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Bürovermieter Nach geplatztem Börsengang: WeWork-Chef Neumann tritt zurück

Der Druck der Investoren auf Adam Neumann wurde zu groß: Der Gründer und CEO des Bürovermieters gibt den Chefposten ab, bleibt WeWork aber verbunden.
24.09.2019 - 21:30 Uhr Kommentieren
Der Gründer soll den Titel „Nonexecutive Chairman“ erhalten. Quelle: AP
Adam Neumann

Der Gründer soll den Titel „Nonexecutive Chairman“ erhalten.

(Foto: AP)

Washington Anfang des Jahres war Adam Neumann noch guter Dinge. Der Chef und Mitgründer des Bürovermieters WeWork hatte gerade eine frische Finanzierungsrunde abgeschlossen. Die war zwar kleiner als ursprünglich geplant. Doch es reichte, um sein Unternehmen auf eine Bewertung von 47 Milliarden Dollar zu katapultieren. Mehr als doppelt so viel als noch zwei Jahre zuvor, als WeWork mit 20 Milliarden Dollar bewertet war.

Das frische Kapital, das vom japanischen Telekomkonzern Softbank kam, „ist viel mehr, als das Unternehmen in den kommenden vier Jahren braucht“, versicherte Neumann damals im Interview mit dem Börsensender CNBC.

Doch es kam anders. Seitdem WeWork, das sich vor Kurzem in „The We Company“ umbenannte, Mitte August den Börsenprospekt veröffentlicht hatte, hagelt es von allen Seiten Kritik. Der Börsengang, der für diesen Monat geplant war, wurde abgesagt, weil es an der Wall Street keine Nachfrage nach dem hochbewerteten, aber auch hochdefizitären Start-up gab. Nun muss Neumann auch den Chefposten räumen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Softbank und andere Investoren haben Neumann das Vertrauen entzogen.

Ohne den charismatischen, aber auch exzentrischen und machthungrigen Gründer an der Spitze soll der Weg frei werden, um den Bürovermieter grundlegend umzukrempeln. „Es ist nicht klar, wie WeWork in den kommenden Jahren profitabel werden wird“, kritisierte Dan Morgan, Portfoliomanager vom Vermögensverwalter Synovus bereits im August. Rett Walace, Chef des Analysehauses Treton Research nannte den Börsenprospekt „ein Meisterstück der Verschleierung“, weil WeWork mit verwirrenden Kennzahlen die wahre Lage des Unternehmens verstecken wolle.

Neumann hatte das 2010 gegründete Start-up vor allem auf schnelles Wachstum fokussiert und war in den vergangenen Jahren auch in andere Bereiche expandiert. So gründete We auch die Fitness- und Wellness-Kette „Rise by We“, die Privatschule „We Grow“ und vermietete Zimmer in Wohngemeinschaften für Berufstätige. Das alles ist teuer. Einer Berechnung des Branchendienstes „The Information“ könnten die Cashreserven von We schon im kommenden Frühjahr von derzeit 1,9 Milliarden Dollar auf 400 Millionen Dollar abgeschmolzen sein.

Doppelspitze soll es zunächst richten

Hätte der Börsengang wie geplant stattgefunden, hätte We von einer Reihe von Banken eine zusätzliche Kreditlinie von sechs Milliarden Dollar erhalten. Darauf muss das Unternehmen nun jedoch erst einmal verzichten.

We setzt zunächst auf eine Doppelspitze. Die derzeitigen Vorstände Sebastian Gunningham und Artie Minson führen die Geschäfte übergangsweise, bis ein passender Nachfolger gefunden ist, teilte WeWork mit. Neumann soll den Titel „Nonexecutive Chairman“ erhalten. Damit wird klar, dass er keine Managementfunktion mehr haben wird, sondern lediglich den Verwaltungsrat leitet.

„Unser Geschäft läuft zwar so gut wie nie“, stellte Neumann in einer Pressemitteilung klar. Doch die Aufmerksamkeit, die er in den vergangenen Wochen erhalten habe, würde vom eigentlichen Geschäft ablenken. „Daher habe ich entschieden, dass es im Interesse des Unternehmens ist, dass ich als CEO zurücktrete.“

Für den 40-Jährigen ist der Rücktritt ein tiefer Fall. Neumann galt lange Zeit als der Überflieger in der Start-up-Welt. Mit seinem langen welligen Haar und seinem vereinnahmenden Lächeln konnte er spielend Geldgeber von seinem Unternehmen überzeugen. Im Börsenprospekt wird Neumann für seinen Tatendrang gefeiert, er sei gleichzeitig Visionär und fokussiert aufs Tagesgeschäft und daher essenziell für die Zukunft des Unternehmens.

Softbank-Chef Masayoshi Son, der über das Unternehmen sowie über den von Softbank gegründeten Technologie-Fonds Vision Fund insgesamt gut zehn Milliarden Dollar in WeWork investierte, war sofort von Neumann begeistert. „Es dauerte weniger als 30 Minuten, um ihn zu überzeugen“, erinnerte sich der We-Chef im Januar.

Beide hätten ein „partnerschaftliches Verhältnis“, betonte Neumann damals. Doch in den vergangenen Wochen hat sich die Beziehung der beiden deutlich verschlechtert. Der abgesagte Börsengang wirft auch ein schlechtes Licht auf Son und dessen Qualitäten als Investor und könnte bei Softbank zu Abschreibungen führen.

Kritik an Neumanns Führungsstil

Neumann war vergangene Woche auch für seinen Führungsstil in die Kritik geraten, nachdem das „Wall Street Journal“ über Partys mit reichlich Tequila und einen Flug im Privatjet berichtet hatte, bei dem Neumann Joints geraucht haben soll. Analysten und potenzielle Investoren haben in den vergangenen Wochen immer wieder auch die Unternehemensstruktur kritisiert, die Neumann ungewöhnlich viel Mitspracherecht gab.

Zunächst sprach er sich 20 Stimmrechte pro Aktie zu, was später auf zehn Stimmen pro Anteilschein reduziert wurde. Doch damit kontrollierte er immer noch die Mehrheit der Stimmen. Seine Frau Rebekah Paltrow Neumann hat das Unternehmen mit ihm gemeinsam gegründet. Sie soll als Markenvorständin weiter tätig sein.

Wann es zu einem Börsengang kommen könnte, ist unklar. Die Kreditlinien laufen Ende des Jahres aus. Sollten die Aktien bis dahin nicht an einer US-Börse gelistet sein, müssen die Bedingungen neu verhandelt werden. Klar ist, dass We einen großen Abschlag bei der Bewertung hinnehmen muss. Branchenschätzungen zufolge könnte das Unternehmen fünf bis zehn Milliarden Dollar wert sein.

Mehr: Der Fall WeWork zeigt: Die schnelle Jagd nach Rendite kann auch schaden. Die Börse hat kein Interesse an defizitären Unternehmen mit aufgeblähten Bewertungen, kommentiert Astrid Dörner.

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