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Studie zu Unterforderung Ein Arbeitstag Langeweile pro Woche

Seite 2 von 2:
Was gelangweilte Mitarbeiter tun können
Woran Sie erkennen, dass Sie unterfordert sind
Unterforderung
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Es ist ein typisches Bore-out-Phänomen: Der Mitarbeiter hat das Gefühl, mehr leisten zu können, als der Vorgesetzte von ihm fordert. Dafür kann es laut der Fachzeitschrift HR-News, welche die größten Indikatoren zusammengestellt hat, zwei Gründe geben: Entweder gibt es zu wenig Arbeit, oder die Aufgaben sind zu simpel. Das liegt oftmals daran, dass Vorgesetzte die Leistung ihrer Mitarbeiter falsch einschätzen. Verstärkt betroffen sind der Fachzeitschrift zufolge Migranten, Berufseinsteiger und Frauen – unabhängig von der Branche.

(Foto: Getty Images)
Langeweile
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Die Langeweile entsteht in vielen Fällen, weil die Betroffenen nichts zu tun haben – und nicht wissen, wie sie den Arbeitstag überstehen sollen. Oft kommt es aber auch vor, dass sie ihre Arbeit satt haben, weil sie seit Jahren dieselben Routinen durchleben. Die Konsequenz: Es entsteht Lustlosigkeit – die manchmal sogar noch nach Feierabend anhält, wie Philippe Rothlin und Peter R. Werder in ihrem Buch „Unterfordert, Diagnose Boreout – wenn Langeweile krank macht“ schreiben. Demnach mildern Hobbys zwar noch in der Anfangszeit des Bore-outs die Langeweile. „Mit der Zeit jedoch wird eine scharfe Trennung zwischen Erfüllung in der Freizeit und einer Arbeitszeit, die den Betroffenen unzufrieden macht, kaum mehr möglich.“

(Foto: Getty Images)
Gleichgültigkeit
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Wenn die Studien- oder Berufswahl nicht den eigenen Interessen entspricht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Arbeitnehmer gegenüber seiner Tätigkeit ein Gefühl der Gleichgültigkeit entwickelt. Folglich kann er sich nur schwer mit dem Unternehmen identifizieren, worunter die Arbeit leidet.

(Foto: Getty Images)
Demotivation
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Jeden Morgen führt der Mitarbeiter einen inneren Kampf: Es kostet ihn ein hohes Maß an Disziplin und Selbstüberwindung, sich zur Arbeit zu schleppen. In ernsten Fällen greift die Demotivation auch auf andere Lebensbereiche über – und im schlimmsten Fallen folgen laut HR-News die innere Kündigung, körperliche und psychische Krankheiten oder Alkoholmissbrauch.

(Foto: Getty Images)
Müdigkeit
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Nach Feierabend ist der Arbeitnehmer, der an Bore-out leidet, meistens müde, fühlt sich matt und ausgelaugt. Weil ihm die Energie fehlt, sich nach Feierabend weiterhin zusammenzureißen, gibt er sich seiner Faulheit hin. Die ist nämlich laut Rothlin und Werder kein Teil des Bore-outs, wie viele denken, sondern die Folge davon. „Der Betroffene will sich nur noch ausruhen und schläft vor dem Fernseher ein.“

(Foto: dpa)
Gereiztheit
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Weil der Betroffene auf der Arbeit versucht, sein Bore-out zu vetuschen, nimmt er laut Rothlin und Werder zufolge das Gefühl der Unzufriedenheit mit nach Hause. Er ist mürrisch, reagiert selbst bei Kleinigkeiten empfindlich – und verhält sich in machen Fällen sogar gegenüber dem Lebenspartner gehässig.

