Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Zum The Shift! Special von Handelsblatt Online

Studie zu Bewerbungsverfahren Klick, klick, Frust – Warum Online-Bewerbungen so viele High-Potentials abschrecken

Zu kompliziert, zu lange, zu aufwendig: Sechs von zehn Jobkandidaten brechen ihre Online-Bewerbung ab. Was Unternehmen besser machen können.
Kommentieren
Viele Jobinteressenten finden sich in den Bewerberportalen deutscher Unternehmen nicht zurecht, klagen über komplizierte Eingabemasken und lange Wartezeiten. Quelle: Getty Images
Mühsamer Bewerberprozess

Viele Jobinteressenten finden sich in den Bewerberportalen deutscher Unternehmen nicht zurecht, klagen über komplizierte Eingabemasken und lange Wartezeiten.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfIn der digitalen Welt kann es so simpel sein: In den meisten Online-Shops ist das Produkt mit einem Klick gefunden und im Warenkorb abgelegt. Und ständig gibt es Updates über den aktuellen Stand der Lieferung. Einfach, übersichtlich, schnell. Wie es nicht geht, wird dagegen auf vielen Bewerberportalen deutscher Unternehmen deutlich. Jobinteressenten finden sich dort nicht zurecht, klagen über komplizierte Eingabemasken und lange Wartezeiten.

Das Resultat: Sechs von zehn Jobkandidaten haben ihren Bewerbungsprozess schon einmal abgebrochen, obwohl sie eigentlich an der Stelle interessiert waren. Das zeigt eine Studie des Berliner Recruiting-Anbieters Softgarden, für die rund 6.500 Bewerber befragt wurden. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt und dem Handelsblatt-Portal karriere.de exklusiv vor.

„Unternehmen investieren viel Geld ins Marketing, um potenzielle Bewerber anzulocken“, sagt Softgarden-Chef Mathias Heese. „Und dann schrecken sie die Jobinteressenten mit schwerfälligen Systemen wieder ab. Das ist eine vertane Wettbewerbschance.“ Nicht mal eine automatische Eingangsbestätigung ist bei allen Firmen Standard, bemängeln die Befragten.

Das Verhalten vieler Unternehmen verwundert, haben sie doch immer häufiger Schwierigkeiten, ihre freien Arbeitsplätze wie gewünscht zu besetzen. So gibt es hierzulande nach Zählungen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mehr als 1,2 Millionen offene Stellen.

Dennoch sind viele Firmen nicht in der Lage, zeitgemäße Online-Bewerbungsverfahren anzubieten. Aus Sicht der Kandidaten brauchen die Personalabteilungen deutlich zu lange, bis sie wieder von sich hören lassen. Mehr als 70 Prozent der Umfrageteilnehmer sind nicht bereit, länger als zwei Wochen auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch zu warten. Jedes vierte Unternehmen braucht aber mindestens einen Monat, bis es auf die Bewerbung reagiert. Und manche melden sich erst gar nicht zurück.

Ungeduldige Bewerber, lahme Unternehmer

„Das interpretieren viele Bewerber als Desinteresse, weil sie sich nicht auf Augenhöhe angesprochen fühlen“, sagt Heese. Folge: Die Kandidaten sind wieder vom Markt, weil sie sich in der Zwischenzeit für ein anderes Angebot entschieden haben. Für zwei Drittel gilt das selbst, wenn sie auf ihren Traumjob verzichten müssen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung des Personaldienstleisters Robert Half, die im Herbst veröffentlicht wurde. Hauptsache Job, so scheint es – und das möglichst schnell. Auch die aktuelle Softgarden-Studie lässt den Schluss zu, dass Bewerber immer ungeduldiger werden. 45 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass eine Online-Bewerbung in zehn Minuten ausgefüllt sein muss. Bei der Befragung vor fünf Jahren waren es nur halb so viele.

Woher rührt dieser neue Drang zur Schnelligkeit? Die Studienautoren mutmaßen, dass der digitale Konsum die Bewerber ungeduldig macht. In den sozialen Netzwerken funktioniert viel intuitiv, auch das Shoppen auf Online-Verkaufsplattformen ist inzwischen gelernt. Diese Erfahrungen und Ansprüche würden Bewerber auf den Online-Bewerbungsprozess übertragen, heißt es.

Ein umständliches und lahmes Recruiting beeinflusst stark, in welchem Licht Bewerber Unternehmen wahrnehmen. „Der Bewerberprozess ist auch so etwas wie eine Visitenkarte der Firma“, sagt Heese. Und die sieht in vielen Fällen nicht gut aus. So schreibt ein Umfrageteilnehmer etwa: „Wenn Unternehmen schlecht mit ihren Bewerbern umgehen, heißt das für mich, dass sie auch schlecht mit ihren Mitarbeitern umgehen.“

So lässt sich das Bewerbungsportal optimieren

Dabei können Unternehmen mit leichten Tricks ihre Online-Bewerbungsportale verbessern. Wichtigster Tipp: den Prozess aus Kandidatensicht durchspielen. So fallen komplizierte Eingabefelder und lange Ladezeiten auf. Zweitens: lückenlos kommunizieren. Automatische Eingangsbestätigungen senden, Zu- und Absagen zeitnah und mit wertschätzenden Formulierungen verschicken.

Drittens: „Verzichten Sie darauf, dass sich Kandidaten registrieren müssen“, heißt es in der Studie. Das kostet Zeit. Unternehmen sollten stattdessen die Möglichkeit anbieten, dass die Bewerber die Daten aus ihren Profilen der Karriereportale Xing und LinkedIn importieren können.

Und: Die Personalabteilungen sollten nicht nur auf die Bewerbung via Online-Formular setzen, sondern auch weiter auf E-Mails. Die E-Mail-Bewerbung ist bei 49 Prozent der Befragten immer noch der bevorzugte Weg.

Startseite

Mehr zu: Studie zu Bewerbungsverfahren - Klick, klick, Frust – Warum Online-Bewerbungen so viele High-Potentials abschrecken

0 Kommentare zu "Studie zu Bewerbungsverfahren: Klick, klick, Frust – Warum Online-Bewerbungen so viele High-Potentials abschrecken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.