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Blue Origin Ablauf, Risiko, Symbolwirkung: Fünf Dinge, die Sie zu Jeff Bezos‘ Weltraumflug wissen sollten

Am Dienstag fliegt der reichste Mann der Erde ins All. Der frühere Amazon-Chef will beweisen, dass die Systeme sicher sind – und die Konkurrenz ausstechen.
20.07.2021 - 04:00 Uhr 2 Kommentare
Alle bisherigen Testflüge sind erfolgreich verlaufen. Nun sind erstmals Personen mit an Bord. Quelle: Blue Origin
Testflug der New Shepard

Alle bisherigen Testflüge sind erfolgreich verlaufen. Nun sind erstmals Personen mit an Bord.

(Foto: Blue Origin)

Denver Bereits am Samstag ist Jeff Bezos in Texas angekommen, um sich auf den großen Tag vorzubereiten. Für Dienstag ist der erste bemannte Weltraumflug seines Unternehmens Blue Origin vorgesehen.

Bezos, Amazon-Gründer und reichster Mann der Welt, wird mit an Bord sein. Die letzten Trainings sind absolviert. „Wir sind startklar“, erklärte Blue-Origins Chefingenieur Chris Yeager am Sonntag auf einer Pressekonferenz. Es gebe keine technischen Probleme.

Die wichtigsten Antworten zum geplanten Flug ins All:

1. Wie wird der Flug ablaufen?

Der Start ist für Dienstag, 8 Uhr am Morgen geplant (15 Uhr deutscher Zeit). Das Datum hat Bezos bewusst gewählt: Es ist der 52. Jahrestag der Mondlandung. Ohnehin wird das Vorhaben akribisch dokumentiert und inszeniert und dann über Bezos’ Instagram-Kanal veröffentlicht.

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    Die Trägerrakete New Shepard wird von der texanischen Wüste aus starten, nahe des 1800 Einwohner großen Orts Van Horn im Südwesten des Bundesstaates. Nach dem Start wird sie auf eine Geschwindigkeit von 3200 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Nach etwa drei Minuten löst sich die Kapsel von der Trägerrakete. Die Kapsel fliegt weiter und erreicht ihren höchsten Punkt in mehr als 100 Kilometern über dem Meeresspiegel.

    Grafik

    Vier Minuten lang werden Bezos und seine Begleiter Schwerelosigkeit erleben und den Blick auf die Erde genießen, bevor sie dann wieder in die Erdatmosphäre eintreten. Drei riesige Fallschirme sollen die Kapsel abbremsen und sanft zurück auf die Erde bringen. Insgesamt dauert der Flug nur elf Minuten.

    2. Wer fliegt mit?

    Jeff Bezos wird auf dem Flug von seinem Bruder Mark begleitet, den er als seinen besten Freund bezeichnet. Zwei weitere Personen werden mit an Bord sein: Mary Wallace Funk, eine prominente Pilotin und Ausbilderin, die schon in den 1960er-Jahren Astronautin werden wollte. Sie konnte zwar an den notwendigen Tests der Weltraumbehörde Nasa teilnehmen und schnitt sogar besser ab als ihre männlichen Mitstreiter. Dennoch verbot es die Nasa, Frauen ins All zu schicken. Funk ist mit 82 Jahren die älteste Person, die jemals einen Weltraumflug absolvieren wird.

    Zudem wird Bezos von dem 18-jährigen Niederländer Oliver Daemen begleitet. Er wird der jüngste Mensch sein, der ins All fliegt. Daemen ist der Sohn eines Private-Equity-Managers, der dank einer glücklichen Fügung am Dienstag mit ins All darf.

    Drei riesige Fallschirme sollen die Kapsel abbremsen und sanft zurück auf die Erde bringen. Quelle: Blue Origin
    Flug ins Weltall

    Drei riesige Fallschirme sollen die Kapsel abbremsen und sanft zurück auf die Erde bringen.

    (Foto: Blue Origin)

    Bezos hatte den Sitz im Juni versteigert. Der Gewinner, der anonym bleiben wollte, zahlte 28 Millionen Dollar für das Ticket. In der vergangenen Woche teilte Blue Origin jedoch mit, dass der Gewinner wegen eines „Terminkonflikts“ doch nicht an dem Flug teilnehmen, sondern ihn zu einem späteren Zeitpunkt nachholen werde. Das im Jahr 2000 von Bezos gegründete Raumfahrtunternehmen entschied sich daher, den zweithöchsten Bieter einzuladen: Oliver Daemen. Wie viel die Daemens für den Flug bezahlt haben, hat Blue Origin nicht öffentlich gemacht.

    Der Erlös der Versteigerung soll der Stiftung des Unternehmens zugutekommen, die nach eigenen Angaben Karrieren in Wissenschaft, Technologie und Mathematik fördert und Interesse an der Erkundung des Weltraums wecken will. An der Auktion haben 7600 Menschen aus aller Welt teilgenommen.

    3. Wie hoch ist das Risiko?

    Blue Origins Trägerrakete New Shepard hat seit 2015 insgesamt 15 erfolgreiche Testflüge absolviert. Jedoch sind nun zum ersten Mal Menschen an Bord. Dass Bezos jetzt schon mit dabei ist, soll signalisieren, wie sehr er den Systemen und den Ingenieuren seines Unternehmens vertraut.

    Doch Weltraumflüge sind immer riskant. „Das Risiko bei bemannten Weltrumflügen ist mehr als 10.000-mal höher als bei Flügen von kommerziellen Airlines“, heißt es in einer im vergangenen November veröffentlichten Studie des Center for Space Policy and Strategy an der George Washington University.

