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Simone Menne im Interview „Es gibt Situationen, da würde eine Quote die Besetzung unnötig erschweren“

Die Multi-Aufsichtsrätin und Ex-Finanzvorständin der Lufthansa ist gegen neue Quoten – und für einen bewussteren Umgang mit den eigenen Vorurteilen.
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Die Managerin war von 2012 bis 2016 Finanzchefin der Lufthansa. Sie sitzt derzeit im Aufsichtsrat etwa von BMW und der Deutschen Post. Quelle: Paula Markert für Handelsblatt
Simone Menne

Die Managerin war von 2012 bis 2016 Finanzchefin der Lufthansa. Sie sitzt derzeit im Aufsichtsrat etwa von BMW und der Deutschen Post.

(Foto: Paula Markert für Handelsblatt)

Frau Menne, die Vorstände der deutschen Unternehmen sind immer noch Männerdomänen. Hat die Quote versagt?
Nein, das würde ich so nicht sagen. Immerhin kann heute keine Besetzung mehr erfolgen, ohne dass wenigstens eine Frau zur Auswahl stand. Dafür sorgen die Frauen in den Aufsichtsräten schon. Die Vorsitzenden sind aber meistens Männer. Und die sind noch viel zu oft in alten Stereotypen gefangen. Dabei zeigen alle Studien, dass gemischte Teams bessere Ergebnisse bringen.

Heißt das, wir brauchen auch eine Quote für die Vorstände?
Ich bin da hin- und hergerissen, aber: Nein. Es gibt einfach Situationen, da würde eine Quote die Besetzung unnötig erschweren. Ein Vorstand ist – anders als ein Aufsichtsrat – ein kleineres Gremium. Da müssen die Qualifikationen stimmen, die Branchenkenntnisse – und die Menschen müssen gut miteinander arbeiten können. Da brauchen Sie freie Auswahl.

Wie sollen die Stereotype denn dann überwunden werden?
Wir müssen die Auswahlverfahren so gestalten, dass Frauen und Männer darin ihre Stärken beweisen können. Das beginnt schon bei der Stellenanzeige. Ich habe mal eine IT-Abteilungsleitung gesucht. Wir haben uns gewundert, dass sich keine Frau beworben hat. Dann hat uns eine Trainerin den Text noch einmal lesen lassen. Da habe ich selbst gemerkt: Die Sprache war so männlich, da konnten sich Frauen nicht angesprochen fühlen.

Heißt das, Sie selbst haben auch einen Bias?
Ich denke, jeder hat seine Stereotype. Ich habe zum Beispiel ein Problem mit Frauen mit hohen Stimmen. Ich muss mich ganz bewusst zwingen, das auszublenden und objektiv zu bleiben. Bewusstsein ist ganz wichtig. Es hilft auch, wenn Sie bei Bewerbungsverfahren nicht alleine interviewen, sondern in möglichst gemischten Teams.

Viele Unternehmen argumentieren, dass es nicht genügend gute Frauen gibt.
Das ist Blödsinn. Es gibt genug Frauen, sie sind nur oft nicht so sichtbar. Da muss man besser suchen – auch international. Die Frauen müssen sich aber auch zeigen. Bei Konferenzen höre ich immer wieder, dass eine Frau ihre Teilnahme an einem Panel abgesagt hat, weil sie in der Firma ein Sachproblem lösen muss. So was muss man dann eben delegieren. Und wir müssen uns gegenseitig fördern: Wenn ich ein Angebot ablehne, bemühe ich mich, direkt eine andere Frau vorzuschlagen.

Frau Menne, vielen Dank für das Interview.

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