Geld zu verdienen. Statt unter der Leuchtstoffröhre im Büro sitzen sie auf Bali, in Mexiko oder, wenn das W-LAN hält, auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Atlantik, um mit Gleichgesinnten gemeinsam zu arbeiten.

Eine Fahrt mit der „Nomad Cruise“ beispielsweise kostet je nach Ausstattung der Kabine zwischen 800 und 3000 Euro. Dabei fahren etwa 400 Freelancer in 13 Tagen von Barcelona nach Brasilien. Es wird geduzt, genetzwerkt, gearbeitet und gefeiert. Gesprochen wird Englisch. Die Kreuzfahrt ist natürlich One-Way, digitale Arbeitsnomaden sind schließlich überall zu Hause.

Solche Menschensind aber keine verrückten Hippies und kapitalismuskritische Aussteiger, die am Karibikstrand mit den Beinen im türkisblauen Wasser arbeiten und das ganze Jahr über Urlaub haben. Die meisten von ihnen sind zwischen 20 und 40 Jahre alt, Single, von Beruf Programmierer, Web-Designer oder Texter. Moderne Wanderarbeiter, die oft nur ein paar Monate bleiben und dann weiterziehen.

Einige haben sogar ihre Wohnung in Deutschland aufgegeben. Sie wollen mehr vom Leben, Urlaubsgefühle während der Arbeit. Doch das romantisierte Klischee hat mit der Realität nichts zu tun. Die wenigsten Leute arbeiten tatsächlich so. Sie sitzen hochkonzentriert vor ihren Laptops im Büro, im Straßencafé oder in Coworking-Spaces, für die sie Tagesmieten zahlen.

Ausrichtung nach den Geschäftszeiten der Kunden

Auch im Paradies müssen die Aufträge erledigt werden. Es gibt Termine, Meetings über Skype oder Google Hangouts und Deadlines, die eingehalten werden müssen. Dazu kommt die Zeitverschiebung. Es kann also sein, dass man für 3 Uhr nachts den Wecker stellen muss, weil eine wichtige Videokonferenz ansteht. Die digitalen Nomaden richten sich meistens nach den Geschäftszeiten der Kunden auf der anderen Seite der Welt.

Rund um den Globus haben sich inzwischen regelrechte Hotspots für mobile Freelancer entwickelt – Lissabon ist so ein Ort. Aber auch Bangkok in Thailand und Bali in Indonesien sind ganz vorne mit dabei, wegen der niedrigen Lebenshaltungskosten. Mit 400 bis 600 Euro pro Monat kommt man dort spottbillig über die Runden. Das Durchschnittseinkommen auf Bali liegt bei circa 2500 Euro im Jahr.

„Geo-Arbitrage“ nennt sich das in der Sprache der digitalen Nomaden, also die Ausnutzung von Kurs- oder Preisunterschieden. Verdient wird in Euro, ausgegeben aber nur in Rupien oder thailändischen Baht.

Es gibt keine richtig offiziellen Zahlen. Aber Schätzungen zufolge gibt es weltweit etwa eine halbe Million digitale Nomaden, schreibt das „Manager Magazin“. Die Zahl steigt kontinuierlich: Nach einer Studie des Beratungsunternehmens PwC kann sich jeder Fünfte der Generation Y, also der Menschen im Alter von 25 bis 35, vorstellen, von verschiedenen Orten aus mobil zu arbeiten.

Karriere ist bei ihnen schon lange nicht mehr der Mittelpunkt der Welt. Biografien wie die unserer Eltern, die nach Lehre oder Studium 30 Jahre oder mehr bei der gleichen Firma waren, gibt es immer weniger. Experten gehen davon aus, dass mit der Digitalisierung die klassischen festen Arbeitsverhältnisse wohl immer mehr verschwinden. Stattdessen gibt es künftig mehr Selbstständigkeit, mehr kurzfristige Engagements.

Wovon lebt man, wenn man die ganze Zeit unterwegs ist?

