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Transfrau Sarah Ungar „Das Doppelleben hat unheimlich Kraft gekostet“

Vor einem Jahr war sie bei Thyssen-Krupp noch „Herr Ungar“ und „der Personaler“, dann wurde Sarah Ungar offiziell zur Frau. Ein Gespräch über das Leben im falschen Körper und das Outing als transsexuell im Stahlkonzern.
„Ich hoffe, ich kann mit meiner Geschichte anderen die Angst vor einem Outing nehmen.“ (Foto: Thyssen-Krupp)
Sarah Ungar, Personalexpertin bei Thyssen-Krupp

„Ich hoffe, ich kann mit meiner Geschichte anderen die Angst vor einem Outing nehmen.“ (Foto: Thyssen-Krupp)

EssenÜber das Gelände der Zentrale von Thyssen-Krupp, wo Fassaden aus Stahl von den Wurzeln des Konzerns zeugen, fegen eisige Winde. Haare zerzausen, die Leute ziehen die Mäntel enger um die Hüfte. Zum Gespräch treffen sich an diesem Wintermorgen vier Frauen, davon zwei Führungskräfte aus dem Personalwesen, eine Pressesprecherin, eine Journalistin. Alle tragen dicke Schals und gefütterte Stiefel. Nur Sarah Ungar ist in Pumps unterwegs. Absatzhöhen sollten im Personalwesen keine Rolle spielen, aber in diesem Fall tun sie es doch: Ungar, die die anderen um einen Kopf überragt, war vor nicht allzu langer Zeit noch als Herr Ungar im Konzern unterwegs.

Liebe Frau Ungar, Anfang des Jahres waren Sie hier bei Thyssen-Krupp noch der „Kollege“ und „der Personaler“. Haben sich Ihre Mitarbeiter schon daran gewöhnt, „Sarah“ und „Frau“ zu sagen?
Versprochen hat sich nach meinem Namenswechsel jedenfalls niemand. Ich glaube auch, dass es für viele gar keine große Überraschung war. Es gibt ja gewisse Merkmale und Verhaltensweisen, die wir Männern und Frauen zuschreiben, und da habe ich offenbar das Weibliche in gewissem Rahmen erfüllt.

Kollegen ahnten es, dass Sie eine Transfrau sind?
Es haben zumindest einige gespürt, dass da etwas war. Später sagten mir dann auch Kollegen, dass es schon vor meinem Outing äußerlich auffällig war, wie ich mich verändert habe.
Wer im falschen Körper geboren wurde und das Äußere dem empfundenen Geschlecht angleichen möchte, kann sich chirurgischen und vor allem hormonellen Behandlungen unterziehen. Wenn dann die Medikamente auf den Körper einwirken und jemand wie Sarah Ungar die Haare wachsen lässt, werden peu à peu Veränderungen sichtbar.

Und dann kam der Tag, an dem plötzlich Sarah auf Ihrem Stuhl saß. Wie hießen Sie denn als Mann?
Die Kollegen kennen den Namen natürlich. Aber wer mich nur als Sarah kennt, in dem soll gar kein anderes Bild entstehen. Deshalb bleibt’s bei Sarah.

Wie sind Sie auf den Namen gekommen?
Ich habe ja Betriebswirtschaft studiert und bin da sehr rational drangegangen. Ich habe eine Liste gemacht mit Namen, die grundsätzlich in Frage kamen. Am Ende blieb Sarah übrig, und da ich damals keine andere Sarah kannte, dachte ich: Das ist die Lücke, die ich ausfüllen möchte.
Sarah Ungar erzählt ruhig, mit sanfter Stimme. Wer ihr gegenüber sitzt, kommt nicht auf die Idee, dass sie eine Transfrau ist. Sie trägt einen Hosenanzug, dezentes Make-Up und Lippenstift. Erst im Nachhinein, beim Abhören des Tonbands, fällt auf, dass ihre Stimme doch männlich klingt. Männer haben längere Stimmbänder als Frauen. Operative Eingriffe sind zwar möglich, aber ohne Erfolgsgarantie. Dafür lässt sich mit Hilfe von Logopäden eine typisch weibliche oder männliche Stimmmelodie trainieren.

