Buchmesse Leipzig Welche Wirtschaftsbücher sich lohnen – und welche nicht

Trump, Digitalisierung und das vermeintliche Ende der Banken: Wir haben für Sie die Wirtschaftsbücher des Frühjahrs gelesen und bewertet.
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Kritik an den Banken gibt es schon lange - aber brauchen wir sie wirklich nicht mehr? Quelle: dpa
Die Frankfurter Skyline

Kritik an den Banken gibt es schon lange - aber brauchen wir sie wirklich nicht mehr?

(Foto: dpa)

Plädoyer für eine Welt ohne Banken
Es ist ein tolles Buch von einem Autor, den es so nicht gibt: Jonathan McMillan ist ein Pseudonym, hinter dem ein Banker steckt, der unerkannt bleiben möchte. Sein Buch „Das Ende der Banken“ (Campus Verlag) hat er zusammen mit dem Journalisten Jürg Müller verfasst.

Der Subtitel „Warum wir sie nicht brauchen“ ist eine steile These, die aber systematisch begründet wird. Dass vermutlich jeder Akteur der Finanzbranche Gegenargumente vorbringen könnte, tut der Relevanz dieses Buches keinen Abbruch.

Das ist zu komplex, um als Bettlektüre zu taugen, aber viel effizienter kann man die komplexe Materie wohl nicht zusammenfassen. Nicht nur für Akteure der Finanzindustrie lohnenswert!

Die Chinesen besser verstehen lernen
Ein Psychogramm zu schreiben, ist stets ein schwieriges Unterfangen. Und so ganz sind Stefan Baron und seine Frau Guangyan Yin-Baron ihrem Vorhaben nicht gerecht geworden.

Das Buch „Die Chinesen“ (Econ Verlag) hilft, die Weltmacht und ihre Akteure besser zu verstehen. Aber der ehemalige Wirtschaftswoche-Chefredakteur geizt an einigen Stellen mit kritischer Distanz. Wer das weiß, kann aber viel Neues lernen und versteht die Chinesen nachher besser.

Wolfgang Hirn ist ein bekannter Kenner des Reichs der Mitte – nun hat er sein drittes Buch darüber geschrieben: In „Chinas Bosse“ (Campus Verlag) stellt der Publizist die wesentlichen Unternehmen des Landes und ihre Gründer vor.

Ohne Schnickschnack erklärt Hirn die Unterschiede zwischen den Generationen und wo Staats- bzw. private Unternehmen anders ticken. Absolut lesenswert. Wer sich für China interessiert, braucht sich zwischen den beiden Werken nicht zu entscheiden – sie ergänzen sich (vermutlich unbeabsichtigt) optimal.

Reinhard Sprenger sieht, was den Unterschied macht
Das Schlechteste an diesem Buch ist der Titel: „Radikal digital“ (DVA Verlag) klingt nicht nach einem „must have“. Wie gut, dass darüber ja noch der Name des Autoren steht. Reinhard Sprenger steht für Bücher, die Managern helfen. Punkt. Und das in einer beeindruckenden Konstanz.

Die Financial Times nennt Sprenger „den einzigen deutschen Management-Guru, der diesen Titel auch verdient“. Da Fredmund Malik Schweizer ist, kann man das so stehen lassen.

Sprengers neues Buch beginnt mit dem Hinweis, dass „viele Vorschläge dieses Buches nicht neu sind, aber auch kein bisschen veraltet“. Beides ist richtig.

Der Management-Guru überzeugt auch mit seinem neuen Buch. Quelle: PR
Reinhard K. Sprenger

Der Management-Guru überzeugt auch mit seinem neuen Buch.

(Foto: PR)

Wer wichtige Passagen anstreicht, braucht weit vor Ende der gut 250 Seiten einen frischen Kuli. Sprenger schreibt auf den ersten Blick nichts Aufregendes: Wer sein Unternehmen fit machen will für die Digitalisierung, sollte den Menschen in den Vordergrund stellen. Er fordert die Wiedereinführung der drei Ks: Kunden, Kooperation und Kreativität.

Spannend wird es in den 111 Unterkapiteln, wenn es ins Detail geht. Hier bietet Sprenger immer wieder Überraschendes. Kleine Wahrheiten, die provozierend wirken, weil Unternehmer häufig das Gegenteil tun. Aber die Begründungen des Autors sind eben auch überzeugend logisch. Kurzum: Manager, bitte zugreifen!

Wenn die Elite keine Power hat
Evi Hartmanns „Ihr kriegt den Arsch nicht hoch“ (Campus Verlag) ist eine positive Überraschung. Dieses tolle Buch hätte einen derart prolligen Titel gar nicht nötig.

Hoffentlich sorgt er wenigstens für die berechtigte Beachtung in den Regalen der Büchereien sorgen wird. Denn die BWL-Professorin zeigt, wie praxisnah sie forscht und arbeitet. Die Probleme, die sie offen anspricht, sind gelebte Realität. Dazu kommt ein verständlicher Sprachstil mit Zitaten, die man gern in Stein meißeln würde.

Evi Hartmanns stellt in ihrem Buch die These auf, dass es zwei Sorten von Elite gibt: Die, die nichts (mehr) schaffen und die Leistungselite. Menschen aus letzterer finden sich auf allen Hierarchie-Ebenen und Branchen.

Es gäbe eine „grassierende Leistungsverweigerung in unserer Gesellschaft“ und viele Leute, die „nicht das leisten, was sie zu leisten imstande sind“. Klingt evident, aber die Autorin präzisiert den Unterschied detailgetreu zwischen denen, die nicht mehr können, und solchen, die sich schlicht mit Durchschnitt und „weiter so“ zufrieden geben.

Sie definiert den Begriff „Elite“ neu und trennt die Leistungs-Elite von der Pseudo-Elite, auch Elitisten genannt. Dafür greift sie auf glaubwürdige Quellen zurück – beispielsweise Wissenschaftler, die belegen, dass immer weniger Menschen Verantwortung übernehmen wollen. Klar benennt Hartmann, wie man Elitist wird – sei es durch das Bildungssystem oder einen miesen Chef.

Kleine Schwachpunkte dieses enorm lesenswerten Buches: Ein Vergleich mit dem Ausland hätte vielen Leser eine zusätzliche Einordnung geboten. Gibt es das Phänomen in anderen Ländern genauso, anders oder gar noch schlimmer? Schließlich läuft es in deutschen Unternehmen so schlecht ja nicht – trotz des Eliten-Problems.

Organisation im digitalen Zeitalter
Drei Professorinnen von der TU Dortmund haben sich zusammengetan und eine wahre Fleißarbeit in ein gelungenes Buch münden lassen: „Digital Work Design“ (Campus Verlag) klingt erstmal nicht fetzig. Doch das Thema ist brandaktuell.

Im Zentrum des Buches stehen die fünf großen Themen der Unternehmensführung: Umgang mit der VUCA-Welt, neue Formen von Teamarbeit, demokratischere Organisationen, Beziehungen neu denken und Gesundheitsaspekte in den Mittelpunkt zu rücken.

Bei der Lektüre bleibt eine Menge hängen. Darüber hinaus liefern die Autorinnen brauchbare Checklisten zur Anwendung.  

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    4. Friedrich August von Hayek: Der Weg zur Knechtschaft
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