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Rolemodel Natascha Zeljko: „Besser in den Wald gehen als durchdrehen“

Gemeinsam mit der Digital-Pionierin Tijen Onaran gründete Natascha Zeljko die neue Diversity-Plattform „FemaleOneZero“. Was dahinter steckt, wie sich die Jung-Unternehmerin motiviert und was sie stolz macht.
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Mitgründerin und Chefredakteurin von „FemaleOneZero“. (Foto: Urban Zintel)
Natascha Zeljko

Mitgründerin und Chefredakteurin von „FemaleOneZero“.
(Foto: Urban Zintel)

Bonn Natascha Zeljko, studierte Germanistin und Politikwissenschaftlerin, ist Mitgründerin und Chefredakteurin von „FemaleOneZero“, einer Online-Plattform, die sich mit Themen wie Diversity, Digitalisierung und Female Empowerment beschäftigt. Gegründet hat sie die Content-Webseite zusammen mit der Digital-Pionierin Tijen Onaran, die wiederum Gründerin von „Global Digital Woman“ (GDW) ist, Europas größtem Frauennetzwerk.

Davor arbeitete Zeljko, nach diversen journalistischen Stationen unter anderem im Corporate-Publishing-Bereich, 13 Jahre lang bei der Frauenzeitschrift „myself“, zuletzt als stellvertretende Chefredakteurin. Dort verantwortete sie Sonderformate wie den „Digital Female Leader Award“ (#DFLA19), der gemeinsam mit den GDW vergeben wird und Frauen in der Digitalbranche auszeichnet. Der Award zählt zu den bedeutendsten Preisen, die in der Digitalwirtschaft vergeben werden.

Liebe Natascha, Sie sind Chefredakteurin von „FemaleOneZero“ – was genau bedeutet eigentlich der Titel der Webseite?
Das werden wir oft gefragt und das ist auch immer ein guter Gesprächs-Opener. Das „One“ und „Zero“ in unserem Namen stehen für den binären Code – Null und Eins, Eins und Null. Das soll unsere digitale DNA widerspiegeln. Digitalisierung ist neben Female Empowerment und Diversity eine unserer drei thematischen Säulen.

Welches Geschäftsmodell steckt konkret dahinter und wer ist Ihre Zielgruppe?
Eines unserer Geschäftsmodelle ist zum Beispiel unsere neue, integrierte Recruiting-Plattform, die technisch mit Google Jobs kompatibel ist. Wir bieten Unternehmen die Möglichkeit, passgenau ihre Zielgruppe zu erreichen: Gut ausgebildete Frauen mit einem digitalen, internationalen Mindset, die sich für alle Themen rund um Career, Diversity und New Working Environment begeistern – und auch selbst dafür stehen. Das Besondere an FemaleOneZero (F10) ist das Involvement. Die Leserinnen werden bei F10 gleichzeitig zu Protagonistinnen der Geschichten, die wir erzählen. Darüber hinaus planen wir Events, Awards, den Ausbau bestehender Contentpartnerschaften und innovative Community-Formate.

Zugegeben: Wenn ich das so höre, werde ich als Journalistin, die hier beim Handelsblatt genau diese Themen verantwortet und neben dieser Rolemodel-Serie auch das Businessnetzwerk Leader.In mit initiiert hat, traurig... Was machen wir klassischen Medien falsch bei diesem Thema?
Ich finde, dass Sie beim Handelsblatt vieles richtig machen. Dieses Interview-Format und Ihr Leader.In-Engagement spricht doch gerade für Relevanz! Andererseits finde ich, dass klassische Medien – allen voran Frauenmagazine – durchaus Chancen verpasst haben, eine adäquate Antwort zu finden auf den Themen- und Kulturwandel. Man kann nicht dämliche „Wie gefalle ich ihm im Bett“-Artikel groß featuren auf dem Cover und gleichzeitig die gläserne Decke durchbrechen. Pardon me, aber Blowjob neben Superjob ist nicht besonders glaubwürdig – man kann nicht sexuelles Objekt und Karriere-Subjekt sein.

Mit Ihren Workshops und dem Community-Ansatz erinnert mich das Konzept an die „gescheiterte“ Female Future Force Academy der Businessplattform Edition F – was machen Sie anders oder besser? Worin sind Sie erfolgreicher?
Das ist eine Frage, die ich immer schwierig finde. Ich fände es vermessen und übergriffig, das zu bewerten. Als Neu-Unternehmerin schmerzt mich jedenfalls immer zu sehen, wenn etwas nicht gelingt. Erfolg spornt an, auch der Erfolg von anderen. Was ich für uns sagen kann: Wir haben eine ganz klare Fokussierung auf das Thema Diversity und Karriere, das Ganze mit einem globalen, internationalen Setting.

Sprechen wir über Sie persönlich. Wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Groß. Und anders. Ich wollte immer raus aus der schwäbischen Provinz, in der ich aufgewachsen bin. Ansonsten, wie alle kleinen Mädchen: Tierärztin.

