Booking.com Zweifel am Verbot der Bestpreisklauseln

Das Bundeskartellamt versucht seit Jahren, die Macht der Hotelbuchungsportale zu beschneiden. Das Ziel: Hotels sollen mehr Freiheit bei der Preisfestsetzung haben. Jetzt hegt der Düsseldorfer Kartellsenat daran Zweifel.
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Die Entscheidung der Wettbewerbshüter, die Bestpreisklauseln in den Verträgen von Booking.com mit seinen Hotelpartnern als kartellrechtswidrig zu untersagen, sieht der Kartellsenat kritisch. Quelle: Reuters
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Die Entscheidung der Wettbewerbshüter, die Bestpreisklauseln in den Verträgen von Booking.com mit seinen Hotelpartnern als kartellrechtswidrig zu untersagen, sieht der Kartellsenat kritisch.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDeutschlands größtes Hotelbuchungsportal Booking.com kann im Streit mit dem Bundeskartellamt möglicherweise auf Rückendeckung durch das Oberlandesgericht Düsseldorf hoffen. Der Erste Kartellsenat des Gerichts signalisierte am Mittwoch in einer mündlichen Verhandlung Zweifel an der Entscheidung der Wettbewerbshüter, die Bestpreisklauseln in den Verträgen von Booking.com mit seinen Hotelpartnern als kartellrechtswidrig zu untersagen.

Der Hintergrund: Die Klausel von Booking.com sah vor, das der Zimmerpreis auf der hoteleigenen Website nicht niedriger sein durfte als das Angebot auf dem Buchungsportal. Das Bundeskartellamt sah darin eine unzulässige Einschränkung des Wettbewerbs und untersagte die Regelung. Booking.com legte dagegen Beschwerde beim Oberlandesgericht ein.

Das sind die besten Buchungsportale für Ihren Urlaub
Platz 20
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Amoma.com wirkt auf den ersten Blick sehr übersichtlich, bietet eine Supporthotline direkt auf der Startseite an, ermöglicht Gruppenreservierungen und einfache Währungsumrechnungen. Dennoch landet das Portal in der Studie auf dem letzten Platz, da es hier die teuersten Preise gibt. Das Skurrile ist: Amoma.com bietet anderswo die niedrigsten Preise. Doch neben Superschnäppchen gibt es Angebote, die dreimal so teuer sind wie die auf anderen Portalen. Die Zimmerbezeichnungen sind willkürlich und stimmen selten mit denen des Hotels überein. Hoteldetails und Bilder sind beim Schlusslicht Mangelware.

Platz 19
2 von 20

Die Suchmaske von Tui.com ist gut gestaltet. Doch der Anbieter gehört zu den teuersten der untersuchten Portale. Darüber hinaus ist nur die Nutzung der hauseigenen Tui-Kreditkarte kostenfrei. Möchte man eine andere Kreditkarte für die Bezahlung einsetzen, wird ein Aufpreis fällig. Ihn kann man nur durch die Auswahl des Lastschriftverfahrens als Zahlungsmethode umgehen.

Platz 18
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Zu den schlechteren Portalen gehört zudem die unübersichtliche Seite von Hotelsclick.com. Viel Werbung, fehlende Filteroptionen und die altmodische Darstellung lassen keine bessere Bewertung zu.

Platz 17
4 von 20

Ähnlich sieht es auch bei Otel.com aus, das auf Platz 17 gelandet ist. Ein weiterer großer Minuspunkt hier ist, dass erst nach Eingabe der Kreditkartendaten ersichtlich wird, wieviel die Nutzung des Zahlungsmittel kostet.

Platz 16
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Hoteltravel.com bietet keine ausreichenden Informationen zu den gewählten Hotels, zudem besteht großer Nachholbedarf bei den Such- und Filterfunktionen.

Platz 15
6 von 20

Mit Ab-in-den-urlaub.de bietet Kurz-mal-weg.de die drittbesten Preise in der Untersuchung. Dennoch reicht es nur für Platz 15. Es ist Vorsicht geboten. Das Portal gehört zur insolventen Leipziger Unister-Gruppe, die kürzlich vom tschechischen Investor Rockaway übernommen worden ist. Die Zukunft der Portale ist weiterhin ungewiss. Negative Punkte fallen belastend ins Gewicht, darunter die viele Werbung, die unübersichtliche Darstellung und die umständliche Eingabe der Reisedaten.

Platz 14
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RoomsXXL.de hingegen landet bei den meisten Kategorien auf einem der letzten Plätze. Die gute dritte Position im Bereich „Zahlungsmittel“ rettet das Portal aber schließlich doch noch etwas nach vorne.

Der Vorsitzende Richter des 1. Kartellsenats, Jürgen Kühnen, erklärte, das Gericht prüfe, ob es sich bei der Bestpreisklausel nicht um eine notwendige Nebenabrede in den Vereinbarungen mit den Hotelpartnern handele, um eine „illoyale Ausnutzung“ der Vermittlungsleistung von Booking.com durch die Partnerhotels zu verhindern.