Mit Listen arbeiten auch Paare, die ein Baby erwarten. Und auch für Sie war es ja der Start in ein neues Leben, als Sie sagten: Ich verstecke es nicht länger, dass ich im falschen Körper geboren bin.
Ja, wobei das bei mir ein Veränderungsprozess war, der zwei, drei Jahre gedauert hat.

Feierabend – raus aus dem Anzug, rein in den Rock

Bei Diversity geht es auch um Dimensionen wie Alter, Geschlecht, Qualifizierung oder Herkunft.
Kulturwandel

Bei Diversity geht es auch um Dimensionen wie Alter, Geschlecht, Qualifizierung oder Herkunft.

Wann haben Sie denn gemerkt, dass Sie im falschen Körper stecken?
Dass Körper und Geist nicht zusammenpassen, das weiß ich, solange ich zurückdenken kann. Konkrete Erinnerungen habe ich aus des Phase im Alter fünf bis sieben, wo mir ganz klar bewusst war: Eigentlich gehörst Du zu den Mädchen.

Sie haben also fast 30 Jahre lang eine Art Maskerade gespielt. Dabei tragen Sie bei Thyssen-Krupp Personalverantwortung und wissen, wie wichtig es ist, dass sich Mitarbeiter mit ihren verschiedenen Eigenschaften anerkannt fühlen. Würden Sie heute sagen: Das hat mich gebremst in der Entfaltung meines Potentials?
Ja, diese Doppelleben hat unheimlich Kraft gekostet. Weil mich das natürlich im Hinterkopf beschäftigt hat. Immer habe ich mich gefragt: Merken die Leute was? Muss ich mich anders verhalten, damit nichts auffällt? Gerade in dieser Change-Phase, als ich im privaten Bereich schon als Frau leben konnte, aber im Beruf noch nicht, war das unheimlich schwierig.

Sie haben sich nicht gleichzeitig im Privaten und im Beruf geoutet?
Nein. Mich hat jeder einzelne Schritt unheimlich viel Überwindung gekostet. Ich habe mich erst im Freundeskreis geoutet, dann in der Familie, zuletzt im Beruf. Dazu muss man wissen, dass in Deutschland wirklich alles genau geregelt ist. Wer beim Amtsgericht wie ich beantragt, Namen und Personenstand zu ändern, der muss erst mal eine gewisse Zeit im sogenannten Wunschgeschlecht leben und zeigen, dass er damit zurecht kommt. Auch für die Krankenkasse sind entsprechende Nachweise wichtig.
Transsexualität hat in Deutschland noch den Status einer psychischen Erkrankung. Dafür maßgeblich ist die Einstufung als Verhaltensstörung durch die Weltgesundheitsorganisation. Doch 2017 soll eine neue Liste ohne diese Klassifikation in Kraft treten.

Wie können wir uns das vorstellen: Sie sind abends von der Arbeit nach Hause gekommen, raus aus dem Anzug, rein in den Rock?
Genau so. Wenn ich mich mit Freunden getroffen habe, bin ich erst mal nach Hause, habe mich umgezogen, mich geschminkt. Ganz konkret: Wenn ich um 18 Uhr zu Hause war, konnte ich mich frühestens um 19 Uhr mit Freunden treffen. Und wenn es länger gedauert hat im Büro, sind meine Verabredungen geplatzt. Manche Freunde kannten mich nur als Frau. Die wussten zwar um meine Situation, aber ich wollte nicht, dass sie mich in Anzug und Krawatte sahen. Das alles hat mich also schon rein organisatorisch sehr eingeschränkt.

So ruinieren Sie Ihre Karriere
No-Go 1: Falsch geschriebene Namen
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Natürlich kann es in der Eile mal vorkommen, dass man den Namen eines Gesprächspartners falsch schreibt. Doch passiert dieser Fehler mehrmals hintereinander, kann man sichergehen, einen schlechten Eindruck beim Gegenüber zu hinterlassen: Schließlich muss der Gesprächspartner davon ausgehen, dass der andere sich keine sonderliche Mühe in der Kommunikation gibt – und ihn womöglich überhaupt nicht ernst nimmt.

Die Karriereplattform arbeits-abc.de hat die größten Karrierekiller zusammengestellt.

