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Rolemodel Anja Hendel Leiterin des Porsche Digital Lab: „Zufriedenheit ist kein Zufallsprodukt“

Anja Hendel ist verliebt - in Daten, Blockchain und Künstliche Intelligenz. Seit 2017 ist es ihr Job, für frischen Wind beim Sportwagenbauer Porsche zu sorgen.
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Das Porsche Tech Labor, das Hendel leitet, ist eine Plattform für die Kooperation mit Technologieunternehmen, Start-ups sowie wissenschaftlichen Institutionen. Quelle:  privat
Anja Hendel

Das Porsche Tech Labor, das Hendel leitet, ist eine Plattform für die Kooperation mit Technologieunternehmen, Start-ups sowie wissenschaftlichen Institutionen.

(Foto:  privat)

Düsseldorf Anja Hendel macht den Autobauer Porsche fit für die Digitalisierung: Seit Oktober 2017 leitet die Wirtschaftsinformatikerin das Porsche Digital Lab und soll dort mit Innovationen wie Künstlicher Intelligenz, Blockchain oder Mixed Reality für frischen Wind bei dem schwäbischen Traditionsunternehmen sorgen.

Davor war die Diplom-Wirtschaftsinformatikerin ab 2015 Assistentin des Finanzvorstands bei Porsche und seit 2013 verantwortlich für IT-Portfolio und -Strategie. Vor ihrem Wechsel zu Porsche verantwortete sie ab 2007 diverse Abteilungen, darunter „SAP Services“ und „IT Projekt Portfolio“ beim damaligen Pharmagroßhändler Celesio – heute bekannt unter dem Namen McKesson Europe.

Zuvor war die Digitalexpertin insgesamt sechs Jahre bei der Stuttgarter Unternehmensberatung Capgemini Deutschland tätig. Im Interview spricht sie über frühe Hobbys und Talente, Fehler, die sie gerne vermieden hätte und ihre größten Produktivitätskiller.

Liebe Frau Hendel, welche Hobbys hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
Das waren eine ganze Menge – ich habe bereits von klein auf sehr viel Sport gemacht. Über Ballett, Voltigieren und den Modernen Fünfkampf bin ich schließlich beim Springreiten gelandet. Das hat mich einerseits in meinem Verantwortungsbewusstsein gestärkt und andererseits meine Fähigkeit verbessert, konstruktives Feedback schnell umzusetzen. Außerdem hat mich diese Phase gelehrt, wie man täglich mehrstündiges Training mit Schule und Freizeit unter einen Hut bekommt. Das prägt mein Zeitmanagement im Berufskontext bis heute.

Im Rückblick: Was hat dazu geführt, dass Sie richtig gut geworden sind darin? Was haben Sie getan oder gelassen?
Grundsätzlich bin ich der festen Überzeugung, dass man nie damit aufhören sollte, dazu zu lernen. Es ist ein permanenter Prozess, der für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung enorm wichtig ist. Darüber hinaus gehört aber auch eine gesunde Mischung aus Mut, Verantwortungsbewusstsein und unerschütterlicher Neugierde dazu. Ich habe keine Angst davor, dass etwas schief gehen könnte. Das gibt mir eine gewisse Gelassenheit und auch den Raum, über mich selbst lachen zu können. Außerdem habe ich mich in meiner beruflichen Laufbahn stets mit Menschen umgeben, die mich gestärkt und in meiner Weiterentwicklung nie ausgebremst haben.

Wie fängt Ihr Tag an?
Im Idealfall mit Sport; ich habe einen großen Bewegungsdrang. Wenn ich morgens eine Runde laufen war, ein paar Bahnen geschwommen oder mich eine Stunde beim Yoga bewegt habe, starte ich viel zufriedener und ausgeglichener in den Tag.

Was machen Sie morgens als erstes im Büro?
Mein ‚Bürotag‘ startet meistens schon auf dem Weg dorthin. Morgens telefoniere ich häufig mit Kollegen – zu diesem Tageszeitpunkt hat man oft noch mehr Ruhe für einen intensiveren Austausch. Im Büro selbst gibt es dann erst einmal eine Tasse grünen Tee.

Was sind Ihre Stärken? Beziehungsweise: Was würden Ihre alten Kollegen oder Ihr alter Chef sagen auf die Frage, was Sie auszeichnet?
Wenn ich an meine Stärken denke, hat sich vor allem eine Aussage bei mir eingeprägt, die von meinem Team stammt. Wir hatten eine sehr turbulente und stressige Phase hinter uns gebracht und meine Kollegen haben sich bei mir dafür bedankt, dass ich für sie ein Fels in der Brandung gewesen sei und mein Optimismus ihnen dabei geholfen habe, zuversichtlich und motiviert zu bleiben. Meinem Umfeld eine Unterstützung sein zu können und Sicherheit in unsicheren Zeiten geben zu dürfen, ist für mich ein täglicher Ansporn.

