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Autoindustrie Prüfkonzern Dekra fordert Transparenz bei den Auto-Daten

Dem Dekra-Chef reicht eine Hauptuntersuchung alle zwei Jahre künftig nicht mehr: Nach Softwareupdates sollen Autos stichprobenartig geprüft werden.
07.12.2020 - 06:19 Uhr Kommentieren
Der Dekra-Chef investiert in die Digitalisierung. Bei Softwaretests will er den Autokonzernen nicht hinterherhinken. Quelle: obs
Stefan Kölbl

Der Dekra-Chef investiert in die Digitalisierung. Bei Softwaretests will er den Autokonzernen nicht hinterherhinken.

(Foto: obs)

Stuttgart Dekra-Chef Stefan Kölbl lässt bei der wachsenden Vernetzung von Fahrzeugen ein wichtiges Zukunftsthema keine Ruhe: „Wir fordern einen diskriminierungsfreien, unabhängigen Zugang zu sicherheits- und umweltrelevanten Fahrzeugdaten“, sagt Kölbl. „Ohne sie lassen sich der ordnungsgemäße Zustand und die Sicherheit der Fahrzeuge in Zukunft nicht mehr garantieren.“

Der Chef des größten nicht-börsennotierten Prüfkonzerns propagiert ein Treuhändermodell zur sicheren Sammlung und Verwertung von Daten im Sinne des Verbraucherschutzes. Der direkte Zugang von neutraler Seite ohne Umweg über die Server der Autohersteller schaffe Vertrauen, das langfristig allen Seiten nutzen würde.

„Wenn Fahrzeuge permanent ,Over-the-Air, also drahtlos, Softwareupdates erhalten, die Einfluss auf das Fahrverhalten des Fahrzeugs haben, wird eine Hauptuntersuchung alle zwei Jahre nicht mehr ausreichen“, betonte Kölbl. Dann müsse es auch zwischendurch zumindest Stichproben-Prüfungen geben.

Was technisch klingt, hat einen sehr ernsten Hintergrund. Die Fahrzeuge verfügen über immer mehr Assistenzsysteme, bei denen sie Aufgaben übernehmen, die zuvor der Fahrer erledigt hat.

Bei Unfällen werden häufig in Gerichtsprozessen Dekra-Gutachter bestellt. Doch ohne Zugang zu den Fahrzeugdaten lässt sich nicht ermitteln, ob der Fahrer oder ein Softwarefehler des Autoherstellers schuld an einem Unfall war. Bislang müssen die Hersteller diese erst auf gerichtlichen Beschluss offenlegen. „Das ist sehr langwierig und kompliziert“, bemängelt Kölbl.

Hersteller wollen Daten möglichst geheim halten

Was der Dekra-Chef nicht sagt, aber ein Brancheninsider verrät: Bei diesem Verfahren ist nicht sicher, ob die Hersteller dann wirklich alle relevanten Daten preisgeben. „Es ist auch schon vorgekommen, dass aus unerfindlichen Gründen plötzlich Softwaredokumentationen oder relevante Teile davon nicht mehr da waren“, sagt der Branchenkenner. Seit dem Dieselskandal gebe es kein grenzenloses Vertrauen mehr in die Autohersteller.

Diese hüten ihre Daten strikt, stets mit dem Verweis auf Geschäftsgeheimnisse. Die Mobilitätsdaten können kommerziell genutzt werden. Deshalb sind auch die Tech-Giganten wie Google oder Amazon stark an diesen Daten und deren Auswertung interessiert.

Den Prüforganisationen wie Dekra geht es allerdings ausschließlich um eine sicherheits- und umweltrelevante Auswertung. „Das visionäre Treuhändermodell ist ein wichtiger Baustein für die Verkehrssicherheit und den Verbraucherschutz der Zukunft“, erklärte Kölbl mit Verweis auf die vor einem Jahr gestartete „Trust Center-Initiative, die auch von weiteren Prüforganisationen wie dem Tüv unterstützt wird.

Beispielsweise werden solche Daten schon dann gebraucht, wenn es in Zukunft um die Zulassung von Shuttlesystemen ohne Fahrer geht. Kölbl weiß allerdings, dass die Widerstände groß sind. Die Initiative der Bundesregierung, einen „Datenraum Mobilität“ aufzubauen und Druck auf die Autokonzerne auszuüben, begrüßt Kölbl.

Autofahrer sind schlecht informiert

Unterdessen ist vielen Autofahrern die Brisanz des Themas Datensicherheit noch nicht bewusst. Nach einer von der Dekra in Auftrag gegebenen Umfrage unter mehr als 1.000 Autofahrern sagte weniger als ein Viertel der Teilnehmer, sie hätten sich bereits darüber informiert, welche Daten aus ihrem Auto gesammelt und gespeichert werden.

Nur 18 Prozent der Befragten machen sich große Sorgen, dass ihre Fahrdaten von unberechtigten Personen eingesehen und missbräuchlich verwendet werden könnten. Allerdings sind 88 Prozent der Befragten der Meinung, dass der Fahrzeugbesitzer entscheiden sollte, was mit den Fahrzeugdaten geschieht.

Die Dekra investiert kräftig in Softwarekapazitäten, um bei der Prüfung und Zertifizierung von Software mit den Entwicklungsabteilungen der Autokonzerne mithalten zu können. Der Löwenanteil der Investitionen von 120 Millionen Euro floss in diesem Jahr in die Digitalisierung, sagt Kölbl. Knapp 800 Software-Stellen wurden geschaffen. Seit Anfang 2020 baut die Dekra ein Zentrum für Künstliche Intelligenz, in dem Erfahrungen beim Management von Schadenfällen gesammelt werden.

Beim Thema Datenanalyse schaut das Unternehmen auch nach China. Dort wurde mit einem chinesischen Partner ein hochmodernes Testzentrum für die Prüfung von Schlüsseltechnologien rund um drahtlose Kommunikation, Konnektivität, Künstliche Intelligenz, Geoinformationssysteme und Cybersecurity aufgebaut.

Bis 2025 will die Dekra ihr komplettes Dienstleistungsportfolio digitalisiert haben. „Covid-19 hat diesen Transformationsprozess weiter beschleunigt“, sagt Kölbl. Allerdings hat die Pandemie im Geschäftsjahr 2020 auch den seit 16 Jahren andauernden Wachstumskurs beendet. Der Umsatz wird voraussichtlich um rund 200 Millionen Euro auf etwa 3,2 Milliarden Euro sinken.

Kölbls Jahresbilanz fällt dennoch positiv aus: „Wir sind bei Corona mit einem blauen Auge davongekommen.“ Das Unternehmen werde einen deutlichen operativen Gewinn erzielen, wenn auch nicht so hoch wie im Vorjahr, als das Ebit bei 227 Millionen Euro lag.

Bei den Autoprüfungen hat die Dekra ihre führende Position in Deutschland behauptet. Jedes dritte Fahrzeug wird von der Dekra unter die Lupe genommen. Weltweit sieht sich die Dekra mit 27 Millionen Fahrzeugprüfungen ebenfalls als Marktführer.
Für 2021 rechnet Kölbl mit einer Rückkehr auf den Wachstumspfad. Dabei speist sich sein Optimismus aus der Erholungstendenz der vergangenen Monate.

Mehr: Datenschatz Verkehr: VW und Daimler wollen die Pläne der Kanzlerin unterstützen.

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