(Foto: dpa)
No-Go 2: Kommentarlose Kontaktanfragen
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Etliche Internetuser haben Hunderte, teilweise sogar Tausende Freunde in sozialen Netzwerken. In den wenigsten Fällen kennen sie alle persönlich. In den meisten Fällen sind die „Freunde“ allerdings nur Freunde von Freunden – oder Fremde. Die Kontaktaufnahme verläuft in der Regel so: Die Netzwerker schicken Unbekannten oder „Freundesfreunden“ auf Facebook, Xing und Co. kommentarlos eine Freundschaftsanfrage. Doch vielen scheint gar nicht bewusst zu sein: Das ist unhöflich. Denn wenn es einer Person wichtig ist, mit jemandem Kontakt aufzunehmen, sollte man zumindest die Zeit dazu haben, eine Nachricht zu verfassen, in der man sich selbst vorstellt – das gilt auch für Kollegen oder Vorgesetzte.

(Foto: dpa)
No-Go 3: Dreistes Duzen
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Wer neu im Büro ist, sollte auf Nummer sicher gehen und anfangs die Kollegen Siezen. Wenn der Neuling ein Vertrauensverhältnis zu den anderen Mitarbeitern aufgebaut hat, kann er ihnen das Du anbieten. Denn: Viele Menschen fühlen sich degradiert oder empfinden es als respektlos, wenn eine fremde Person sie duzt.

(Foto: Imago)
No-Go 4: Nerviger Smalltalk
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Er kommt unscheinbar daher, ist aber ein heikles Thema: der Smalltalk. Angestellte können dabei in viele Fettnäpfchen treten. Zum Beispiel, indem sie ohne Punkt und Komma reden, das Gespräch in eine penetrante Richtung abdriftet oder es um politische Themen geht. Wer unsicher ist, wie er sich richtig verhält, sollte sich laut Experten in Zurückhaltung üben, unverfängliche Themen wählen oder den anderen durch Nachfragen Interesse signalisieren.

(Foto: Fotolia)
No-Go 5: Sonnenbrille
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Wer wie Popsängerin Lady Gaga in jeder Situation – unabhängig vom Wetter – eine Sonnenbrille trägt, muss sich nicht wundern, wenn es ihm schwer fällt, berufliche Kontakte zu knüpfen. Deshalb gilt: Sonnenbrille bei der Kontaktaufnahme grundsätzlich absetzen. Wenn es enorm sonnig ist, raten Experten dazu, zu Beginn des Gesprächs auf die Brille zu verzichten, damit Blickkontakt aufgenommen werden kann. Später kann die Sonnenbrille wieder aufgesetzt werden. Vorausgesetzt die Gläser sind nicht verspiegelt.

(Foto: dpa)
No-Go 6: Smartphone-Alarm
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Für viele ist das Smartphone mittlerweile zum permanenten Begleiter mutiert. Doch dieser Gefährte kann ganz schnell die Karriere ruinieren, indem er im Minutentakt klingelt oder vibriert. Deshalb gilt: Smartphones sollte man zumindest während Geschäftsessen, Meetings oder Besprechungen ausstellen. Wer einen wirklich dringenden Anruf – beispielsweise vom Vorgesetzten – erwartet, kann bei vielen Smartphones eine Nicht-stören-Funktion einrichten, sodass man von ausgewählten Kontakten noch immer erreicht werden kann.

(Foto: Reuters)
No-Go 7: Eintreten ohne Anklopfen
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Auch wenn die Bürotür des Kollegen oder Vorgesetzten geöffnet ist, bedeutet das nicht automatisch, dass jeder unaufgefordert eintreten kann. Schließlich kann es sein, dass die Person in ihre Arbeit vertieft ist – und in genau diesem Moment nicht gestört werden will. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, anzuklopfen und die Reaktion abzuwarten, bevor man den Raum betritt.

(Foto: Fotolia)

Wieso haben Sie diesen Aufwand so lange in Kauf genommen?
Ich hatte natürlich Angst: erst, dass ich Freunde oder Familie verliere, dann, dass ich Anerkennung verliere. Dass ich vielleicht meinen Job verliere.
Sarah Ungar mag ihren Job und ihre Verantwortung. Sie ist als Personalchefin einer Tochtergesellschaft der Großanlagensparte von Thyssen-Krupp viel unterwegs gewesen, postet auf ihren Dienstreisen auch mal Fotos via Twitter mit dem Hashtag #ilovemyjob. Für sie stand viel auf dem Spiel.

