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Effizienzwahn im Büro Warum Optimierung nicht optimal ist

Der Optimierungswahn hat Deutschland fest im Griff. Ständig erscheinen Bücher, die uns sagen, wie wir mehr Aufgaben in kürzerer Zeit schaffen. Effizienz kann sinnvoll sein – aber nicht grundlegend für die Karriere.
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Fleißig und effizient arbeiten macht noch lange keine Karriere aus. Quelle: Getty Images

Fleißig und effizient arbeiten macht noch lange keine Karriere aus.

(Foto: Getty Images)

Düsseldorf Am Ende will Christiane Stenger noch raus aus der Optimierungsschublade. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erklärte die Buchautorin vor kurzem, wie wir unser Gehirn austricksen können. Doch trotz der Tipps, die sie für die Selbstorganisation gibt, ist ihr auch eins wichtig: „Mein Buch soll kein Optimierungsbuch sein.“ Es gehe nicht darum, dass alles immer höher, schneller, weiter sein müsse.

Wer sich in Deutschlands Buchhandlungen umschaut, stellt fest, dass diese Haltung ungewöhnlich ist. Ratgeber wie „Effizienter arbeiten“, „So organisieren Sie Ihren Büroalltag“ oder „So optimieren Sie Ihre Gedächtnisleistung“ legen uns nahe, dass wir nur ein bisschen mehr in derselben Zeit schaffen müssen, um Erfolg zu haben und Karriere zu machen. Besser organisieren, zielgerichteter arbeiten, mehr Leistung in kürzerer Zeit erbringen, Schwächen ausbügeln – dann kommt die Beförderung schon von alleine.

Doch Stenger ist nicht die Einzige, die nicht an diese Formel glaubt. Dem Optimierungswahn aus Ratgebern, Fortbildungsangeboten und persönlichen Zeitmanagementberatern stellen sich immer mehr Experten entgegen. Sie meinen: Effizienz ist nicht der Schlüssel zum Erfolg. Ganz im Gegenteil – Optimierung kann bei der Karriere sogar hinderlich sein.

Tipps, wie wir der E-Mail-Flut Herr werden, bei Meetings schnell auf den Punkt kommen oder diszipliniert an einem Projekt arbeiten, helfen natürlich weiter. Schließlich sparen diese Anregungen Zeit und geben uns so mehr Raum für andere Projekte.

Aber anders als oft kolportiert gehört den Fleißigen nicht die Welt. „Leistung ist die Grundlage für einen Job“, erklärt der Professor Michael Hartmann, der an der TU Darmstadt forscht. Doch: „Es ist nicht die entscheidende Grundlage für den Aufstieg.“ Das liege wesentlich daran, dass Leistung nicht objektiv messbar sei, so Hartmann. Nur, weil ein Mitarbeiter zum Beispiel drei Projekte weniger schafft als der Kollege, heißt das nicht zwingend, dass der Kollege mehr leistet.

Diese Erfahrung hat auch Dorothea Assig gemacht. Sie berät gemeinsam mit Dorothee Echter Führungskräfte im Top-Management. „Es mag manchmal leichter sein, wenn jemand gut organisiert ist, aber es gibt keinen Menschen, der wegen seiner Selbstoptimierung eine Top-Position errungen hat“, sagt sie im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Auch der disziplinierteste Mitarbeiter darf sich nicht automatisch Hoffnungen auf den Spitzenposten machen. Disziplin spielt nach Meinung von Professor Hartmann keine zentrale Rolle beim Aufstieg. „Diszipliniert sind Leute auf allen Ebenen – vom Feuerwehrmann über die Krankenschwester bis hin zum Top-Manager“, sagt er. Aber viel Arbeit ist kein Grund für eine Beförderung.

Kurzum: Wenn es um die Karriere geht, ist Effizienz überbewertet. Der Organisationskünstler oder Fleißkärtchensammler wird nicht automatisch der nächste Chef.

Selbstlob stinkt? Selbstlob hilft!
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