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Rolemodel Petra von Strombeck Neue Xing-Chefin: „Geduld ist nicht gerade meine größte Tugend“

Sie kommt von Lotto24 und wird Chefin beim Karrierenetzwerk: Petra von Strombeck verrät im Interview, wer ihre Vorbilder sind und was sie bei der Arbeit nervt.
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Die Managerin wird die neue Vorstandsvorsitzende der New Work SE (vormals Xing). Quelle: New Work SE
Petra von Strombeck

Die Managerin wird die neue Vorstandsvorsitzende der New Work SE (vormals Xing).

(Foto: New Work SE)

Bonn Noch ist sie Vorstandsvorsitzende beim Glücksspielanbieter Lotto24, doch ab Mai 2020 wird Petra von Strombeck im Chefsessel des Internetkonzerns New Work Platz nehmen. Der Betreiber des Karriereportals Xing nannte zuletzt im Geschäftsbericht noch ganz unverblümt als Ziel für den Frauenanteil im Vorstand „null Prozent“.

Strombeck, seit 2012 bei Lotto24, hinterlässt dort eine Erfolgsbilanz: Die Marktkapitalisierung des Unternehmens hat sich in ihrer Amtszeit mehr als verzehnfacht. Die Diplom-Kauffrau verfügt über fundierte Kenntnisse in der deutschen Internetwirtschaft.

Zuvor war die 50-Jährige unter anderem als Geschäftsführerin von Serpie tätig, einer französischen Tochtergesellschaft von Tchibo, als Leiterin E-Commerce bei Tchibo direct. Bei Premiere, nunmehr Sky Deutschland, führet sei drei Jahre den Bereich Advertising. Von Strombeck hat an der Ecole des Affaires de Paris sowie in Oxford und Berlin Betriebswirtschaftslehre studiert.

Im Interview berichtet die Top-Managerin, was sie anderen Frauen bei der Gehaltsverhandlung rät, worauf sie stolz ist und wann sie bei der Arbeit in einen Flow-Zustand kommt.

Frau von Strombeck, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Natürlich. Bei mir war es der ganz klassische Traum vieler kleiner Mädchen: Tierärztin.

Welche Hobbys hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
Sport in jeder Facette. Allerdings lag mein Fokus auf Reiten und der Arbeit mit Pferden.

Welche Hobbys haben Sie heute? Was begeistert Sie daran?
Der Sport ist mir geblieben, egal ob Laufen, Trekken, Bladen, Squash oder Skifahren. Das ist ein schöner Ausgleich zum Bürojob. Was ich früher schrecklich fand, aber heute liebe, ist das Gärtnern. Das ist meine Art der Meditation.

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
Ich achte auf eine einigermaßen gesunde Ernährung – aber nicht sklavisch: Genuss muss sein und Sünden sind erlaubt. Ansonsten bin ich überzeugt, dass neben dem Sport auch Glück und Zufriedenheit sowie ein gutes Netzwerk aus Freunden und Familie wesentlich zur Gesundheit beitragen.

Gibt es etwas in Ihrem Leben, das Sie aus Angst gemieden haben und es nun bereuen?
Nein, nichts. Ich bin kein ängstlicher Mensch.

Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
Es gibt gar nicht wirklich eine einzige Person. Ich bewundere unterschiedliche Menschen für unterschiedliche Dinge: beispielsweise Angela Merkel für Ihre Ruhe, Kompetenz und Zähigkeit im turbulenten politischen Betrieb. Oder große Unternehmer wie Bill Gates, die etwas erschaffen, das die Welt geändert hat. Oder Menschen, die ihr Leben sozialen Projekten widmen.

Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
Es ist zwar nicht direkt ein Antriebsmotto, aber „Love it, change it or leave it.“ entspricht meiner Philosophie am besten. Ich reflektiere meine Situation und bin nicht gewillt auszuharren, wenn mir etwas nicht passt, sondern gehe aktiv in den Veränderungsmodus.

Was würden Ihre alten Kollegen/Ihr alter Chef sagen auf die Frage...
... was Sie auszeichnet?
Mein hohes Energielevel und meine Dynamik.

... was Sie besser können als alle anderen im Team?
Auf Menschen eingehen und sie motivieren.

... was Ihnen schwer fällt?
Geduld ist nicht gerade meine größte Tugend.

Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind?
Kurz vor dem Abschluss eines Projektes in einem funktionierenden Team: Es ist hektisch. Alle sind unter Hochdruck. Die letzten Hindernisse müssen aus dem Weg geräumt werden. Alle leisten ihren Beitrag, um gemeinsam anzukommen – und dann wird der Erfolg eingefahren.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
Viele, solange sie mit Menschen zu tun haben.

Was gibt Ihnen Energie im Arbeitsleben?
Die Interaktion mit Menschen. Also eigentlich fast alles an einem normalen Arbeitstag.

Was frustriert Sie und ist Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
Repetitive, langweilige Tätigkeiten.

Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar, und welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?
Mein Smartphone – wie ja für fast jeden. Kommunikations-, Recherche-, Orga- und News-Tool, alles in einem Gerät. Wunderbar. Ich nutze neben Mail und Messenger-Apps auch gerne die unterschiedlichsten Presse-Apps – und, nicht überraschend, natürlich Xing (lacht).

Was macht Sie stolz?
Gemeinsame Erfolge mit einem Team.

Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-) Ergebnisse der letzten drei Jahre?

Erstens: Die Vervielfachung des Börsenwertes der Lotto24 AG und der Breakeven in 2017. Zweitens: Ein Kununu-Score von durchschnittlich 4,6 von 5 für Lotto24. Drittens: Ein begeistertes Team, das für die Firma durchs Feuer geht.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, Kolleginnen und Kollegen) in schwierigen Situationen, indem…
… ich mir Zeit nehme, zuhöre und Hilfe zur Selbsthilfe gebe.

Angenommen, eine Kollegin oder Kollege denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
Ein Coaching, um das Selbstwertgefühl zu steigern. Einen Blick auf bisher Erreichtes und den Beitrag des Kollegen oder der Kollegin dazu.

Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun Sie?
Überprüfen, was ich an den Rahmenbedingungen ändern kann – ansonsten wechseln. Ganz im Sinne von „Love it, change it or leave it“.

Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
„Das lernst Du nie.“

Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
Vorher Fachargumente sammeln, zum Beispiel Gehaltsbandbreiten. Und gerne direkt mit einer satten Forderung beginnen, nicht zu bescheiden sein.

Verbündete und Mentoren finde ich, indem...
…ich offen auf Menschen zugehe und transparent kommuniziere. Und natürlich durch Leistung, die man – gerade als Frau – auch gerne zeigen und für sich vermarkten darf. Oftmals reicht es leider nicht zu hoffen, dass man schon gesehen wird.

Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
Der aktuellste: Für meinen neuen Job bei New Work haben sieben Leute aus meinem Netzwerk Referenzen für mich abgegeben.

In den nächsten drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
Dank der unmittelbar bevorstehenden neuen beruflichen Herausforderung werde ich in sehr kurzer Zeit extrem viel lernen – und freue mich sehr darauf: Neues Geschäftsmodell, komplexere Strukturen, neue Menschen und Teams. Ich werde unter anderem testen müssen, inwiefern das skaliert, was bisher in meinem Berufsleben funktioniert hat, und wo ich vielleicht umdenken muss.

Frau von Strombeck, vielen Dank für das Interview.

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