Bei Thyssen-Krupp hat man unweigerlich diese Bilder einer erzkonservativen Arbeitswelt im Kopf: Malocher in Blaumännern, Glut in den Hochöfen. Wie sind Sie es dann angegangen, Ihre Kollegen über Ihren persönlichen Change-Prozess zu informieren?
Auch da habe ich Listen gemacht: mit welchen Menschen ich sprechen muss, in welcher Reihenfolge. Die habe ich dann Stück für Stück abgearbeitet. Irgendwann ist natürlich ein Leak da, dann ist man nicht mehr Herr über die Informationen.

„Es geht nicht darum, mehr Transfrauen oder Schwule einzustellen“

Fällt der Name Thyssen-Krupp, hat man unweigerlich  Bilder einer erzkonservativen Arbeitswelt im Kopf: Malocher in Blaumännern, Glut in den Hochöfen. Kein Umfeld, in dem man sich als transsexuell outen sollte? Aus Klischees über Unternehmen können täuschen. Quelle: dpa
Hochofen von Thyssen-Krupp in Duisburg

Fällt der Name Thyssen-Krupp, hat man unweigerlich Bilder einer erzkonservativen Arbeitswelt im Kopf: Malocher in Blaumännern, Glut in den Hochöfen. Kein Umfeld, in dem man sich als transsexuell outen sollte? Aus Klischees über Unternehmen können täuschen.

(Foto: dpa)

Wer stand hier im Konzern ganz oben auf der Liste?
Mein damaliger Geschäftsführer. Ganz oben standen die Namen von Kollegen, bei denen ich mit eher positiven Reaktionen gerechnet habe. Mein Geschäftsführer zum Beispiel war sehr offen wir hatten ein echtes Vertrauensverhältnis.

Sie hatten sich ja vor allem vor negativen Reaktion gefürchtet.
Eine negative Reaktion, die mir lange zu schaffen machte, kam aus dem privaten Bereich. Jemand sagte anfangs „Alles kein Problem“, aber später stellte sich heraus, dass es doch ein Problem für ihn war. Ich habe gelernt, dass ich nicht jeden auf diesem Weg mitnehmen kann.

Sie können nicht jemand anders zuliebe jemand sein, der Sie nicht sind.
Ja, und ich war ja auch vorher ich. Nur, weil ich jetzt äußerlich anders auftrete, viele sagen auch: authentischer, bin ich kein anderer Mensch.

Und Sie mussten sich wirklich nie einen blöden Spruch im Job anhören? Haben nie gemerkt, dass Gespräche plötzlich verstummen, wenn Sie den Raum betraten?
Nein, wirklich nicht.

Gab es auch überraschende positive Reaktionen?
Viele. Wobei die positivste Reaktion war, wenn Kollegen eben keine große Sache draus gemacht haben. Dass sie gesagt haben: Ja, Überraschung, das ist jetzt Sarah, aber wir arbeiten so gern mit Dir zusammen, wie wir es vorher getan haben.

So treiben Sie Ihre Kollegen in den Wahnsinn
Streich 1: Der Cursor steht still
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Der erste Streich ist ein zeitloser Klassiker. Entfernen Sie die Kugel, die sich bei älteren Modellen im Inneren der Computermaus befindet. Der Cursor auf dem Bildschirm steht still und das lustige Rätselraten kann beginnen: Hat sich der PC aufgehängt? Oder steckt das USB-Kabel der Maus nicht richtig drin? Wenn Ihr Kollege mit einer optischen Maus arbeitet, kleben Sie einfach die Lichtquelle ab. Quelle: Meedia

(Foto: dpa)
Streich 2: Der tippt doch nicht richtig!
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Sie können Ihren Kollegen auch verwirren, indem Sie seine Tastatur manipulieren. Nehmen Sie dafür einfach die Buchstaben heraus und setzen sie an anderer Stelle wieder ein. Damit der Mitarbeiter das Verwirrspiel nicht sofort durchblickt, ist es sinnvoll, subtil vorzugehen: Tauschen Sie benachbarte Tasten aus. Zum Beispiel das „M“ mit den „N“ oder das das „G“ mit dem „F“.

