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Autovermieter Sixt macht durch Corona Verlust – und übernimmt Stationen von US-Konkurrenz

Auch an Sixt geht die Coronakrise nicht spurlos vorbei. Um nach der Pandemie wieder zu wachsen, setzt der Autovermieter auf neue Kundschaft in den USA.
13.08.2020 - 13:17 Uhr Kommentieren
Sixt-Aktie im Plus: Autovermieter übernimmt Stationen von Konkurrenz Quelle: dpa
Leihstation in München

Vor allem das reduzierte Geschäft an den Flughäfen macht Sixt Probleme. Neue Standorte in den USA sollen nun Abhilfe schaffen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Erich Sixt lässt sich so schnell nicht unterkriegen, auch vom Coronavirus nicht. „Krisen kommen und gehen. Es gibt keinen Grund dafür, in tiefe Depression zu verfallen“, sagte der inzwischen 76-jährige Vorstandschef des gleichnamigen Münchener Autovermieters am Donnerstag in einem Pressegespräch. Die Halbjahresbilanz der Sixt SE ist zwar erwartet schlecht ausgefallen. Doch Erich Sixt sieht gute Chancen für eine Aufwärtsbewegung.

Der Stillstand im Frühjahr hat auch Deutschlands größten Autovermieter schwer getroffen. Erich Sixt spricht selbst von einer „weltweiten Katastrophe“. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres ist der Umsatz um gut 36 Prozent auf 717 Millionen Euro eingebrochen. Aus dem Vorsteuergewinn von 113 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2019 ist durch die Coronakrise jetzt ein Verlust von fast 123 Millionen Euro geworden.

Sixt hat seine Eigenkapitalquote allerdings noch einmal leicht auf 23,9 Prozent steigern können. Dazu hat auch die Trennung von der eigenen Leasingtochter beigetragen, durch die das Unternehmen gut 160 Millionen Euro eingenommen hat. Im Mai hatte Sixt zudem mit mehreren Banken einen Konsortialkredit über 1,5 Milliarden Euro abgeschlossen. Diese Kreditlinie sei bislang nicht in Anspruch genommen worden, erklärt das Unternehmen.

„Es hätte alles noch viel schlimmer kommen können, wie man bei unseren Wettbewerbern sehen kann“, meinte Sixt. Der Vorstandschef spielte damit vor allem auf den großen US-Konkurrenten Hertz an, der im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie Insolvenz anmelden musste.

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    Sixt hat im Frühjahr damit begonnen, die Kosten überall im Unternehmen drastisch zu reduzieren. Das ging am schnellsten bei der Fahrzeugflotte. Zu normalen Zeiten hat der Münchener Vermietkonzern mehr als 140.000 Fahrzeuge im Bestand. Daraus sind in den ersten sechs Monaten durchschnittlich 116.000 Autos geworden. Weil die Produktion in den großen Fahrzeugwerken ruhte, hätten sich die Autohersteller auch schnell auf ein vermindertes Liefervolumen eingelassen, sagte Erich Sixt.

    Geschäfte laufen nur an wenigen touristischen Hotspots gut

    Die Personal- und Sachkosten will der Sixt-Konzern in diesem Jahr um etwa 150 Millionen Euro senken. 100 Millionen seien davon schon zum Halbjahr erreicht worden, betonte Sixt. Entlassungen habe es beim Münchener Unternehmen kaum gegeben. Der Autovermieter setzt vor allem auf Kurzarbeit. Wenn sich das Geschäft weiter belebe, könnten die Stationen nach und nach wieder geöffnet werden – und dafür brauche der Konzern Personal.

    Erich Sixt glaubt an die Rückkehr des Vermietgeschäfts. Das gelte besonders für die USA. Deshalb haben die Münchener zehn Flughafenstationen des kleineren insolventen US-Anbieters Advantage übernommen. Dazu gehören beispielsweise Flughäfen in New York City, Boston, Denver und Honolulu. Zu einem vergleichsweise günstigen Preis aus der Insolvenzmasse habe Sixt damit einen Vermietmarkt mit einem Volumen von 3,4 Milliarden US-Dollar gekauft.

    „Klar, im Moment läuft da nicht viel“, betonte Sixt. „Aber wir sind fest überzeugt davon, dass die Nachfrage wiederkommt.“ In den USA könne die Bevölkerung wegen der großen Entfernungen nicht auf das Flugzeug verzichten – und entsprechend werde es auch in Zukunft den Bedarf für Mietwagen geben.

    In einem Punkt hat sich Erich Sixt allerdings verschätzt. Sein Unternehmen kalkulierte noch im Frühjahr damit, dass sich das Flughafengeschäft vergleichsweise schnell im zweiten Halbjahr wieder erholen werde. Um etwa 90 Prozent war das weltweite Passagieraufkommen auf dem Höhepunkt der Coronakrise eingebrochen – eine Katastrophe auch für die Autovermietungen.

    Die Erholung auf den Flughäfen wird jedoch länger dauern und ist auch im Detail kaum kalkulierbar. Mit jeder neuen Reisewarnung kann Sixt auch gleich wieder eine Flughafenstation schließen. „So wie uns das in Barcelona getroffen hat“, berichtet Erich Sixt. Nur an einigen wenigen touristischen Hotspots laufen die Geschäfte des Münchener Unternehmens gut. Sixt nannte die Flughäfen auf Mallorca, Sardinien und an der französischen Mittelmeerküste.

    Sixt-Aktie im Minus

    Die Sixt SE hat wegen der schleppenden Erholung an den Flughäfen von ihrer ursprünglichen Frühjahrsplanung aus dem März Abstand nehmen müssen und verzichtet deshalb auf eine Prognose für dieses Jahr. Einen Ausblick auf die Geschäftsentwicklung im Jahr 2021 könne es deshalb gleichermaßen nicht geben. „Die Verhältnisse ändern sich von Tag zu Tag, nichts ist mehr kalkulierbar“, so Erich Sixt. Noch sei die Furcht in der Bevölkerung groß, sich in einem Flugzeug anzustecken.

    Besser laufen die Geschäfte aus Sixt-Sicht in den Städten, wo das Unternehmen zu normalen Zeiten etwa 60 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet. „In Berlin liegen wir sogar über dem Vorjahr“, sagte Erich Sixt. In den Städten gebe es so etwas wie Normalisierung, und der Autovermieter lasse die Krise dort hinter sich.

    Die Sixt SE ist mit ihrer Aktie im Kleinwerteindex SDax vertreten. Bis zum Mittag reagierte das Papier kaum auf die Ankündigungen des Unternehmens und lag mit rund 0,7 Prozent im Minus. Nach dem Tiefpunkt im März hat sich die Sixt-Aktie wieder deutlich erholt.

    Mehr: Alexander Sixt: „Wir säen jetzt die Samen für neues Wachstum“

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