Ohne eine solche Regelung könnten Hotels quasi als Trittbrettfahrer die Online-Plattform nutzen, um von den Zimmersuchenden wahrgenommen zu werden – dann jedoch die Gäste zur Buchung mit günstigeren Preisen auf die eigene Website locken, sagte Kühnen. Die Lebenserfahrung zeige, dass in der Regel der Preis darüber entscheide, wo am Ende gebucht werde. Und die Hotel-Website sei nur einen Klick vom Booking.com-Angebot entfernt. Der Vorsitzende Richter betonte allerdings auch ausdrücklich, die Entscheidung des Gerichts sei noch offen.

Booking.com-Anwalt Ingo Brinker griff die Argumentation des Senats auf und betonte, ein Verbot der Bestpreisklausel gefährde wegen der Möglichkeit des Trittbrettfahrens das Geschäftsmodell von Booking.com.

Wo der Städtetrip teurer oder billiger wurde
Platz 10: Köln
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Köln gehört zu den zehn Gewinnerstädten: Die Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16 steckten die Hoteliers in der rheinischen Domstadt besser weg als erwartet. Die Zimmerpreise stiegen 2016 um zwei Prozent auf durchschnittlich 104 Euro. Unerwartete Hilfe kam ausgerechnet aus der ungeliebte Nachbarstadt Düsseldorf. Deren Großmessen sorgten dafür, dass sich auch in Köln die Hotels füllten.

(Quelle: Hotelportal HRS)

Platz 9: Zürich
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Schon 2015 waren die Zimmerpreise in der Schweizer Bankenmetropole steil nach oben geschossen, weil sich der Franken gegenüber dem Euro stark verteuerte. 2016 setzten die Züricher Herbergsbetreiber noch einmal 2,4 Prozent oben drauf. Mit durchschnittlich 174 Euro pro Zimmer war die Stadt die teuerste Metropole Europas.

Platz 8: Madrid
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In Spaniens Hauptstadt macht sich der zarte Wirtschaftsaufschwung auch bei den Übernachtungspreisen bemerkbar. 2016 ging es um 3,2 Prozent nach oben – auf durchschnittlich 98 Euro.

Platz 7: Nürnberg
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Nach Düsseldorf galt Nürnberg 2016 zu den stärksten Preisgewinnern in der deutschen Hotellerie. Dank zahlreicher Messen verteuerten sich die Übernachtungen auf durchschnittliche 92 Euro, und damit um 4,5 Prozent.

Platz 6: Prag
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Mit durchschnittlichen Zimmerpreisen von 75 Euro ist der Touristenmagnet an der Moldau zwar immer noch ein Billiganbieter. 2016 aber ging es mit den Preisen immerhin um 5,6 Prozent nach oben.

Platz 5: Düsseldorf
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Das Preisplus von 6,3 Prozent machte Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt 2016 zum Spitzenreiter in Sachen Teuerung. Schuld waren vor allem die Großmessen „Drupa“ (Druck) und „K“ (Kunststoffindustrie), auf die Düsseldorf im Vorjahr verzichten musste. Im Schnitt kostete die Übernachtung 101 Euro.

Platz 4: Washington
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Mit durchschnittlich 206 Euro pro Nacht war die US-Hauptstadt zweitteuerste Stadt der Welt. Doch anders als beim Spitzenreiter New York ging es dort mit den Preisen weiter bergauf, und zwar um 6,3 Prozent. Fünf Prozentpunkte davon stammten allerdings aus der Dollaraufwertung gegenüber dem Euro.

Der Kartellamtsvertreter Jörg Nothdurft betonte dagegen, dass der Markt für Hotelbuchungsportale trotz der Untersagung der Bestpreisklauseln bei den Marktführern Booking.com und HRS weiter gewachsen sei. Dies spreche dafür, dass die Klauseln eben nicht notwendig seien und unnötig den Wettbewerb einschränkten. Die Wettbewerbsbehörde betonte, für die Zukunft der Hotels sei es wichtig, dass sie die Preishoheit auf ihren eigenen Websites behielten. Denn dieser Vertriebsweg werde für sie immer wichtiger. Außerdem sei es unverhältnismäßig, das Problem möglicher Trittbrettfahrer mithilfe einer Bestpreisklausel zu lösen und dabei die Gefahr von Einheitspreisen in Kauf zu nehmen.

Der Rechtsanwalt des Hotelverbandes Deutschland, Volker Soyez, warnte nachdrücklich vor einer Wiederzulassung der Bestpreisklausel von Booking.com: „Das wäre definitiv das Ende des Online-Direktvertriebs der Hotellerie.“

Eine Entscheidung traf das Gericht bei der Verhandlung noch nicht. Auch ein Termin für die Verkündung eines Urteils wurde noch nicht festgelegt.

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  • dpa
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