Man kann den Trend auch festmachen an der Anzahl der Coworking-Spaces, die laut Emergent Research weltweit rasant zunimmt. Das sind Einrichtungen, in denen die Digital-Nomaden arbeiten, wenn sie doch mal mehr Equipment als ihr nur Notebook brauchen. Im Jahr 2007 gab es demnach nur 14 Coworking-Spaces auf der ganzen Welt. 2016 waren es bereits rund 11.000, und im Jahr 2020 sollen es laut Prognose mehr als 26.000 sein.

Der Trend ruft sogar ganz neue Player auf den Plan. Der französische Hotelkonzern Accor hat inzwischen eine eigene Coworking-Tochter gegründet, der Anbieter Wework gehört zu den wertvollsten Start-ups der Welt.

Die Vorzüge von digitaler Selbstständigkeit und mobilem Arbeiten aufzuzählen ist eine abendfüllende Beschäftigung. Wer damit liebäugelt, seinen „Nine to Five“-Job gegen einen Arbeitsplatz unter Palmen zu tauschen, den erwarten zunächst viele Vorteile: Man kann sein eigener Chef sein, sich selbst verwirklichen, den Arbeitstag nach seinen Wünschen und Vorstellungen gestalten und dabei auch noch neue Kulturen und Sprachen kennenlernen. Doch wovon lebt man, wenn man die ganze Zeit unterwegs ist?

Ihre Aufträge bekommen die Digitalarbeiter über Plattformen im Internet. Als führender Marktplatz für Freiberufler gilt Twago, dazu kommen Gulp, Freelance.de, Das Auge, Projektwerk, 4Scotty – man könnte die Liste jetzt noch weiter fortsetzen. Typisch ist auch, dass andere Digitalnomaden einen großen Teil der Kundschaft ausmachen.

Nützliche Gadgets für Nomaden, Pendler und Radfahrer
Lumos
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Chinesische Gründer haben sich diesen Fahrradhelm ausgedacht: Er kann blinken und verfügt über Bremsleuchten, was die Sicherheit des Radfahrers im Straßenverkehr erhöhen soll. Gekoppelt wird der Helm mit dem Smartphone, für den Lenker gibt es eine kleine Fernbedienung. Preis: 179,95 Euro

(Foto: Carina Kontio)
Metier Bacon Jacket
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Als Radfahrer gut gesehen zu werden, kann im Straßenverkehr über Leben und Tod entscheiden. Mit der Beacon Jacket von Metiér sind Sie ein gutes Stück sicherer unterwegs, denn sie hat integrierte LEDs an Vorder- und Rückseite....
(Foto: Metiér)

Sicher unterwegs im Dunkeln
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Das perfekte Gadget also für die dunkleren Tage, wenn das Wetter mies und die Sicht eher schlecht ist. Die vorderen LEDs leuchten mit 160 Lumen (zum Vergleich: sehr gute Rad-Lampen haben 200 Lumen). Preis: 280 Euro
(Foto: Metiér)

Mikili Fahrrad-Regal GÎPON Walnuss
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Wer sein Fahrrad liebt, .... der hängt es ordentlich an seiner Wand auf mit dem Regal von Mikili. Dort ist es auch sicherer vor Dieben geschützt. In dem kleinen Fach können Sie das tägliche Equipment wie Schlüssel, Schloss oder Lichter praktisch verstauen. GÎPON wird in einer Sozialen Werkstatt in Berlin produziert und ist in Handarbeit entstanden. Preis: 235 Euro
(Credit: Mikili)

Ride Air
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Wenn Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln, gibt es die perfekte Lösung für schlauchlose Reifen und E-Bikes gegen einen Plattfuß. Das versprechen die Gründer von Ride Air, einem Start-up aus Israel. Die tragbare Luftkapsel reicht für circa zwei Reifenfüllungen, zeigt den Druck an und lässt sich beliebig oft wieder befüllen. Preis: 59,99 Euro

(Foto: Carina Kontio)
Hövding – der Fahrradhelm mit Airbag
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Wenn Sie sich so gar nicht mit einem Fahrradhelm anfreunden können, schauen Sie sich mal den Kragen von Hövding an. Wie ein Schal wird das Gadget aus Schweden um den Hals getragen und bei einem Sturz löst der integrierte Airbag sofort aus – und kann so Ihr Leben retten. Die Ausrede, dass die Frisur durch den Fahrradhelm zerstört wird, zählt nicht mehr. Einziger Nachteil: Wenn der Hövding einmal ausgelöst hat, dann war es das auch. Ein zweites Mal funktioniert er nicht. Der Hersteller bietet aber an, den ausgelösten Helm einzuschicken und für 50 Prozent des Neupreises einen neuen zu bekommen. Preis: ab 269 Euro

(Foto: Hövding)
Ryzon Fusion Performance
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Blinkt nicht, ist aber auch schön: Die Sportjacke des Kölner Start-ups Ryzon. Das Beste ist dem Start-up gerade gut genug, um sich unter den anspruchsvollen Ausdauersportlern durchzusetzen.