(Foto: dpa)
Streich 3: Das Kleingedruckte lesen
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Auch der Drucker eignet sich, um die Kollegen im Büro in den Wahnsinn zu treiben. Verstellen Sie einfach die Einstellungen: 200 Prozent verkleinern, DIN-A2-Papier, 30 Kopien.

Streich 4: Denken Sie GROSS
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DENKEN SIE GROSS – UND SCHREIBEN SIE IHREN KOLLEGEN DOCH NUR NOCH NACHRICHTEN IN GROSSBUCHSTABEN. DAS IST AUF DEN ERSTEN BLICK BEFREMDLICH, ABER STECKT AN. um etwas abwechslung in die kommunikation zu bringen, bietet es sich an, in der nächsten e-mail alles in kleinbuchstaben zu schreiben. fortgeschrittene können sich nach einer weile in einem TurBuLenteN MiX aus beidem versuchen.

(Foto: Getty Images)
Streich 5: (K)ein Zeichen setzen
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Sie ärgern sich schon seit längerem darüber dass Ihre Kollegen Ihre Mails nur überfliegen Dann setzen sie doch mal ein Zeichen der besonderen Art indem Sie auf jegliche Satzzeichen verzichten Kommata Punkte und Semikolons werden ohnehin vollkommen überbewertet Und so zwingen Sie Ihre Kollegen indirekt Ihre Nachrichten sorgfältig zu lesen

(Foto: AFP)
Streich 6: Falsch verbunden
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Für Büromenschen eine alltägliche Situation: Sie kehren von einem Meeting zu Ihrem Schreibtisch zurück und finden dort eine Rückruf-Notiz. Kreieren Sie für Ihren Kollegen mal selbst so ein Zettelchen – allerdings ohne Vermerk, wer da angeblich angerufen hat. Zum Beispiel mit der Nummer einer Erotikhotline oder eines Lieferservices.

(Foto: dpa)
Streich 7: Sauber, Kollege!
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Sie können die Kollegen auch ganz leicht zur Weißglut treiben, indem Sie den klinisch Reinen mimen. Säubern Sie Ihren Schreibtisch doch einfach mal einen Tag lang penibel, wenn ein anderer Angestellte es auch nur gewagt hat, ihn anzufassen.

(Foto: dpa)

Kamen nach Ihrem Outing andere Kollegen in ähnlichen Situationen auf Sie zu, die sich Rat holen wollten?
Es kamen viele Kollegen mit sehr persönlichen Themen, auch aus ganz anderen Bereichen, auf mich zu. Viele haben mir auch das „du“ angeboten, weil ich jetzt so eine persönliche Geschichte mit ihnen geteilt habe. Das war schon auffällig, weil viele Mitarbeiter sonst eher ein distanziertes Verhältnis zur Personalleiterin haben. Und natürlich hoffe ich, dass ich anderen helfen kann, indem ich mit meiner Geschichte für Sichtbarkeit dieses Themas in der Öffentlichkeit sorge.
Eine Kollegin, ebenfalls Personalerin im Konzern, meldet sich zu Wort: „Ohne Sarah wäre auch das LGBTI-Netzwerk nicht so weit wie heute, sie soll mal nicht so bescheiden sein!“ Ungar war im Januar 2016 an der Gründung des Netzwerkes für lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intersexuelle Mitarbeiter beteiligt. Um das Netzwerk bekannter zu machen, schrieb Ungar im Sommer ihre Geschichte in einem Blog für Mitarbeiter auf, der Beitrag erschien auf Deutsch und auf Englisch.

„Wir wollen jeden wertschätzen, so wie er ist“

Nach wie vor nur Männer im Thyssen-Krupp-Vorstand: Konzernchef Heinrich Hiesinger, Finanzvorstand Guido Kerkhoff, Compliance-Vorstand Donatus Kaufmann und Personalvorstand Oliver Burkhard (v.l.n.r.), Aber das mit dem Kulturwandel meinen sie wirklich  ernst. Quelle: dpa
Männer an der Konzernspitze

Nach wie vor nur Männer im Thyssen-Krupp-Vorstand: Konzernchef Heinrich Hiesinger, Finanzvorstand Guido Kerkhoff, Compliance-Vorstand Donatus Kaufmann und Personalvorstand Oliver Burkhard (v.l.n.r.), Aber das mit dem Kulturwandel meinen sie wirklich ernst.

