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Branchenausblick Coronakrise und Wirecard verunsichern die Wirtschaftsprüfer

Die Konjunkturflaute dürfte vor allem das Beratungsgeschäft der Wirtschaftsprüfer bremsen. Zudem werden Abschlussprüfungen heikler und aufwendiger.
20.07.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die Coronakrise sorgt beim bislang wachstumsstärksten Vertreter der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften für Verunsicherung. Quelle: Reuters
Deloitte

Die Coronakrise sorgt beim bislang wachstumsstärksten Vertreter der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften für Verunsicherung.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Deutschlands führende Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (WP) werden wohl auch im Geschäftsjahr 2020 noch auf Wachstumskurs bleiben. Aber sie richten sich schon heute auf ein schwierigeres, von vielen Unsicherheiten geprägtes Jahr 2021 ein. Das machen Äußerungen führender Branchenvertreter sowie die jüngste Branchenanalyse des Marktforschungsunternehmens Lünendonk deutlich, das alljährlich die 25 führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland zu Geschäft und Ausblick befragt.

Erstmals seit Langem konnte Lünendonk im Rahmen dieser Analyse keine belastbare Prognose für die weitere Entwicklung geben. Die meisten Teilnehmer sahen sich nicht in der Lage, bis zum Abschluss der Umfrage Ende Mai einen Ausblick zu geben. Die wenigen konkreten Prognosen deuteten auf ein Wachstum von zwei Prozent, erläuterte Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk & Hossenfelder, doch seien diese Aussagen kaum repräsentativ.

Mehrere Vertreter aus der Branche zeigten sich am Freitag vergleichsweise zuversichtlich für das laufende Geschäftsjahr 2020. Das hat zum Teil allerdings damit zu tun, dass viele WP-Gesellschaften ein versetztes Geschäftsjahr haben und das Jahr 2019/2020 zum Teil schon Ende Juni abgeschlossen haben. „Schwer abzuschätzen ist dagegen, wie es im Herbst und Winter weitergeht“, sagt Rainer Grote, Partner und Prüfungschef der RSM-Gruppe.

Die Covid-bedingte Konjunkturflaute dürfte in erster Linie das zum Teil umfangreiche Beratungsgeschäft der WP-Gesellschaften bremsen. Denn erfahrungsgemäß stellen Unternehmen in konjunkturell schwierigen Zeiten beratungsintensive Projekte eher zurück. Zudem gibt es weniger M&A-Aktivitäten mit entsprechend weniger gefragter Beratungsleistung.

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    Das sorgt auch beim Branchenvierten Deloitte, bislang wachstumsstärkster Vertreter der vier großen Gesellschaften, für Verunsicherung. Für das bereits beendete Geschäftsjahr 2020 werde man weiteres Wachstum ausweisen. „Für das neue Geschäftsjahr ist es jedoch wirklich schwierig, Prognosen zu geben“, so Volker Krug, seit Anfang Juni Chef von Deloitte Deutschland.

    Prüfungen dürften anspruchsvoller werden

    Die Nachfrage nach den eigentlichen Prüfungsleistungen ist im Prinzip zwar kaum konjunkturabhängig, dennoch dürfte die Krise nach Einschätzung der Branchenvertreter auch das Prüfungsgeschäft beeinflussen.

    Andrea Bruckner, Vorstandsmitglied beim Branchensechsten BDO, geht davon aus, dass die Prüfungen um ein Vielfaches anspruchsvoller werden. „Denn wir werden uns deutlich häufiger mit dem Thema ‚going concern‘ auseinandersetzen müssen.“ Gemeint ist damit die Frage, inwieweit die Fortführbarkeit eines Unternehmens gewährleistet ist, wovon wiederum viele Bewertungskriterien und auch die Abschlusstestate abhängen.

    Vor dem Hintergrund des Wirecard-Skandals dürfte neben dem Thema „going concern“ die Frage nach möglichen betrügerischen Bilanzmanipulationen stärker ins Blickfeld der Abschlussprüfer rücken. „Die Unternehmen sind darauf angewiesen, dass die Wirtschaftsprüfer in der Corona-Situation sichere Testate erteilen“, sagt Christoph Regierer, Deutschlandchef von Mazars.

    Insgesamt kann die WP-Branche eine mögliche Schwächephase in starker Verfassung angehen. Seit 2014 wuchsen die Erlöse den Schätzungen Lünendonks zufolge in der Branche insgesamt um 37 Prozent. Die Top 25 legten in dieser Zeit sogar etwa 56 Prozent zu.

    Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 setzte sich der langjährige Wachstumstrend der WP-Branche noch fort, wenn auch leicht abgeschwächt. Insgesamt ist der Markt 2019 nach Lünendonks Schätzung um 5,6 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro gewachsen.

    Dabei scheint der Trend zur Größe ungebrochen. Die Top 25 der WP-Gesellschaften legten in Summe 6,4 Prozent auf fast zehn Milliarden Euro zu. Die „Big Four“, also die vier führenden WP-Gruppen PwC, EY, KPMG und Deloitte, schafften gar ein Plus von 9,1 Prozent auf zusammen gut acht Milliarden Euro Umsatz. Klarer Wachstumsführer war dabei erneut Deloitte mit rund 18 Prozent im Geschäftsjahr 2019.

    Verfolgerfeld formiert sich

    Mit einer Erhöhung des Marktanteils der „Big Four“ auf knapp 49 Prozent hat sich die Branche weiter konsolidiert. Die Dominanz der vier Großen ist nach Einschätzung von Hossenfelder in Deutschland jedoch nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Industrieländern. Darin spiegele sich zum einen die Wirtschaftsstruktur mit dem starken deutschen Mittelstand wider, zum anderen aber auch die Ambitionen einer Reihe kleinerer Gesellschaften, die einem internationalen Netzwerk angehören oder selbst über Auslandsgesellschaften verfügen.

    So hat sich hinter den „Big Four“ ein Verfolgerfeld mit sechs WP-Gesellschaften formiert, die jeweils dreistellige Erlöse erzielen und im Schnitt 2019 mit 14,8 Prozent stärker zulegten als die Marktführer. So wuchsen Warth & Klein Grant Thornton und RSM jeweils um rund 30 Prozent. Die Stuttgarter WP-Gesellschaft Ebner Stolz steigerte die Erlöse um knapp 19 Prozent.

    Die höchsten Wachstumspotenziale sehen die WP-Gesellschaften laut der Lünendonk-Umfrage weiterhin außerhalb der Wirtschaftsprüfung, das heißt in Geschäftsfeldern wie Steuer- und Finanzberatung, Projekt- und Strategieberatung sowie in der Rechtsberatung.

    Vor dem Hintergrund des Wirecard-Skandals und der Entwicklung in Großbritannien werden sie sich künftig aber auch wieder intensiver mit der Forderung nach einer stärkeren Trennung von Abschlussprüfung und Unternehmensberatung auseinandersetzen müssen. So hat in Großbritannien jüngst der zuständige Financial Reporting Council (FRC) in Reaktion auf mehrere Bilanzskandale den „Big Four“ auferlegt, Prüfung und Beratung operativ strikter voneinander zu trennen.

    Mehr: Müssen die großen Wirtschaftsprüfungsfirmen zerschlagen werden? – Ein Pro und Contra.

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