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World Mental Health Day „Totschweigen und Nichtstun verhindert keine Suizide“

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Depressionen am Arbeitsplatz: ein Tabu
Seit 2001 klärt der Verein Jugendliche und junge Erwachsene über die Themen Suizid und seelische Gesundheit auf. Die Gründer von „Freunde fürs Leben“ haben selbst geliebte Menschen durch Suizid verloren.
Diana Doko

Seit 2001 klärt der Verein Jugendliche und junge Erwachsene über die Themen Suizid und seelische Gesundheit auf. Die Gründer von „Freunde fürs Leben“ haben selbst geliebte Menschen durch Suizid verloren.

Lässt sich sagen, wie viele Menschen Sie durch den Verein gerettet haben?
Wir arbeiten präventiv, daher ist unsere Arbeit nicht messbar. Aber wir haben über 14.000 Freunde auf Facebook, unsere Filmbeiträge hatten bisher über 2,8 Millionen Zuschauer und unsere Website wird regelmäßig zur gezielten Informationsvermittlung von Journalisten, Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Eltern, Lehrern, Sozialarbeitern und Therapeuten zu Rate gezogen. So helfen Freunde fürs Leben, Suizide zu verhindern.

Viele Menschen haben Hemmungen, Angehörige eines Menschen anzusprechen, der sich umgebracht hat. Was würden Sie ihnen raten?
Sprechen Sie die Trauernden an und zeigen Sie Mitgefühl. Jeder, der einen geliebten Menschen verloren hat, egal ob durch Verkehrsunfall, Krankheit oder Suizid, weiß, wie gut es tut, über die verstorbene Person zu sprechen. Der Verstorbene lebt so in der Erinnerung weiter und wird nicht totgeschwiegen.

Wie äußert sich eine Depression und wie können Menschen aus dem privaten Umfeld darauf reagieren?
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass wir von Freunde fürs Leben keine Therapeuten sind. Wir leisten Präventionsarbeit und weisen auf Hilfsangebote hin. Es gibt Signale, die auf eine Depression oder Suizidgefährdung hinweisen. Beispielsweise wenn sich jemand von seinen Freunden abkapselt oder große Hoffnungslosigkeit ausdrückt oder wenn sich derjenige plötzlich nichts mehr aus lieb gewordenen Dingen macht. Für Depressionen gibt es zahlreiche Ursachen.

Was kann man machen, wenn man meint, die Signale zu erkennen?
Menschen aus dem privaten Umfeld können der erkrankten Person zuhören, zuhören, nochmal zuhören und dabei Geduld und Verständnis zeigen. Es gibt natürlich noch weitere Möglichkeiten, zu helfen. Hier würde ich gern auf unseren Pocketguide "Lebensmüde" verweisen, in dem wir kurz die Fakten, die Vorurteile, die Signale und Hilfsadressen bei Suizidgedanken aufführen. (Anm.: Den Guide kann man über folgende Website bestellen: www.frnd.de)

Auch ungünstige Arbeitsbedingungen durch Leistungsdruck, permanenten Stress oder Konflikte mit dem Chef können eine Depression begünstigen. Wie offen sollten Betroffene mit ihrer Krankheit am Arbeitsplatz umgehen?
Wir haben die Vision von einer aufgeklärten Gesellschaft, in der offen über psychische Krisen gesprochen wird. Und in der Betroffene auf ein gutes Netzwerk und schnelle Hilfe zurückgreifen können. Die Energie, die Betroffene teilweise aufbringen müssen, um ihre Krankheit zu verbergen, kann viel sinnvoller genutzt werden. Depressionen sind behandelbar, man muss sie nur rechtzeitig erkennen. Alles Angestaute und Unterdrückte kann nur nach hinten losgehen. Was ungünstige Arbeitsbedingungen angeht, kann ich immer wieder nur auf die Aufklärung hinweisen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten über gesundheitsfördernde Faktoren verfügen, zu denen unter anderem auch soziale Kompetenz sowie klärende Gespräche oder Konfliktbewältigungsstrategien gehören.

Warum Manager so oft die Krankheit übergehen
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