(Foto: dpa)

Was passierte dann?
Die Resonanz darauf war für mich eine große Überraschung. Es kamen Mails von Kollegen aus der ganzen Welt, aus Australien, Brasilien, Asien, aus den USA. Es gab auch einen Artikel in der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“, der online sehr oft und positiv kommentiert wurde. Ich glaube, der hat in der Zeit mehr Resonanz erzeugt als die Berichterstattung über Borussia Dortmund und Schalke 04.

Das will im Ruhrgebiet was heißen! Hatten Sie vielleicht auch einfach Glück, dass Konzernchef Heinrich Hiesinger seit einigen Jahren den Kulturwandel bei Thyssen-Krupp einfordert und fördert?
Ja, vielleicht passte mein Outing thematisch gut in die Zeit. Ich hatte direkt Unterstützung von unserer Diversity-Chefin Barbara Thiel, die auch beim Personalvorstand Oliver Burkhard für die Gründung des Netzwerks geworben hat. Er hat dann ebenfalls gesagt: So etwas soll kein Problem, sondern ganz normal sein. Wir wollen jeden wertschätzen, so wie er ist.

Sie haben gerade erst einen weiteren Karriereschritt gemacht und sind nun als „Talent Brokerage Expert“ dafür zuständig, die Talente des Konzerns weltweit auf die richtigen Führungspositionen zu bringen. Ist Ihre persönliche Erfahrung bei dieser Position ein Vorteil?
Vor allem meine berufliche Erfahrung! Es geht auf diesem Posten ja auch darum, Führungskräfte bei Neubesetzungen zu ermuntern, einmal rechts und links des Weges zu schauen, nicht zu festgefahren zu sein bei den Anforderungen. Und ich bin jetzt seit zehn Jahren im Personalwesen tätig, habe bestimmt 2000 Vorstellungsgespräche geführt, war an mindestens 300 Besetzungsentscheidungen maßgeblich beteiligt.

Warum hat es bei Ihrer Expertise so lange gedauert, bis Sie gesagt haben: Ich bin jetzt selbst ein Fall für mich, ich muss etwas ändern, wenn ich die Prinzipien, nach denen ich Mitarbeiter entwickle, ernst nehme?
Das war ein gegenseitiger Prozess. Ich habe durch meinen Beruf viel für mich selbst gelernt. Aber ich habe auch andersherum von meinen persönlichen Erfahrungen viel mitgenommen für meinen Beruf, zum Beispiel zum Thema Change-Prozess. Das ist hier bei Thyssen-Krupp ein Dauerthema, immer wieder fragen wir uns: Wie nehmen wir Menschen mit auf so einem Weg? Ich selbst war am Anfang mit meinem Outing viel zu schnell unterwegs, das habe ich bei einigen Freunden oder auch in der Familie gemerkt. Manchmal habe ich jemanden auf dem Weg verloren, musste noch mal ein paar Schritte zurück und mich von Beginn an erklären, damit es zusammen weiterging. Solche positiven Erfahrungen nehme ich mit in meinen Job.

So sehen echte Businessfrauen aus!
Wie sehen Businessfrauen aus? So zum Beispiel!
1 von 10

Quelle: Nazir Azhari

Rote Lackschuhe und kurze Röcke zwischen Männerbeinen im Zweireiher: Frauenbilder, mit denen sich schon lange niemand mehr identifizieren möchte. Deswegen haben wir vor zwei Wochen gefragt: Wo sind eigentlich die Fotos, die moderne, authentische und natürliche Frauen zeigen? In einem Foto-Wettbewerb suchten wir Ideen, wie wir das ändern können. Nun stehen die Gewinnerbilder, wie dieses hier von Nazir Azhari, fest.