(Foto: Getty Images)
Introvertiertheit
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Vor allem diejenigen, die von Natur aus nicht sonderlich kommunikativ sind, verschließen sich laut Rothlin und Werder immer mehr in ihrer eigenen Gedankenwelt. „Der Betroffene wird ein Gefangener seiner Unzufriedenheit und frisst die negativen Erlebnisse in sich hinein.“ Selbst gegenüber seinem sozialen Umfeld verschließt er sich – und beginnt, eine Fassade aufzubauen.

(Foto: Imago)

Auch wenn viele Chefs und Manager gelegentlich daran zweifeln: „Die meisten Menschen wollen an ihrem Arbeitsplatz etwas leisten“, schreibt der Unternehmer und Berater Marc Schmidt in seinem durchaus empfehlenswerten Buch „Nur noch ein Mal ärgern. Das Anti-Frust-Programm für Unternehmer und Chefs“, das gerade bei Gabal erschienen ist. Die Zahl der Mitarbeiter, die in einem Unternehmen in der festen Absicht anheuern, sich einen faulen Lenz zu machen und schauen, dass sie möglichst viel Arbeit auf andere abwälzen, um ihrem Chef täglich auf die Nerven zu gehen, dürfte gering sein. Schmidt: „Fast jeder Mitarbeiter startet erwartungsfroh und voller Hoffnung in einen neuen Job.“

Reinhard K. Sprenger, einer der erfolgreichsten Management-Berater Deutschlands, sagt, man müsse Mitarbeiter nicht motivieren. Es genüge vollkommen, sie nicht zu demotivieren. „Ein guter Anfang ist daher, als Chef den Leistungswillen seiner Leute nicht zu zerstören“, rät Marc Schmidt.

Mehr Abwechslung im Job liegt allerdings nicht nur in der Verantwortung der Chefs. Auch Arbeitnehmer können mit konkreten Maßnahmen akuter und dauerhafter Langeweile entgegentreten, rät wiederrum Robert Half-Experte Thomas Hoffmann:

  1. Jeder sollte sich fragen: Warum bin ich gelangweilt? Warum finde ich meine Arbeit nicht interessant? Liegt es an Unterforderung oder gibt es andere Gründe? Was fehlt mir, um eine spürbare Verbesserung herbeizuführen?
  2. Gelangweilte Mitarbeiter sollten das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen und den Wunsch nach Veränderung äußern. Dabei lösen konkrete Vorschläge für eine gezielte Weiterbildung, eine neue Herausforderung oder eine andere Tätigkeit innerhalb des Unternehmens am schnellsten das Problem.
  3. Finden sich keine Möglichkeiten, die Arbeit abwechslungsreicher zu gestalten oder sich intern neuen Herausforderungen stellen, sollte ein Jobwechsel in Betracht gezogen werden. Mitarbeiter sollten einen Jobwechsel nicht prinzipiell mit einem Denkverbot belegen, sondern – falls erforderlich – als gleichberechtigte Lösung in Betracht ziehen.

Unterfordert zu sein ist übrigens nicht gleichzusetzen mit Faulheit und Däumchen drehen. Denn: „Dauerhafte Langeweile kann genauso schädlich sein wie dauerhafter Stress“, erklärt Hoffmann. „Mitarbeiter, die sich langweiligen, empfinden Druck, den sie sich selbst auferlegen. Außerdem stellen sich Resignation und Lethargie ein, wenn Anerkennung und Wertschätzung ausbleiben. Im schlimmsten Fall sind das Bore-out-Syndrom und Depressionen die Folge.“

Dagegen könne eine professionelle Jobberatung und -vermittlung sehr schnell zu einer Lösung führen. „Viele Bewerber kommen mit dem Wunsch zu uns, eine abwechslungsreiche Arbeit zu finden, deren neuer Job den individuellen Qualifikationen und dem Wunsch nach sinnstiftenden Aufgaben viel eher entspricht“, so Hoffmann. Eine sinnvolle Tätigkeit und das Gefühl, im Beruf etwas zu leisten, seien wiederum zwei der wichtigsten Faktoren für das Glück am Arbeitsplatz, wie eine weitere Studie von Robert Half zeige. Hoffmann: „Hier wird ganz deutlich: Eine Veränderung kann viele Vorteile haben – für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer.“