    Begleitet wurde Jeff Bezos von seinem Bruder Mark, der Pilotin Mary Wallace Funk sowie von Oliver Daemen, dessen Familie in einer Auktion den vierten Flugplatz gewonnen hatte. Quelle: Reuters
    Blick in die Rakete New Shepard

    Begleitet wurde Jeff Bezos von seinem Bruder Mark, der Pilotin Mary Wallace Funk sowie von Oliver Daemen, dessen Familie in einer Auktion den vierten Flugplatz gewonnen hatte.

    (Foto: Reuters)

    Es gibt jedoch ein Fluchtsystem. Sollte die Trägerrakete versagen, kann sich die Kapsel, in der die Passagiere sitzen, von der Blue Shepard lösen. Das System sei so ausgelegt, „dass es die Astronauten weg von der Rakete in Sicherheit bringt“, sagte Gary Lai, Manager der Blue Origin, in einem Video im April. Es wurde in den vergangenen Jahren dreimal in verschiedenen Höhen getestet.

    Bezos indes betont, er wolle sich mit dem Flug einen Lebenstraum erfüllen. „Die Erde vom Weltraum aus zu sehen, das verändert einen. Es verändert das Verhältnis zu diesem Planeten und der Menschheit“, sagte er in einem Instagram-Video. „Das wollte ich schon mein ganzes Leben lang machen. Es ist ein Abenteuer, und es bedeutet mir sehr viel.“ Bezos war erst vor wenigen Wochen als CEO des Onlineriesen Amazon zurückgetreten.

    4. Wie unterscheidet sich Blue Origin von Richard Bransons Flug?

    Richard Branson, Gründer des Weltraumunternehmens Virgin Galactic, flog bereits am 11. Juli als erster Zivilist mit einem Privatunternehmen ins All. Der britische Milliardär schrieb Geschichte und stahl Bezos damit die Show. Doch es gibt eine Reihe von Unterschieden zwischen den beiden Flügen.

    Bransons Raumschiff startete nicht vom Boden aus, sondern wurde von einem Trägerflugzeug auf 15 Kilometer Höhe gebracht und ausgeklinkt – um erst dort per Raketenmotor nach oben zu schießen. Die New Shepard dagegen startet wie eine klassische Rakete vertikal. Es gibt keine Piloten, alles funktioniert voll automatisiert. Die Kapsel, in der bis zu sechs Menschen Platz haben werden, hat zudem größere Fenster, wie Bezos’ Unternehmen betont.

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    Auch wird Bezos als Erster die sogenannte „Kármán-Linie“ überschreiten, die 100 Kilometer über dem Meeresspiegel liegt und von einigen Experten als wahre Grenzline zum All bezeichnet wird. Branson schaffte es nur auf 86 Kilometer Höhe.

    5. Was heißt das für den Raumfahrttourismus?

    Bransons Flug hat den Beginn des kommerziellen Raumfahrtzeitalters markiert. Neben Bezos will auch Unternehmer und Milliardär Elon Musk eine wichtige Rolle in der neuen und angesagten Branche spielen. Dessen Weltraumunternehmen SpaceX plant, ab September die ersten Touristen in die Umlaufbahn zu schicken. Alle Milliardäre haben ehrgeizige Ziele. Allerdings sind viele Fragen noch offen.

    Der britische Milliardär schrieb Geschichte und stahl Bezos damit die Show. Quelle: via REUTERS
    Richard Branson (l.) bei seinem Flug ins All

    Der britische Milliardär schrieb Geschichte und stahl Bezos damit die Show.

    (Foto: via REUTERS)

    2025 will Virgin Galactic fast 600 Millionen Dollar mit rund 400 Flügen umsetzen. Doch selbst für den Fall, dass sich ausreichend Kunden finden, erscheint das Ziel schwer erreichbar. Einer Analyse des Branchendienstes Paragon Intel zufolge braucht das Unternehmen dafür insgesamt acht einsatzbereite Raumgleiter. Derzeit testet Virgin Galactic mit der VSS Imagine aber nur einen weiteren.

    Virgin Galactic hat bereits mehr als 600 Reservierungen für künftige Flüge, die nach Unternehmensangaben rund 250.000 Dollar pro Ticket kosten sollen. Blue Origin hat noch keine Angaben über künftige Ticketpreise gemacht. Sicher ist jedoch, dass der Weltraumtourismus noch eine ganze Weile nur den wohlhabendsten Menschen der Welt zugänglich sein wird.

    Mehr: Das Zeitalter des Weltraumtourismus beginnt – jedoch nicht für Virgin Galactic

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    2 Kommentare zu "Blue Origin: Ablauf, Risiko, Symbolwirkung: Fünf Dinge, die Sie zu Jeff Bezos‘ Weltraumflug wissen sollten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Auch diejenigen, die als Touristen mitfliegen sind keinen "DEUT" besser.

      Aber immerhin noch besser, als Kriegswaffen zu verschenken.


    • Während die Normalbürger genötigt sind, ihr Scherflein an der CO2 Reduktion zu leisten, um unsere Erde zu schützen, erfinden andere den Raketentourismus. Ein Geschäftsmodell mit maximaler CO2 Belastung.
      Das passt nicht mehr in unsere Zeit, ist eine unnütze Verschwendung von Ressourcen, eine grobe Vergiftung der Atmosphäre. Ein wirklich effizienter Weg die Erde zu belasten, für den „Luxus“ einiger weniger.

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