Schluss mit Bleistiftrock und steifer Pose
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Quelle: Johanna Vikell
Wir, das sind die Businessplattform Edition F als Initiator der Mission, die Foto-Community EyeEm, das Handelsblatt und andere namhafte Medienpartner (Zeit Online, Ze.tt, Manager Magazin und Huffington Post). Und gemeinsam wollen wir die Perspektive auf Frauen in der Arbeitswelt verändern. Schluss mit grausamen Stockphotos! Es leben schöne Fotos wie dieses hier von Johanna Vikell.
#Womeninbusiness
3 von 10
Quelle: Michael Moeller
Mit #Womeninbusiness wollen wir moderne, natürliche und authentische Frauen zeigen. Frauen, die sich täglich in ihrem Job abrackern, aber nicht immer top gestylt im Hosenanzug erscheinen. Solche, die auch mal den Wecker überhören, in Windeseile Klamotten aus dem Schrank ziehen und sich die Haare erst im Auto auf dem Weg zur Arbeit kämmen.
Berufsalltag wie er auch aussehen kann
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Quelle: Tyler

Frauen, die nicht ihre weiblichen Vorzüge in den Fokus stellen, sondern mit ihrem fachlichen Können bestechen.

Danke!
5 von 10

Quelle: Ana Caprini

Wir freuen uns sehr, dass Sie unsere Mission so toll unterstützt haben. Die Auswahl der Gewinnerinnen ist uns allen nicht leicht gefallen.

Wow: So viele tolle Bilder!
6 von 10

Quelle: Astrid Hapsari

Insgesamt wurden über 3.000 Bilder eingereicht, aus denen wir für Sie die Top-Ten-Gewinnerfotos gewählt haben.

Trending Topic
7 von 10

Quelle: Martin Rehm

Jeder Fotograf und jede Fotografin hatte die Möglichkeit, authentische Fotos aus seinem Joballtag entweder auf der Online-Plattform EyeEm hochzuladen oder oder sie per Mail einzureichen. Bereits am ersten Tag wurde der #WomeninBusiness zum Trending Topic bei Twitter.

Nun ist das Thema Transsexualität oder auch LGBTI ja nur ein kleiner Bestandteil gelebter Vielfalt bei Thyssen-Krupp.
Genau, bei Diversity geht es auch um Dimensionen wie Alter, Geschlecht, Qualifizierung oder Herkunft. Und das übergeordnete Thema heißt natürlich Kulturwandel. Ohne den Kulturwandel würde es unser LGBTI-Netzwerk nicht geben, aber das Netzwerk ist andersherum auch Indikator dafür, dass der Kulturwandel wirklich stattfindet. Dem Vorstand ist das wichtig, und Herr Burkhard, der auch unser Schirmherr ist, zeigt das offen.
Seit dem Sommer ist Thyssen-Krupp auch Mitglied der Stiftung „PrOUT at Work“, die ein Arbeitsumfeld schaffen möchte, das offen ist für alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität. Ungar erinnert sich noch daran, wie sich ein Geschäftsführer der Stiftung bei der ersten Anfrage zwar positiv, aber deutlich überrascht zeigte: Man habe zwar eine Reihe potentieller Mitgliedsunternehmen auf der Liste, aber nicht gerade Thyssen-Krupp. Von anderer Seite hörte sie dann, dass der Ansatz, das Thema LGBTI explizit in den Leadership-Prinzipien zu berücksichtigen, unter deutschen Dax-Konzernen wohl einmalig sei.

Herr Burkhard möchte seine Unterstützung für Sie auch im kommenden Jahr sehr öffentlichkeitswirksam zeigen – wenn Thyssen-Krupp mit einem Wagen beim Christopher Street Day in Köln mitfährt.
So ist es. Wir arbeiten gerade daran, einen Wagen und das Drumherum zu organisieren. Das gibt natürlich schöne Bilder – aber das Ganze ist weder Lippenbekenntnis noch Marketinginstrument. Es geht ja nicht darum, jetzt mehr Transfrauen oder Schwule einzustellen. Diese Leute sind aber schon da und verschwenden bislang möglicherweise viel Energie darauf, das zu verstecken.

Nun hebt das Netzwerk hervor, was eigentlich normal sein sollte, wie Sie selbst sagen. Braucht denn wirklich jede kleine Gruppe ein solches Netzwerk?
Mein Wunsch wäre es, dass wir als Netzwerk überflüssig wären. Aber es gibt immer noch viele Kollegen, die zum Beispiel ihre Homosexualität verheimlichen. Ich hoffe, ich kann ihnen die Angst vor einem Outing nehmen, denn für mich gilt: Ich bereue es nicht.

Liebe Frau Ungar, vielen Dank für das Gespräch.

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