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4 Kommentare zu "Studie zu Unterforderung: Ein Arbeitstag Langeweile pro Woche"

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  • Teil 1/2: „Ein Arbeitstag Langeweile pro Woche“

    Unsere Lebenszeit ist viel zu kostbar, als dass wir sie, um dem Götzen Geld zu huldigen, auf einer meist (jedenfalls viel zu oft) fremdbestimmten Arbeit mit "Leerlauf" totschlagen dürften.

    Zum letzten Wahlslogan der in meinen Augen reichlich verantwortungslosen FDP ("Denken wir neu"):

    Einfach das "neu" weglassen. Oder allenfalls durch "selbst" ersetzen.

    Und dabei sollte man am besten mit den ganz grundsätzlichen Fragen anfangen:

    Etwa, ob Geld - und, da "dranhängend", Arbeit - im Dienste des Menschen stehen sollten oder umgekehrt.

    Der Mensch ist (u.a.) mit Verstand begabt, damit er ihn selbst nutzt.

    KI & Co. können ihn dabei (so sie denn vernünftig programmiert sind) lediglich unterstützen.

    Die Realität hat die immer schon beschränkten Möglichkeiten unseres Demokratie- und Rechtssystems offensichtlich längst gesprengt. Nicht nur, weil es viel zu starr und bürokratisch ist und schon deshalb nicht mehr den komplexen Anforderungen unserer heutigen Welt gerecht werden kann. Sondern vor allem, weil kein Richter unserer heutigen hochkomplexen Welt noch, erstens, alle zu berücksichtigenden Fakten und Umstände kennen und, zweitens, diese dann auch noch angemessen einschätzen, abwägen und beurteilen kann. Und weil sehr vieles, das im heutigen politischen Leben eine wesentliche Rolle spielt, zum Zeitpunkt seiner Konzipierung noch schlichtweg gänzlich unbekannt war.

    In einer zeitgemäßen Demokratie, in der jeder innerhalb einer demokratisch regulierten Gesellschaft wirklich selbstbestimmt leben - und vor allem auch selbstverantwortlich mitentscheiden - kann, würden sich Machtkämpfe – und damit auch Kriege - irgendwann von selbst erübrigen.

    … In diesem Zusammenhang ("zeitgemäße Demokratie) folgt Teil 2/2!

  • Teil 2/2:

    Zum AfD-Parteitag: Hier ein Ausschnitt aus dem Gedicht "Parteimarsch der Parteilosen" von Kurt Tucholsky (1931; http://www.textlog.de/tucholsky-parteimarsch.html):

    Da streiten sich die Leute rum:
    die Jejner wären imma dumm -
    Is ja jahnich wahr!
    Un wie se alle brülln un schrein,
    und jeda sacht, det muß so sein -
    Is ja jahnich wahr!
    Nu sieh ma unsereinen an,
    vaehrtet Publikum!
    Wir treten vor dich Mann fier Mann
    als Individium.
    Es tönt die Straßen lang
    der herrliche Jesang:
    Wir brauchen keine Innung,
    wir brauchn kein Vaein!
    Wir machn uns - wir machn uns
    unsan Dreck allein!
    Wir ham doch die Jesinnung
    un ooch die Stänkerein -
    drum brauchn wa keene Innung
    und brauchn auch keen Vaein -!
    (.)"

    Herr Höcke ist übrigens zwar nicht mehr als Geschichtslehrer(!) tätig, aber nach wie vor verbeamteter "Staatsdiener".

  • "... man müsse Mitarbeiter nicht motivieren. Es genüge vollkommen, sie nicht zu demotivieren."

    Präzise auf den Punkt gebracht.

  • Für meine Begriffe sind viele angebliche Führungskräfte" schlichtweg nicht in der Lage zu führen.

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