Razzia im Jahr 2009

Vor fast zehn Jahren musste die Colonial Bank von der Finanzaufsicht gerettet werden.

(Foto: Imago)

Bilanzskandal Rekordstrafe für PwC wegen Bankenkollaps weckt Ängste in der Beraterbranche

Die Firma soll Mitschuld am Zusammenbruch einer Bank tragen. Es ist nicht der erste Skandal der „Big Four“ – eine solche Summe musste aber bisher keiner zahlen.
Kommentieren

DüsseldorfEs ist die bisher höchste Strafe gegen einen Wirtschaftsprüfer: Ein US-Gericht hat Marktführer Pricewaterhouse Coopers (PwC) im Verfahren um die Pleite einer US-Bank zu einer Schadensersatzzahlung von 625 Millionen Dollar an den amerikanischen Einlagensicherungsfonds verdonnert.

In dem Prozess ging es um Betrugsfälle bei der früheren US-Bank Colonial Group. Sie ist 2009 im Zuge der Finanzkrise zusammengebrochen. Der amerikanische Einlagensicherungsfonds FDIC musste einspringen, was bisher 4,2 Milliarden Dollar kostete.

Das Gericht gab PwC nun eine Mitschuld an dem Zusammenbruch, weil Mitarbeiter bei mehreren Bilanzprüfungen zwischen 2002 und 2009 das Betrugssystem nicht erkannt hatten. Damit habe PwC fahrlässig gehandelt, heißt es in der Urteilsbegründung. PwC wies die Vorwürfe zurück und bezweifelte den Schadensersatzanspruch der FDIC. Mehrere Colonial-Mitarbeiter hätten substanziell in die Testate eingegriffen. Die Gesellschaft will zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Revision gehen.

Firmen fürchten steigende Kosten

Der Betrug ging von einer Hypotheken-Gesellschaft aus, mit der die Colonial Bank eng zusammenarbeitete. Bei Colonial standen Kredite über 1,5 Milliarden Dollar in der Bilanz, die der befreundete Immobilienfinanzierer mit fiktiven Hypotheken abgesichert hatte. Mitarbeiter der Bank sollen ihm dabei geholfen haben.

Die Rekordstrafe für PwC sorgt in der Branche für Aufsehen und Kritik. Dabei fürchten die Prüfungsgesellschaften nicht nur um ihre Reputation: Bleibt das Urteil und die Höhe des Schadensersatzes im weiteren Verfahren bestehen, könnten die Prüfungskosten zukünftig deutlich steigen. Denn das Risiko derart hoher Strafen müsse bei den Aufträgen eingepreist werden, argumentierte ein Anwalt, der aufseiten der großen Wirtschaftsprüfer steht, in der „Financial Times“.

Verfahren und Klagen gegen die großen Prüfer sind nicht ungewöhnlich: Mal geht es um mögliche Fehler bei Bilanztestaten, mal um Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter. Die Gesellschaften sind bis zu einem gewissen Grad gegen die Folgen von Rechtsstreitigkeiten versichert.

Ob dieser Schutz bei PwC im aktuellen Fall ausreicht, ist jedoch noch unklar. Die betroffene US-Gesellschaft von PwC kam im vergangenen Geschäftsjahr auf knapp 17 Milliarden Dollar Umsatz, weltweit lag der Erlös bei 37,7 Milliarden Dollar.

Bisher markierte KPMG den Rekord mit einer Strafzahlung über 456 Millionen Dollar im Jahr 2005. Damit büßte die amerikanische Landesgesellschaft dafür, dass Mitarbeiter rechtswidrige Steuersparmodelle für vermögende Kunden entworfen hatten.

PwC musste ebenfalls schon einmal tief in Kasse greifen: Im Jahr 2007 zahlte die Gesellschaft 225 Millionen Dollar Schadensersatz an die Aktionäre des früheren US-Mischkonzerns Tyco. Auch hier ging es um massiven Betrug: Das Management des undurchsichtigen Firmengeflechts hatte Gewinne in Milliardenhöhe zu hoch ausgewiesen. PwC wiederum hatte dies nicht entdeckt.

In den meisten Fällen werden Verfahren aber mit vergleichsweise geringen Beträgen aus der Welt geräumt. So musste zuletzt KPMG in Großbritannien umgerechnet vier Millionen Dollar Strafe wegen Mängel bei der Prüfung einer Rechtsanwaltsgesellschaft zahlen.

PwC machte mit Oscar-Panne Schlagzeilen

Konkurrent EY legte 9,3 Millionen Dollar auf den Tisch, um einen Rechtsstreit um das Fehlverhalten dreier Angestellter zu beenden. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte moniert, dass die EY-Mitarbeiter zu enge private Beziehungen zu Managern von Kundenunternehmen hatten – es ging um Freundschaften und Liebesbeziehungen.

Den bisher bekanntesten Fall von Versagen lieferte wiederum PwC im vergangenen Jahr. Die Gesellschaft ist traditioneller Partner bei der Verleihung der Oscars. Ein PwC-Team zählt die Stimmen der mehr als 6000 Mitglieder der amerikanischen Film-Akademie aus und stellt die Gewinnerkarten für die Laudatoren der Preisverleihung aus.

Dabei gab es im Februar 2017 eine peinliche Panne: Der Musical-Film „La La Land“ wurde auf der Bühne fälschlicherweise zum besten Film gekürt, dabei hatte der Streifen „Moonlight“ die meisten Stimmen bekommen. Die PwC-Mitarbeiter hatten die Karten falsch ausgegeben. Finanzielle Folgen hatte der Fehler für die Prüfer nicht – es blieb beim Imageschaden.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Bilanzskandal - Rekordstrafe für PwC wegen Bankenkollaps weckt Ängste in der Beraterbranche

0 Kommentare zu "Bilanzskandal: Rekordstrafe für PwC wegen Bankenkollaps weckt Ängste in der Beraterbranche"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%