Baukonzern im Umbruch Katar trennt sich zaghaft von Hochtief

Das Emirat trennt sich von rund zehn Prozent der Anteile beim größten deutschen Baukonzern Hochtief. Der spanische Mehrheitseigener ACS kauft zu – und festigt seinen Zugriff auf Deutschlands größten Baukonzern.
Das Emirat Katar verkauft rund zehn Prozent seiner Hochtief-Anteile – und steigt damit aus Deutschlands größtem Baukonzern aus. Quelle: Reuters
Hochtief

Das Emirat Katar verkauft rund zehn Prozent seiner Hochtief-Anteile – und steigt damit aus Deutschlands größtem Baukonzern aus.

(Foto: Reuters)

Das Emirat Katar steigt beim größten deutschen Baukonzern Hochtief aus. Es verkauft rund zehn Prozent der Hochtief-Anteile. Der spanische Mehrheitseigner ACS nutzt diesen Ausstieg zum Kauf weiterer Aktien und baut seinen Einfluss auf den Essener Baukonzern inklusive der australischen Tochter Cimic weiter aus.

Nach Angaben der Qatar Investment Authority hat die Investmentgesellschaft des Emirats hat Hochtief-Anteile für 77 Euro je Aktie platziert. Einen „signifikanter Anteil“ davon sei an einen einzelnen strategischen Anteilseigner gegangen, hieß es weiter. Dabei handelt es sich um ACS, denn der Konzern teilte mit, er habe sich weiter 5,84 Prozent der Hochtief-Anteile gesichert.

Hochtief hatte Katar im Jahr 2010 mitten in der Abwehrschlacht gegen ACS an Bord geholt. Für das Emirat zahlt sich das Engagement nun aus: Damals musste es 57 Euro pro Aktie bezahlen, nun bekommt es 77 Euro. Das Manöver hatte Hochtief damals übrigens nicht geholfen, die Übernahme durch ACS abzuwehren. Der spanische Konzern mit Florentino Perez an der Spitze, der auch Chef des Fußball-Klubs Real Madrid ist, sicherte sich nach einem harten Übernahmekampf die Mehrheit. Zuletzt hielten die Spanier 60,70 Prozent der Aktien, jetzt ist der Anteil nach ACS-Angaben auf 66,54 Prozent gewachsen.

Ein Baukonzern berappelt sich
Manager seit 2012
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Knapp drei Jahre nach der Übernahme durch die spanische ACS ist Hochtief auf einem guten Weg. Weil sich der Baukonzern derart gut entwickelt, hat Chef Marcelino Fernandez Verdes kürzlich beteuert, dem Unternehmen die Treue halten zu wollen. „Ich bin stolz auf Hochtief und möchte noch lange in diesem wunderbaren Unternehmen arbeiten“, sagte der spanische Manager. ACS hatte Fernandez Verdes im November 2012 nach einer erbitterten Übernahmeschlacht um Hochtief nach Essen entsandt. Seitdem trimmt der Manager Hochtief auf Profit. Das sind seine wichtigsten Projekte, die er verantwortet.

Stage Theater an der Elbe, Hamburg
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Für den Theaterbetreiber Stage Entertainment hat Hochtief ein Musicaltheater für 1800 Gäste im Hamburger Hafen gebaut. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit läuft hier seit November 2014 „Das Wunder von Bern“.

Landesarchiv NRW, Duisburg
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Das NRW-Landesarchiv ist ebenfalls fertiggestellt. Es besteht aus einem revitalisierten ehemaligen Speichergebäude und einem wellenförmigen Neubau. Das Mitte 2013 eingeweihte größte Archiv Europas bietet 134 Kilometer Regalplatz.

Autobahn 5, Wien
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Die 51 Kilometer lange Nordostumfahrung Wiens auf der A5 ist das erste Straßenprojekt, das in Österreich als öffentlich-private Partnerschaft entstand. Es wurde 2010 nach drei Jahren Bauzeit fertiggestellt. Hochtief PPP Solutions war bei Planung, Finanzierung und Bau in einem Konsortium mit einem österreichischen und einem französischen Partner federführend. Eine Projektgesellschaft wird die Strecke bis 2039 betreiben.

Rethebrücke, Hamburg
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Neubau der Retheklappbrücke, mit einer Spannweite von 104,2 Metern eine der größten Klappbrücken Europas. Die Arbeiten starteten 2011 und sollen noch  2015 abgeschlossen werden. Als Hauptstraßenverbindung des inneren Hafengebiets nach Süden ist die Brücke eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte im Hafen der Hansestadt. Durch die Klapptechnik der Brücke können der Schiffsverkehr sowie der Bahn- und Straßenverkehr künftig besser fließen.

Lake Champlain Bridge, Essex County, New York
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Die Lake Champlain Bridge verbindet seit 2011 Gemeinden in den Bundesstaaten New York und Vermont. Hochtief-Tochter Flatiron baute sie als Ersatz für eine in die Jahre gekommene Brücke. Das neue, knapp 670 Meter lange Bauwerk erspart den Nutzern einen 160 Kilometer langen Umweg oder eine einstündige Fahrt mit der Fähre.

Gotthard-Tunnel, Schweiz
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Der Gotthard-Basistunnel verbindet den Kanton Uri im Norden mit dem Tessin im Süden und soll 2016 nach dem bahntechnischen Ausbau für Personen- und Güterzüge freigegeben werden. Die Tunnelbauexperten von Hochtief haben gemeinsam mit Partnern bereits die beiden südlichen Lose des Gotthard-Basistunnels im Rohbau erstellt. Der Gotthard-Tunnel ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt.

Inzwischen dürften die Hochtief-Mitarbeiter mit der Übernahme durch die Spanier gar nicht mehr so unglücklich sein. Der von ACS entsandte Unternehmenschef Marcelino Fernandez Verdes hatte dem Konzern nach seinem Antritt im November 2012 einen tiefgreifenden Umbau verordnet und zahlreiche Beteiligungen wie Flughäfen, Immobilienunternehmen oder die australische Tochter John Holland verkauft. Er will das Unternehmen auf das klassische Baugeschäft konzentrieren und geht damit einen anderen Weg als Konkurrent Bilfinger, der vor allem auf Dienstleistungen setzt.

Gemeinschaftsprojekte mit der öffentlichen Hand zur Sanierung maroder Infrastruktur „sind eine Chance, unsere Position in Deutschland auszubauen“, sagte Konzernchef Fernandez Verdes vor kurzem. Wenn weitere PPP-Aufträge eingingen, dann sei Hochtief bereit, in Deutschland Personal aufzubauen. Schon jetzt wolle der Konzern in diesem Jahr 55 junge Ingenieure einstellen.

Bald könnte die Beteiligung von ACS an Hochtief noch weiter steigen: Hochtief hatte angekündigt, bis Ende 2015 bis zu 6,92 Millionen eigene Anteilsscheine zurückkaufen zu wollen. Das entspricht bis zu zehn Prozent des Grundkapitals. Zieht das Unternehmen die eingesammelten Aktien dann ein, profitieren die Anteilseigner rund um ACS – und die Spanier könnten ihren Zugriff weiter festigen. Insidern zufolge könnten sie dann unter der Schwelle von 75 Prozent liegen. Auch bei der australischen Hochtief-Ertragsperle Cimic haben die Spanier das Sagen: Hochtief hält derzeit knapp 70 Prozent der Cimic-Anteile. Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes hat auch bei Cimic den Posten an der Spitze inne und pendelt regelmäßig zwischen Sydney und Essen.

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