Zufriedenheit ist kein Zufallsprodukt, sondern wird vor allem selbst bestimmt. Anja Hendel

Was können Sie besser als alle anderen im Team?
‚Besser‘ ist ein Wort, das ich in Bezug auf mein Umfeld nicht gerne verwende. Ich glaube fest an die Innovationskraft und den Erfolg von Teams, die aus vielen verschiedenen Charakteren bestehen. Es geht nicht darum, wer was am besten kann, sondern darum, die unterschiedlichen Perspektiven und Stärken zusammenzubringen und gemeinsam etwas zu schaffen, wozu niemand von uns alleine im Stande gewesen wäre.

Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind?
Das ist in einem Workshop mit meinem Team, bei dem wir gegenseitig einander zuhören, uns inspirieren, Lösungsideen skizzieren, wild diskutieren, Ansätze hinterfragen und vor allem viel gemeinsam lachen.

Wenn Sie Leiter der Bill und Melinda Gates Foundation wären, die finanziellen Mittel jedoch nur für ein einziges Anliegen verwenden könnten, welches wäre es?
Ich würde mich vor allem auf die Verbesserung der Bildung konzentrieren. Das beinhaltet für mich vor allem Aufklärung, Verbreitung von Wissen und Angebote zur Weiterbildung. Ich bin der festen Meinung, dass Wissen für alle der Schlüssel zu einer besseren Welt ist – und dass wir vor allem neue Technologien verstehen müssen, wenn wir die Zukunft prägen wollen.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, Kolleginnen und Kollegen) in schwierigen Situationen, indem…?
... ich sie stets wertschätze – auch und gerade als Menschen und nicht nur als Kollegen.

Ein No-Go im Umgang mit Mitarbeitern ist für mich…?
… mangelnde Wertschätzung. Ich betrachte jeden meiner Kollegen als vollwertiges Teammitglied und viel wichtiger: als eigenständige Persönlichkeit mit all ihren Talenten, Schwächen, Fähigkeiten, Erfahrungen und Herausforderungen.

Wenn Sie ein Buch schreiben müssten: Wovon würde es handeln?
Da mich beide Themen schon lange beschäftigen und seither in ihrer Komplexität, Besonderheit und Schönheit begeistern, ginge es in meinem Buch um Diversität und Software-Entwicklung. Vielleicht würde es die Auswirkungen von vielfältigen Teams auf die entwickelte Software behandeln, vielleicht wäre es aber auch eher ein Kinderbuch, das von einer charakterlich ganz unterschiedlichen Clique handelt, die gemeinsam ein intelligentes Superprogramm schreiben.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar und welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?
Da ich national und international sehr viel unterwegs bin und dementsprechend häufig mobil arbeite, ist mein wichtigstes Arbeitsmittel aktuell mein Smartphone. Unter meinen Top drei genutzten Apps sind Microsoft Teams für die schnelle Kommunikation mit den Kolleginnen und Kollegen, Twitter für tägliche News und interessante Berichte aus dem Technologieumfeld sowie die Online-Plattform Swoot für meine nicht endende Podcast-Liebe.

Negative Dinge, die von außen an uns herangetragen werden, können wir nicht ändern; was wir aber ändern können, ist unsere Perspektive darauf. Anja Hendel

Inspirierende Newsletter, Podcasts oder Webseiten?
An dieser Stelle möchte ich den Podcast „Should this exist?“ von Caterina Fake empfehlen. Caterina ist Gründerin von Flickr, Investorin und sehr inspirierend. In jeder Folge lädt sie außergewöhnliche Pioniere und kluge Köpfe ein, um mit ihnen über Technologien und ihre Auswirkungen auf uns zu hinterfragen und zu diskutieren. Wenn man sich wie beispielsweise mein Team und ich im Porsche Digital Lab jeden Tag mit neuen Technologien und deren Chancen und Einsatzmöglichkeiten beschäftigt, ist es wichtig, die Risiken nicht aus dem Blick zu verlieren. Dieser Podcast macht das auf eine ganz besondere Art und Weise.

Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Das ist mein wichtigstes Arbeitsmittel und gleichzeitig mein größter Störfaktor: das bereits erwähnte Smartphone. Obwohl ich sämtliche Push-Nachrichten abgeschaltet habe, ertappe ich mich immer noch viel zu oft dabei, wie ich in meine nicht endende E-Mail-Flut und soziale Medien versinke.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an Kolleginnen und Kollegen für Gehaltsverhandlungen?
Meiner Meinung nach gilt es grundsätzlich, in Gehaltsverhandlungen aus seiner Komfortzone herauszugehen und die eigenen Punkte und Forderungen verständlich und transparent zu machen. Mutig seinen Standpunkt zu kommunizieren – das hilft. Oft hängen Gehälter ja an Positionen. Hier hilft es deutlich zu kommunizieren, dass man diese auch gerne einnehmen würde. Wenn es trotzdem nicht klappt: ansprechen, was einem noch fehlt, um sich in diese Position zu entwickeln. Dann wird es greifbar und man kann an seiner Weiterentwicklung aktiv arbeiten.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Ich bin nach dem Platzen der Dotcom-Blase bei einer Unternehmensberatung gestartet. Es gab leider keine langfristigen Projekte, ich habe daher alle drei Monate das Projektteam gewechselt. Das war einerseits ziemlich anstrengend, andererseits habe ich aber auch sehr viel gelernt und mir schnell ein vielseitiges Netzwerk innerhalb der Firma aufgebaut. Davon konnte ich die darauffolgenden Jahre sehr profitieren. Ich wusste, dass ich bei Herausforderungen stets um Rat fragen konnte und wurde selbst für interessante Fragestellungen und Projekte kontaktiert. Der größte Vorteil ist für mich, vor allem auf unterschiedliche Erfahrungsschätze und Sichtweisen zurückgreifen zu können sowie Wissen und Erfahrungen mit anderen Menschen teilen zu dürfen.

In Konfliktsituationen bin ich…?
… optimistisch, dass wir eine gute Lösung finden.

Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend gerne verzichtet?
Um ehrlich zu sein, auf keine. Fehlentscheidungen gehören einfach zum Leben dazu, jeder macht welche. Ein guter Freund sagte einmal zu mir: Jede Entscheidung ist eine gute Entscheidung. Wichtig ist es vor allem, Entscheidungen zu treffen und aus ihnen zu lernen.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Das wäre wahrscheinlich Unternehmerin. Ich komme aus einer Unternehmerfamilie. Oft werde ich von meinen Freunden angesprochen, warum ich nicht unternehmerischer tätig bin. Aber wer weiß – mein Großvater hat im Alter von 60 Jahren noch einmal gegründet, bis dahin habe ich noch ein paar Jahre vor mir.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Change it or leave it. 40 Prozent der Lebenszufriedenheit liegt an der eigenen Haltung – das ist kein geringer Anteil. Wenn ich also merke, dass ich unglücklich bin, muss ich mir ganz bewusst die Frage stellen, was mich unzufrieden macht und wie ich das ändern kann. Zufriedenheit ist kein Zufallsprodukt, sondern wird vor allem selbst bestimmt. Negative Dinge, die von außen an uns herangetragen werden, können wir nicht ändern; was wir aber ändern können, ist unsere Perspektive darauf. Manchmal ist eben das Hindernis der Weg.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
Du machst das, weil ich es Dir sage!

Anderen Chefs würde ich gerne sagen...?
Traut euch, mehr Diversität in eure Teams zu bringen. Werdet aufmerksam, schaut euch um und fragt euch: Bildet mein Team mit ihren Perspektiven alle Bedürfnisse unserer Kunden ab? Manchmal mag die Arbeit durch die vielen Sprachen, Hintergründe und kulturellen Unterschiede durchaus aufwendiger sein, aber sie ist gleichzeitig auch viel lehrreicher, lustiger, effektiver und erfolgreicher.

In den kommenden drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
Es klingt wie ein kleines Ziel, ist für mich aber oft immer noch eine große Herausforderung: Öfter ‚nein‘ zu sagen, um mehr Fokus auf die wichtigen Dinge legen zu können.

Wie schalten Sie abends ab und wann gehen Sie ins Bett?
Ich beschäftige mich seit einigen Wochen intensiver mit dem Thema Schlafen. Bisher habe ich die Wichtigkeit von ausreichend gutem und gesundem Schlaf absolut unterschätzt und ihn oft vernachlässigt. Mittlerweile ‚tracke‘ ich sogar meine Schlafphasen und komme bewusst abends eher zur Ruhe. Besonders dann versuche ich, blaues Licht zu vermeiden und mit einem Podcast oder einem guten Buch runterzukommen.

Frau Hendel, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr: Dossier zum Download. Rolemodels – Wie erfolgreiche Frauen denken und handeln.

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