Das Label vertreibt seine Klamotten ausschließlich über den eigenen Onlineshop. Die Ware kommt hauptsächlich aus europäischer Fertigung, insbesondere aus Portugal, Litauen und Italien. Das unterscheidet Ryzon von den großen Sportkonzernen, die in riesigen Fabriken in Fernost produzieren lassen. Preis für die Fusion Jacke mit isolierender, antibakterieller Merino Wolle: 239 Euro
(Credit: Ryzon)

Es ist eine Art Kreislauf, eine Mini-Ökonomie entstanden; mit Apps, die den Online-Arbeitern das Finden von Coworking-Spaces erleichtern, Online-Coachings, Sprachkursen, E-Books und mehr. Viele von ihnen bloggen auch über ihren Lifestyle und verdienen Geld mit „Affiliate Links“.

In der Praxis bedeutet das: Man verlinkt eine Produkt oder eine Dienstleistung und erhält dann eine kleine Provision, wenn ein Besucher etwas über diesen Link bestellt. Das kann von einer Kreditkarte über eine Reisekrankenversicherung bis hin zum perfekten Handgepäckstück so ziemlich alles sein.

Vielen gefällt bei dieser ganzen Arbeitsweise am besten die Idee, mit weniger Dingen auszukommen, sich beim Unterwegssein nur auf das Wesentliche zu beschränken. Man kann schließlich nicht seinen gesamten Hausstand mitnehmen, wenn man um die Welt reist. Die meisten Nomaden haben nur Handgepäck.

Das Einkommen ist schlecht planbar und unsicher

Die schöne neue Welt wirkt verlockend. Doch es gibt eine Kehrseite, die gerne unter südlichen Sonnenstrahlen ausgeblendet wird. Skeptiker wie die namhafte Harvard-Dozentin Beth Altringer warnen: Für viele wird die Sehnsucht nach einem erfüllteren und freieren Leben nicht gestillt. Die Amerikanerin analysierte, wie sich das Leben als digitaler Nomade auf die Karriere auswirkt.

Um die wahren Lebensverhältnisse abseits traumhafter Strände auf Instagram zu beleuchten, hat Altringer mehrere hundert Fragebögen selbsterklärter Nomaden ausgewertet. Ihre Bilanz ist ernüchternd, sie sagt: „Je mehr Zeit ich mit der Auswertung verbrachte, desto stärker zweifelte ich an diesem Lebensstil.“

So zählen zu den beruflichen Schattenseiten: Es ist schwer, die Balance zu halten und immer genug Aufträge zu haben. Deshalb ist das Einkommen schlecht planbar und unsicher. Außerdem steht man ohne Team alleine da. Keinen Chef zu haben, bedeutet eben auch, dass man sich selbst weiterentwickeln und unterstützen muss.

Es gibt keinen Austausch mit Kollegen, keine Zwischenfeedbacks und anstatt einer Gehaltsverhandlung muss man selbst neue Honorare festlegen und sich dabei großteils auf die eigene Einschätzung verlassen. Ziemlich viel, gerade für junge Menschen. Dazu kommt die aufwendige Organisation von Reisen, Unterkünften und Arbeitsorten als weitere Hürde – in dieser Zeit wird nichts verdient.

Diese Nachteile können nur die Gutverdiener unter den Nomaden ausgleichen. So wie Conni Biesalski aus Donauwörth, die ihren Job in einer Berliner PR-Agentur kündigte. Seit über sechs Jahren arbeitet sie mal in Los Angeles, mal auf der Insel Bali. Sie betreibt den erfolgreichen Blog planetbackpack.de, testet Rucksäcke und andere Produkte, über die sie dann schreibt, gibt Online-Workshops, Yoga- und Surf-Kurse und hält Vorträge auf Kongressen.

