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Briefsparte Post-Aktie knickt ein – Netzagentur stoppt geplante Portoerhöhung

Zum Jahreswechsel wollte die Post das Briefporto erhöhen. Doch die Bundesnetzagentur erteilt vorerst keine Erlaubnis – und überrascht die Aktionäre.
Update: 31.10.2018 - 18:14 Uhr Kommentieren
Die Post will das Porto für einen Standardbrief von 70 auf 80 Cent erhöhen. Quelle: dpa
Frankierter Brief

Die Post will das Porto für einen Standardbrief von 70 auf 80 Cent erhöhen.

(Foto: dpa)

BonnPost-Chef Frank Appel dürfte zunächst an einen Halloween-Scherz geglaubt haben, den ihm die Bundesnetzagentur zur Mittagsstunde per Pressemeldung ins Haus schickte. Doch die Bonner Beamten meinten es ernst: Eine Erhöhung des Standard-Briefportos, mit der man im Post Tower seit Monaten fest rechnet, wird es zum Jahreswechsel nicht geben. Zu einer solchen Erlaubnis kommt es, wenn überhaupt, wohl erst in der ersten Jahreshälfte 2019.

Damit kann Appel die Hoffnung vorerst begraben, für die Sanierung seiner angeschlagenen Brief- und Paketsparte die Rückendeckung der Regulierungsbehörde zu erhalten. Mit ihr aber hatte er fest gerechnet, wie das Protokoll einer internen Mitarbeiterversammlung belegt, das dem Handelsblatt vorliegt. Gegenüber der Belegschaft hatte Post-Vertriebschef Martin Linde vor wenigen Wochen verkündet, die Portoerhöhung von 70 auf 80 Cent zum Jahreswechsel sei so gut wie durch.

Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte im Mai auf einem Festakt der Bundesnetzagentur bekundet, die geplante Portoerhöhung zum kommenden Jahr sei gut und richtig. Zweifel an der Entscheidung hatte es deshalb zuletzt nicht mehr gegeben.

Entsprechend stürzte der Kurs der „Aktie Gelb“ im Anschluss an die Mitteilung binnen 30 Minuten um sieben Prozent ab. Am Nachmittag erholte sich der Kurs wieder, zum Handelsschluss lag er schließlich etwas mehr als 2,1 Prozent im Minus.

Ihren Schritt begründet die Bonner Behörde mit der seit Juni laufenden Sanierung der Brief- und Paketsparte. Die Umbauarbeiten im Konzern machten eine Berechnung der Briefbeförderungskosten, die Grundlage der Portobemessung sind, derzeit unmöglich.

„Wir müssen diesen Schritt gehen, weil die Deutsche Post AG den Nachweis ihrer veränderten Kosten und Einsparungen infolge der Umbruchsituation nicht hinreichend erbracht hat“, erklärt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. „Unsere Entscheidung für die kommenden Jahre ist nur belastbar, wenn wir die Kostensituation und Umsatzentwicklung beurteilen können.“

Nicht genügend Informationen vorgelegt

Um über Portoerhöhungen zu entscheiden, berücksichtigt die Bundesnetzagentur traditionell nicht allein die allgemeine Inflationsrate. Auch Effizienzverbesserungen in der Zustellung gilt es einzukalkulieren, die sich aus der Kosten- und Mengenentwicklung ergeben. Zuletzt wurden sie allerdings dadurch getrübt, dass der Vormarsch von E-Mail und SMS die Anzahl der Briefe jährlich um zwei bis drei Prozent schrumpfen ließ.

Nun heißt es von der Aufsichtsbehörde: Die Veränderung der Effizienz sei „auf Grundlage der bislang vorliegenden Kosteninformationen noch nicht möglich“ gewesen. Sowohl über Personalmaßnahmen wie auch über technische Innovationen herrsche seit der im Juni angekündigten Umstrukturierung Unklarheit.

Lob für die Entscheidung gab es unmittelbar danach vom wirtschaftspolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Reinhard Houben. „Ich begrüße die souveräne Entscheidung der Bundesnetzagentur, eine Portoerhöhung vorerst nicht zuzulassen“, sagte er. „Zu hohe Briefporti schaden den Verbrauchern und dem Wettbewerb in der Versandlogistik.“ Die Deutsche Post müsse einsehen, dass es keinen Automatismus zur sachgrundlosen Erhöhung des Briefportos gibt. Darüber hinaus forderte Houben die Bundesregierung auf, ihren verbleibenden Anteil von 21 Prozent an der Deutschen Post zu verkaufen.

Ertragspotenzial in dreistelliger Millionenhöhe

In den vergangenen Jahren hat die Post das Porto fast im Jahresrhythmus erhöht, nachdem es lange Zeit bei 58 Cent pro Standardbrief gelegen hatte. Den größten Sprung gab es Ende 2016 – von 62 auf 70 Cent. Mit den Portoerhöhungen verbesserte sich der Ertrag jedes Mal um eine dreistellige Millionensumme.

Darauf aber wird die Deutsche Post 2019 zunächst verzichten müssen. Die Ertragsziele, die Post-Chef Appel für das kommende Jahr in Aussicht gestellt hat, dürften damit nur noch schwer zu erreichen sein.

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