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„Bei einem kleineren Mittelständler ist es immer so, dass der Chef sieht, was getan wird.“

(Foto: PR)

Sabine Herold im Mindshift-Podcast Delo-Chefin: „Wenn ich alles selbst entscheiden muss, werden wir hier nie wachsen“

Beim Klebstoffhersteller Delo tüfteln Experten oft jahrelang an der Produktformel. Das Wichtigste für Eigentümerin Sabine Herold: Spaß an der Arbeit.
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Bonn Sabine Herolds Firma Delo kennt eigentlich kaum jemand so richtig. Dabei hat vermutlich jeder ein Produkt des Klebstoffherstellers in der Tasche: Handys, Kameras und Kreditkarten werden mit Kleber von Delo hergestellt. Sogar in Flugzeugen oder Parfumflakons ist der Klebstoff verbaut.

Auch als Hidden Champion im Mittelstand ist es nicht selbstverständlich, gute Bewerber zu bekommen. Denn die Zentrale hat ihren Sitz in Windach – und gegenüber großen Konkurrenten wie dem Düsseldorfer Dax-Konzern Henkel oder Sony aus Japan ist der Mittelständler aus dem bayerischen Voralpenland geradezu winzig.

Delo kooperiert daher eng mit den umliegenden Schulen, Hochschulen und Universitäten, um sich schon ganz früh bei den jungen Leuten als Arbeitgeber attraktiv zu machen. Sabine Herold: „Ich sage immer: Wenn die bei uns wieder in Rente gehen, ist mir das sehr recht.“ Die ausführliche Antwort gibt die Chemieingenieurin in der neuen Folge des Handelsblatt Podcast Mindshift.

Besonders ist vor allem, wie viel Spielraum die Unternehmerin ihren Mitarbeitern gibt, um kreativ arbeiten zu können. „Spinnerzeit“ nennt sie das. Zehn bis 15 Prozent seiner Arbeitszeit darf jeder Mitarbeiter darauf verwenden, sich außerhalb aller konkreten Projekte ganz eigene Gedanken zu machen.

„Ich bin ja nicht, dumm! Wenn ich die klugen Leute möglichst viel alleine entscheiden lasse, dann multipliziere ich doch die Schlagkraft hier im Unternehmen“, betont die Ingenieurin. „Wenn ich alles selbst entscheiden muss, dann werden wir hier nie wachsen.“

Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen: Metalletiketten werden inzwischen mit Delo-Produkten auf gläserne Parfum-Flakons geklebt, Stahlscharniere auf Glastüren, Mikrofone und Sensoren in Metallgehäusen befestigt – sogar im neuen Elektroflitzer i3 von BMW halten die verschiedenen Komponenten mit den Klebern aus Windach zusammen.

Vor allem auf ihre Mitarbeiter ist Sabine Herold stolz: „Ich setze darauf, möglichst viele Freiheitsgrade zu lassen und dafür ist es wichtig, dass ich die richtigen Leute einstelle. Das ist der Schlüssel – die richtigen und diese Leute dann machen lassen. Und wenn sie da dann Bock drauf haben, dann machen sie das auch richtig gut.“ Alle fünf Jahre verdoppelt sich das Unternehmen in Umsatz und Mitarbeiterzahl.

Aktuell zählt Delo 156 Millionen Euro Umsatz und 780 Beschäftigte – alle wurden von Herold selbst ausgewählt. Es hat seinen Grund, dass sie jeden Einzelnen kennenlernen mag. Die neuen Leute sollen unbedingt ins eingespielte Team passen.

„Wir brauchen nicht nur Leute, die fachlich sehr gut ausgebildet sind, sondern die auch menschlich gut zu uns passen“, sagt Herold. „Wir suchen einfach auch Kollegen, die sich gerne unterhalten. Ich sage immer: Ich habe lieber zehn Stunden Spaß am Tag, als dass ich mich zehn Stunden ärgere.“

Die sorgfältige Auslese führe bei Delo vor allem auch zu einem aufgeschlossenen und fröhlichen Betriebsklima. „Wenn hier einer durch den Gang geht und der pfeift...also ich pfeife ja nicht, wo ich mich unwohl fühle. Ich pfeife dann, wenn ich gute Laune habe“, sagt Herold stolz.

Ein Gespräch, in dem Sabine Herold auch darüber spricht, wie es ist, seit über 20 Jahren zusammen mit ihrem Mann in der Firma zu arbeiten. „Mein Mann ist ganz lieb. Der holt mich immer jeden Mittag zum Essen ab. Dann kommt er hier vorbei und wir gehen in die Kantine“, erzählt Sabine Herold.

Frauen sind nicht so mutig, „Hier!“ zu schreien, zu sagen: „Ich will jetzt hier die Abteilungsleitung haben.“ Da sind die Männer wirklich stärker. Man muss Frauen ein bisschen mehr unterstützen, ihre Werte zu erkennen und sich das zu trauen. Sabine Herold

Vorschau

Nächste Woche ist Esra Kücük von der Allianz-Kulturstiftung im Mindshift Podcast zu Gast. Die Politologin ist erst 36 Jahre alt und schon Chefin einer der renommiertesten Konzernstiftungen im Land. Sie berichtet, was sie genau dort macht, wie sie den Spagat zwischen Firmeninteresse und Politik meistert und was Thilo Sarrazin mit Ihrer Karriere zu tun hat.

Unser Partner von Handelsblatt Mindshift

Wenn Sie nach dem Hören Lust auf noch mehr Denkanstöße haben und vielleicht auch selbst aktiv werden wollen, möchten wir Ihnen das Leader.In-Netzwerk ans Herz legen – unser Partner für diese Podcast-Staffel. Vor fünf Jahren haben Deloitte, der BDI und das Handelsblatt Leader.In ins Leben gerufen, um in einem Netzwerk Menschen und verschiedene Perspektiven rund um die Themen Diversity und Leadership zusammenzubringen. Schauen Sie gerne auf www.leaderin.de vorbei oder besuchen Sie uns in der Leader.In-Linkedin-Gruppe.

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