Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Zum The Shift! Special von Handelsblatt Online

Schöner Trennen Wie Personalabbau zur Win-win-Situation werden kann

Rund 10.000 Jobs sollen bei der Deutschen Bank wegfallen. Die Hiobsbotschaft könnte nur verzweifelte Mitarbeiter erzeugen - oder einen Mehrwert für alle Beteiligten.
Kommentieren
Wer als Führungskraft seinen Job verliert, darf in der Regel auf eine gute Abfindung und eine großzügige Freistellung hoffen. Aber fallen Manager wirklich immer weich? Quelle: Getty Images
Mut zur Veränderung

Wer als Führungskraft seinen Job verliert, darf in der Regel auf eine gute Abfindung und eine großzügige Freistellung hoffen. Aber fallen Manager wirklich immer weich?

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDie Nachricht ist raus, das Bestürzen groß: Auf Strategiewechsel, Modernisierung oder wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten in Unternehmen wird in der Regel mit Personalabbau reagiert. Oft still und heimlich oder mit entsprechender medialer Öffentlichkeitswirkung, wie aktuell im Fall der Deutschen Bank. Rund 10.000 Jobs sollen wegfallen.

Ob die Hiobsbotschaft nur Negativschlagzeilen und verzweifelte Mitarbeiter erzeugt oder ob sich möglicherweise sogar ein Mehrwert für alle Beteiligten daraus entwickeln lässt, liegt nun in der Hand des Unternehmens.

„Die soziale Verantwortung eines Arbeitgebers endet nicht mit der Kündigung“, sagt Christina Kock, Karriere- und Outplacementberaterin. „Die Trennung von Mitarbeitern wird von weniger Reibungsverlusten und Imageschäden begleitet, wenn der oder die betroffene/n Kollege/n nicht nur abgefunden, sondern auch die berufliche Neuorientierung arbeitgeberseitig unterstützt wird.“

Ein Arbeitsgerichtsprozess lasse sich dann eher vermeiden oder verkürzen. Im vorzeitigen Aus könne aber auch die Chance für echte Weiterentwicklung liegen. Aber nicht nur die Mitarbeiter haben hier viel zu verlieren, auch für den Arbeitgeber stehe viel auf dem Spiel. Kock: „Daher lohnt es sich für beide Seiten, wenn hier im gegenseitigen Interesse auf Augenhöhe gut verhandelt wird.“

Perspektive aus der Sicht des Unternehmens

Professionelles Trennen ist in Zeiten von Fach- und Führungskräftemangel ein wichtiges Instrument, um den eigenen Ruf als attraktiver Arbeitgeber zu erhalten oder sogar zu festigen. „Wie mit Entlassungen im Unternehmen umgegangen wird, ist eines der zentralen Themen der Mitarbeiter untereinander“, so Kock. „Wer sich im Guten trennt, spricht auch später noch wohlwollend über seinen früheren Arbeitgeber. Wer hingegen sang- und klanglos abserviert wird, lässt kein gutes Haar an ihm.“

Denn wer heute Mitarbeiter entlässt, braucht vielleicht morgen wieder Neue und dabei spielt das Image eines Unternehmens eine zentrale Rolle. Stellt ein Unternehmen Entlassenen zum Beispiel eine sogenannte Outplacement-Beratung zur Seite – also professionelle Hilfe für einen schnellen Wiedereinstieg, erfährt der Ex-Mitarbeiter eine echte Wertschätzung durch seinen bisherigen Arbeitgeber.

„Der Schock des Arbeitsplatzverlustes wird deutlich weniger schmerzhaft sein und die Kündigungssituation insgesamt entschärft“, ist Kock überzeugt. Und die verbleibende Belegschaft erlebe ihren Arbeitgeber positiv, was negative Auswirkungen auf Motivation und Ergebnisse verhindere. Kock: „Der Umgang mit Kündigungen wird übrigens auch von Kunden und Lieferanten registriert – jede gut gemanagte Trennung stärkt den Leumund eines Unternehmens.“

Perspektive aus der Sicht von betroffenen Mitarbeitern

Mitarbeiter, die nicht zum Top-Management oder Führungskräftekreis gehören, haben bei Trennung oft schlechte Karten. Viele Unternehmen haben keine Betriebsräte und viele Betriebsräte haben mit solchen Situationen keine Erfahrung, denn sie sind ja doch nicht an der Tagesordnung. „Gerade für die „normalen“ Mitarbeiter ist ein gutes arbeitgeberseitiges Trennungsmanagement enorm hilfreich, insbesondere dann, wenn bei kleineren Unternehmen kein Betriebsrat ihre Partei ergreift“, sagt Christina Kock.

Dazu gehöre vor allem die Unterstützung bei der Jobsuche. „In der Regel hat ja kaum jemand Routine in der Selbstvermarktung und wer lange loyal für das Unternehmen gearbeitet hat, kennt sich mit dem Bewerbungsbusiness im Zeitalter des Internet sicher nicht aus.“ Daher sei es wichtig, in dieser Situation betroffene Mitarbeiter aufzufangen und zu unterstützen, neue Perspektiven gemeinsam professionell und realistisch zu entwickeln. Aus dem Schockzustand der Kündigung kann so ein konstruktiver Veränderungsprozess entstehen.

Perspektive aus der Sicht von betroffenen Führungskräften

Wer als Führungskraft seinen Job verliert, darf in der Regel auf eine gute Abfindung und eine großzügige Freistellung hoffen. Daher ist man geneigt zu denken, dass Führungskräfte ja weich fallen. Allerdings gibt es hier ein spezifisches Problem: Je höher die Hierarchie-Ebene, umso seltener finden sich Stellenausschreibungen für adäquate Anschlusspositionen im sogenannten offenen Arbeitsmarkt.

Wenn dazu noch ein gewisses Alter kommt, hält der Markt wenig bereit. Oft „leiden“ Führungskräfte auch unter einer gewissen Selbstüberschätzung, da das bisherige Berufsleben eher wie ein warmes Messer durch die Butter gelaufen ist.

Wenn jetzt eine von außen angestoßene Neupositionierung notwendig wird, funktionieren Headhunterkontakte und das bisher gut gepflegte Netzwerk auf einmal nicht mehr. „Hier kann ein gutes Trennungsmanagement dafür sorgen, dass die freigesetzte Führungskraft mit professioneller Hilfe berufliche Alternativen entwickelt, den Bewerbungsprozess optimiert und vor allem Stellen im verdeckten Arbeitsmarkt aufspürt“, so Kock. Auf diese Weise galant gegangen worden zu sein, dürfte beim Ex-Mitarbeiter die Loyalität auch nach der Trennung gewährleisten – statt das Unternehmen fürchten zu lassen, mit welchem Wissen und welchen Kontakten er ihm noch schaden könnte.

  • ck
Startseite

0 Kommentare zu "Schöner Trennen: Wie Personalabbau zur Win-win-Situation werden kann"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote