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Studie zur Generation Z So vergraulen Deutschlands Firmen ihren Nachwuchs

Praktikanten und Werkstudenten sind Fachkräfte von morgen. Eine Studie zeigt: Viele Unternehmen nutzen die Chance nicht, gerade im Mittelstand.
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Junge Angestellte wollen flexible Arbeitszeiten. Selbst im Praktikum machen schon viele Überstunden. Quelle: plainpicture/Hero Images
Berufsalltag

Junge Angestellte wollen flexible Arbeitszeiten. Selbst im Praktikum machen schon viele Überstunden.

(Foto: plainpicture/Hero Images)

DüsseldorfDie Klagen hören nicht auf: Deutschlands Unternehmen suchen seit Jahren nach Fachkräften und beschweren sich über zu wenig Bewerbungen. Eine Studie der Münchner Unternehmensberatung Clevis zeigt jetzt: Die Probleme sind teilweise hausgemacht. „Die Unternehmen in Deutschland sind in einem gewissen Maße selbst schuld am Fachkräftemangel“, sagt Studienleiterin Kristina Bierer.

Denn schon bei den jüngsten Mitarbeitern vergraulen viele Firmen potenzielle Mitarbeiter. Gerade bei Praktikanten und Werksstudenten haben Chefs eigentlich eine einfache Möglichkeit, geeignete Leute heranzuziehen. Eigentlich. „Viele Unternehmen nutzen die Chance nicht und verlieren den Nachwuchs, weil sie die jungen Talente nicht an sich binden“, sagt Bierer.

Clevis hat insgesamt fast 8000 Praktikanten und Werksstudenten für seinen „Future Talents Report“ befragt. In diesem Jahr geht der Bericht in die neunte Auflage, verbessert hat sich seither wenig. „Die Unternehmen müssen das Instrument Praktikum endlich besser nutzen. Sonst werden sie abgehängt.“

Viele Firmen versäumen, nicht nur gute Praktikanten und Werkstudenten zu halten, sie vergraulen sie zum Teil sogar. Dabei ließe sich gegen die Gründe etwas tun.

Grund 1: Viele Firmen verstehen die Generation Z nicht

Praktika machen vor allem diejenigen, die nach 1995 geboren sind – die Generation Z. Und die werden von vielen Chefs nicht verstanden, glaubt Bierer. „Sie nehmen sich nicht genug Zeit, um die Bedürfnisse der jungen Leute zu verstehen.“ Die Generation Z gilt zwar als karriereorientiert. Was für sie noch wichtiger ist: eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Ständig erreichbar sein und sich fürs Unternehmen verbiegen? Was Chefs gerne fordern, kommt bei jungen Leuten nicht gut an. Die Unternehmen müssen daran arbeiten, dass ihnen der Spagat zwischen Arbeit und Freizeit besser gelingt. Sonst bewirbt sich die Generation Z bei einem anderen Arbeitgeber – die Auswahl ist schließlich groß genug.

Besonders in der Kritik der Befragten: starre Arbeitszeiten. „Die Generation Z will nicht von 9 bis 17 Uhr arbeiten“, sagt Bierer. „Unternehmen sollten ihnen die Chance geben, mittags zum Sport zu gehen, wenn sie dann abends von zu Hause noch weiterarbeiten wollen.“ Was die Studie auch zeigt: Viele Nachwuchskräfte schieben Überstunden, ein weiterer Frustfaktor. So arbeite ein Drittel regelmäßig länger als acht Stunden; das gilt insbesondere im Bereich Finanzen und Controlling.

Der Generation Z ist auch ein digitaler Arbeitsplatz wichtig. Das heißt: Der ausrangierte Computer gehört nicht ins Praktikantenzimmer.

Grund 2: Unternehmen lassen den Kontakt abreißen

90 Prozent aller Praktikanten und Werkstudenten sind nach dem ersten Kennenlernen an einer Stelle im Unternehmen interessiert. Aber: Nur jedes zweite Unternehmen hielt nach einem Praktikum beruflichen Kontakt zu den Nachwuchskräften. Das gilt selbst für technische Berufe, in denen der Fachkräftemangel besonders groß ist.

„Die Firmen sind zwar sehr bemüht, Praktikanten anzuwerben. Doch die Kommunikation danach ist besorgniserregend schlecht“, sagt Bierer. Gerade der Mittelstand ist fahrlässig: Sechs von zehn Unternehmen lassen den Kontakt abreißen.

Dabei lässt sich das schon mit einfachen Maßnahmen ändern. Etwa mit einem Feedback-Gespräch. Der Tipp mag trivial klingeln, in 40 Prozent der Fälle findet aber keines statt. Bierer rät zu einem Newsletter, in dem die Ehemaligen zu Firmenevents eingeladen und über neue Stellen informiert werden.

Die Personalabteilungen sollten zudem in den sozialen Netzwerken über Karrieremöglichkeiten berichten. Hier seien vor allem Führungskräfte gefragt. „Sie sollten mit einem eigenen Account als gutes Beispiel vorangehen und diese Kultur vorleben“, sagt Bierer.

Was auch hilfreich sein kann: Talente über Abschlussarbeiten binden. Nur jeder sechste Konzern nutzt diese Möglichkeit, bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen ist die Zahl noch mal niedriger - eine vertane Chance.

Grund 3: Der Chef hat sich nicht gut genug gekümmert

Oft werden Praktikanten als lästige Pflicht angesehen. Ein Fehler, sagt Studienleiterin Bierer. „Die Generation Z ist daran gewöhnt, dass man sich um sie kümmert.“ Wer zufrieden mit der Führungskraft war, kann sich auch vorstellen, später bei der Firma zu arbeiten.

Gerade in den ersten Wochen sollten Führungskräfte bei der Einarbeitung helfen, raten die Autoren. Praktikanten sollten als „wahre Teammitglieder“ gesehen werden, heißt es in der Studie. Das heißt vor allem: die jungen Talente ernst nehmen. Wer langweilige Aufgaben einfach an den Praktikanten abschiebt, sorgt dafür, dass die Talente von morgen bei der Konkurrenz landen, wo man sie besser behandelt.

Grund 4: Das Geld reicht nicht

Über die Generation Z und ihre Beziehung zum Geld ist schon viel diskutiert worden. Fakt ist: Für Praktikanten ist die Vergütung zwar nicht der wichtigste Punkt, „aber trotzdem wichtig, um ihren Arbeitgeber als attraktiv wahrzunehmen“, heißt es in der Studie. Zwar bekamen 91 Prozent der Befragten Geld. Doch das stimmte viele Praktikanten nicht zufrieden.

Konzerne bezahlten im Monat 1.350 Euro – und damit 230 Euro mehr als mittelständische Firmen. Gerade bei denen wünschte sich jeder Zweite mehr Geld. Die Unternehmen sollten überlegen, mehr Geld zu zahlen, rät Bierer. Die Investition könnte sich später auszahlen.

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