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Studie Typische Männerberufe: Frauen können Teil der Lösung für den Fachkräftemangel sein

In immer mehr Berufen gibt es einen Fachkräftemangel. Besonders männertypische Berufe sind betroffen – doch gerade da könnten Frauen helfen.
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Frauen könnten die Fachkräftelücke schließen. Quelle: dpa
Zerspanungsmechaniker

Frauen könnten die Fachkräftelücke schließen.

(Foto: dpa)

Berlin Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat bisher keine sehr glückliche Figur gemacht, wenn es um die Stellung von Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ging. Bei der Amtsübergabe schrieb ihm seine Vorgängerin Brigitte Zypries (SPD) ins Stammbuch, er solle die Frauen nicht vergessen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Altmaier die komplette erste Führungsriege seines Ministeriums mit Männern besetzt.

Mehr als 180 Mitarbeiterinnen schrieben deswegen sogar einen Brandbrief an ihren obersten Chef. Inzwischen gibt es zwar immerhin eine weibliche Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium. Altmaier agiert beim Thema Gleichberechtigung aber weiterhin unglücklich. Bei der Einweihung des neuen „Ludwig-Erhard-Saals“ in der Scharnhorststraße präsentierten zwei leicht bekleidete junge Frauen als Schmuckwerk wortlos das neue Schild zum Saal.

Nun soll sich alles ändern. Am Donnerstagabend lud Altmaier anlässlich des Weltfrauentags zur Diskussion in sein Ministerium ein. Das Motto: „Starke Frauen. Starke Wirtschaft.“

Altmaiers Vorgängerin Zypries hatte den Slogan ins Leben gerufen. Zur Diskussion geladen waren etwa Simone Menne, ehemalige Finanzvorständin der Lufthansa, Elke Eller, Personalvorständin des Reisekonzerns Tui, und Sigrid Evelyn Nikutta, Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe.

Es müsse entschlossener daran gearbeitet werden, dass die gleiche Teilhabe von Frauen und Männern eine „Selbstverständlichkeit“ werde, forderte Altmaier im Vorfeld der Veranstaltung.

Mangel in Männerberufen

Besonders bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels könnten Frauen eine größere Rolle als bisher spielen. Wie eine vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa), das beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) angesiedelt ist, zeigt, hat sich der Fachkräftemangel in den vergangenen Jahren zwar in fast allen Berufen verschärft.

In männertypischen Engpassberufen, in denen der Frauenanteil gestiegen ist, sei diese Entwicklung aber weniger stark gewesen. Die Studie liegt dem Handelsblatt vorab vor. Von männertypischen Berufen wird dann gesprochen, wenn mehr als 70 Prozent der Beschäftigten in dem Bereich männlich sind. Diese Berufe sind seit Jahren besonders vom Fachkräftemangel betroffen.

Laut der Kofa-Studie sind zwei Drittel aller Engpassberufe männertypische Berufe. Einer dieser Berufe ist etwa IT-Fachkraft, wo der Frauenanteil gerade einmal bei 17 Prozent liegt. Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands Bitkom ist nur jeder siebte Bewerber auf eine Stelle für IT-Spezialisten weiblich.

Um mehr Frauen für diese Berufe zu gewinnen und so den Fachkräftemangel zu beseitigen, hilft es offenbar, flexiblere Arbeitszeiten anzubieten. So sei der Frauenanteil in männertypischen Engpassberufen, in denen Unternehmen zusätzliche Teilzeitbeschäftigung geschaffen haben, zwischen 2013 und 2017 um 15,6 Prozent gestiegen, heißt es in der Studie.

„Wir rechnen damit, dass immer mehr Unternehmen stärker auf Frauen zugehen werden, um Engpässe bei der Stellenbesetzung abzufedern“, sagt Regina Flake, eine der Autorinnen der Studie. „Es wird aber nicht von allein passieren, Unternehmen müssen erfolgreiche Praxisbeispiele sehen.“ Ein Schlüssel liegt neben flexibleren Arbeitszeitmodellen auch in der gezielteren Ansprache von Frauen.

Gerade junge Mädchen müssten noch systematischer an ein breiteres Berufsspektrum herangeführt werden, heißt es in der Kofa-Studie. Dazu gehört auch eine gezieltere Ansprache. So zeigt die Forschung, dass sich Frauen eher angesprochen fühlen, wenn Stellenanzeigen besonders detailliert sind. Auch die Bildauswahl kann ausschlaggebend sein.

Die Zeit drängt, denn die Folgen des Fachkräftemangels sind schon jetzt gewaltig. Das IW Köln hat ausgerechnet, dass die Wirtschaftsleistung ohne den Mangel um 30 Milliarden Euro höher ausfallen könnte. Ex-Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries fordert mehr Anstrengungen, um das Potenzial von Frauen zu heben.

„Der Erfolg der deutschen Wirtschaft hängt auch davon ab, ob es gelingt, den Fachkräftemangel durch mehr weibliche Fach- und Führungskräfte abzufedern“, sagte sie im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Veranstaltungen wie die im Bundeswirtschaftsministerium sind gut, aber da muss mehr passieren.“ Die Politik könne und müsse mehr tun, etwa um Frauen zu vernetzen und Rolemodels zu präsentieren.

Zypries sieht aber auch die Firmen selbst in der Pflicht: „Unternehmen tun immer noch zu wenig, um Mitarbeiterinnen zu bekommen“, ist sie überzeugt.

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