Die 34-Jährige ist der Star in der Szene und macht kein Geheimnis um ihr Einkommen: Sie verdient zwischen 6000 und 10000 Euro brutto im Monat. 2000 Euro zahlt Biesalski im Jahr für ihre private internationale Krankenversicherung, außerdem legt sie Geld für ihre private Altersversorgung zurück.

Wer so leben will, braucht viel Disziplin

Der Großteil der Nomaden fällt aber nicht in diese Kategorie. Im Durchschnitt verdienen die von der Harvard-Forscherin Altringer untersuchten Globetrotter mit dem Notebook im Gepäck gerade 1000 Dollar im Monat. Viele können damit zwar ein Leben in Niedriglohnländern wie Thailand finanzieren, kommentiert Altringer, „aber nur wenige sorgen für die Zukunft vor.“

Wer so leben will, braucht also viel Disziplin. So manche Nomaden sind nach einigen Monaten ernüchtert heimgekehrt, weil das Geld nicht reichte, sie unterwegs einsam oder krank geworden sind und dann doch lieber in einer deutschen Klinik behandelt werden wollen. „Das ist nicht alles Kokosnuss und Cocktails hier“, schreibt eine andere Nomadin in ihrem Blog. „Man kann so weit weg von Familie und Freunden schnell zum Workaholic werden.“ Und Conni Biesalski räumt in einem Zeitungsinterview ein: „Ich kenne Leute, die haben einen regelrechten Reise-Burnout entwickelt.“

Nicht zufällig sind es junge Leute, die ohne Kinder und in wechselnden Beziehungen als digitaler Nomade leben. Und sie haben oft nur ihr Projekt im Kopf, das alle Gespräche dominiert und Beziehungen zerstören kann.

Auffällig ist: Von den prekären Verhältnissen, in denen viele von diesen Freiberuflern leben, wird in all den Blogbeiträgen wenig erzählt. Stattdessen verbreiten die jungen Vagabunden eher unkritisch eine digitale Aufbruchstimmung - bis irgendwann die Ernüchterung einsetzt.

Eike Wenzel ist Leiter des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung in Heidelberg und betrachtet die digitalen Nomaden als Mode-Erscheinung. In einer Phase zwischen 20 und 30 Jahren könne man sich noch mal gut eine Auszeit vom Erwachsensein nehmen, sagt er in der „Augsburger Allgemeinen“. Themen wie Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit würden dann an oberster Stelle stehen. „Spätestens, wenn die Familienplanung und die Rush-Hour des Lebens beginnen, kommen andere Bedürfnisse auf“, meint Wenzel. Etwa das Bedürfnis nach Verortung: ein Ort, an dem man bleiben will, ein Zuhause.

Das hat auch die moderne Nomadin Conni Biesalski beobachtet. „Entweder gehen die Leute nach einer bestimmten Phase wieder zurück, weil der Lifestyle auf Dauer nichts für sie ist, oder sie werden langsamer und sesshaft.“

Unterm Strich hat die Arbeitsform der digitalen Nomaden ohne Zweifel ihre Vor- und Nachteile. Welche Arbeitsform für jeden persönlich die Richtige ist, hängt stark vom Naturell ab. Man muss auch gar nicht sofort alles hinter sich lassen. Man kann auch von Berlin oder Frankfurt aus einen Job haben, der es einem erlaubt, im Winter zwei Monate in Kapstadt zu leben.

Wenn ich ehrlich sein soll: Mir ist die Variante am liebsten, bei der ich als normale Angestellte als digitale Nomadin leben kann. Sozusagen die Light-Version, bei der ich ab und zu innerhalb von Deutschland unterwegs bin, einige Tage von zu Hause aus arbeite und trotzdem noch ins Büro fahren kann, wenn ich das möchte.

Keine Visa-Sorgen, ein festes, monatliches Einkommen, bezahlter Urlaub und in der Nähe meiner Freunde und Familie, die mir Nestwärme geben. Na ja, und vielleicht bin ich mit 39 auch einfach schon zu alt für diesen heimatlosen Lifestyle.

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