Welche Hobbys hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
Ich hatte immer ein Hobby, das nicht so richtig unter Hobby läuft: lesen. Ich habe buchstäblich die Stadtbibliothek unserer Kleinstadt leergelesen.

Welche Hobbies haben Sie heute? Was begeistert Sie daran?
Laufen gehen. Hallo, #twitterlaufgruppe! Wobei das gerade ruht, weil unruhige Zeiten. Ansonsten laufe ich auch sehr gerne Berge hoch (lieber als runter). Und mein Jagdhund Luke: Der ist Hobby, Auszeit, Therapie.

Was tun Sie für Ihre Gesundheit? Wie lange schon?
Laufen (hoffentlich bald wieder), Radfahren, Waldspaziergänge. Es gab mal so eine lustige Headline in „myself“, bei der ich 13 Jahre gearbeitet habe: „Besser in den Wald gehen als durchdrehen“.

Gibt es etwas in Ihrem Leben, dass Sie aus Angst gemieden haben, und es nun bereuen?
Nein.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Ich bin ein großer Merkel-Fan. Ich habe sie zweimal zum Interview getroffen. Highlight meiner Karriere. Ich vermisse sie jetzt schon.

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Machen und weitermachen. Aus dem Tun ergeben sich Chancen.

Was würden Ihre alten Kollegen / Ihr alter Chef sagen auf die Frage...
... was Sie auszeichnet?
Engagement, Resilienz und Loyalität. Auf der Soft-Skill-Seite.

... was Sie besser können als alle anderen im Team?
Texte schreiben und veredeln. Wie langweilig. Aber auch (zumindest war das Thema im Abschiedsvideo von „myself“) das Team zusammenzuhalten und ein offenes Ohr für sie zu haben.

... was Ihnen schwer fällt?
Harte Schnitte.

Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind.
Spannende Begegnungen, großartige Interviews. Davon habe ich so viele, dass es die schwierigen Zeiten, die so eine Neugründung mit sich bringt, mehr als aufwiegt. Der unbekannte Himmel ist manchmal die Hölle, aber immer noch: ein Himmel.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Ich könnte sagen, was auf keinen Fall: Botanikerin, Patisière, Immobilienmaklerin.

Was gibt Ihnen Energie im Arbeitsleben?
Neue Perspektiven, Insights, und, leider schrecklich abgenutztes Wort: Purpose.

Was frustriert Sie und ist Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Wenn die Technik streikt.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar und welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?
Smartphone, Laptop, LinkedIn, Twitter. Und hoffentlich Hirn.

Inspirierende Newsletter, Podcasts oder Webseiten?
Gabor Steingarts Morning Briefing. Ich bin nicht immer seiner Meinung, aber diese Brillanz im Denken, Schreiben und Provozieren macht mir großen Spaß. Podcasts: Tijen Onarans „How to hack“ – und das ausdrücklich nicht, weil sie meine Co-Founderin ist, sondern weil sie weiß, wie man Menschen öffnet. Das ist ein Riesen-Talent! Ich mag auch „Zeit“ Verbrechen, das ist so ein Guilty-Pleasure-Thema. Warum werden Menschen zu Verbrechern? Und Webseiten, das Übliche. Spiegel, Zeit. Sehr gerne auch Guardian.

Was macht Sie stolz?
Wenn Dinge gelingen. Wen nicht?

Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-) Ergebnisse der letzten drei Jahre?
Die Gründung von „FemaleOneZero“. Und Nummer zwei und drei würde ich auch großzügig darunter subsumieren. Ansonsten, es geht ja nicht nur um Arbeit: anständig bleiben.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, KollegenInnen) in schwierigen Situationen, indem…
… ich zuhöre.

Angenommen, eine Kollege/in oder Mitarbeiter/in denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
„FemaleOneZero“ lesen. Und Wasser aufsetzen. Weil alle nur damit kochen.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Vermehrt Kuchen essen. Dann denken: Ich bin doch gar kein Kuchen-Typ. Und dann, leider, preußische Erziehung durch slowenische Eltern, trotzdem weitermachen. Und dann: Irgendwann doch kündigen.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
Common sense: weil ich das so will. Ich finde aber, man darf das durchaus sagen. Auch als gute Führungskraft. Wenn man mit Argumenten nicht durchdringt und ständig alles in Frage gestellt und diskutiert wird. Wahrscheinlich hat man dann aber beim Recruiting einen Fehler gemacht.

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
Großzügig Verhandlungsmasse draufschlagen. Und sich den unangenehmsten Kollegen, mit dem man je zu tun hatte, vorzustellen, wie er auf dicke Hose macht. Na?

Verbündete und Mentoren finden Sie, indem...
... Ich bin da keine Expertin, habe aber einen Top-Mentor gefunden, indem ich einen meiner engsten Verbündeten gefragt habe.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Es ist die Summe, verteilt auf die vielen Supporter. Das trägt einen irre weit!

In den nächsten drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
Sehr gut schlafen.

Liebe Frau Zeljko, ich danke Ihnen für das inspirierende Gespräch.

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