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Bundesgästehaus Petersberg Deutschlands einziges Grand Hotel in Staatsbesitz ist wieder geöffnet

Nach zweieinhalbjährigem Umbau soll das staatseigene Hotel auf dem Petersberg endlich Rendite abwerfen. Am Montagabend wurde es von Außenminister Maas wiedereröffnet.
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Das Steigenberger Grandhotel Petersberg soll nun zahlungskräftige Kundschaft locken. Quelle: dpa
Gästehaus der Geschichte

Das Steigenberger Grandhotel Petersberg soll nun zahlungskräftige Kundschaft locken.

(Foto: dpa)

Königswinter Der oberste Hausherr ließ sich zur Wiedereröffnung vertreten – durch Bundesaußenminister Heiko Maas. Parteifreund Olaf Scholz, dem ursprünglich die Eröffnungsrede zufallen sollte, hatte es am Montagabend vorgezogen, in Ettlingen um den SPD-Parteivorsitz zu kämpfen.

Dabei war es der Bundesfinanzminister, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren rund 41 Millionen Euro Steuergeld in Deutschlands einziges staatseigenes Hotel steckte: das Bundesgästehaus auf dem Petersberg bei Bonn.

Ende der 70er-Jahre durch die Regierung Helmut Schmidt erworben, stand das als „Wohnzimmer des Außenministers“ gerühmte Haus zuletzt regelmäßig im Mittelpunkt des Weltgeschehens. In Konferenzen wurde hier über die Zukunft Afghanistans entschieden, Delegierte des Weltklimagipfels fanden auf dem Petersberg ihre Unterkunft, vor wenigen Wochen erst stieg hier der russische Außenminister Sergej Lawrow zum „Petersburger Dialog“ ab. „Das Haus ist ein Stück Geschichte“, lobte am Montagabend dessen Amtskollege Maas.

Als „Grand Hotel“ ist es nun nach einem gründlichen Umbau wieder auferstanden. Mit etwa einjähriger Verzögerung. „Als Bundesbehörde war der Betreiber verpflichtet, jede Handwerkerleistung europaweit auszuschreiben“, berichtet ein Beteiligter. „Dabei war es schon ohne die 160 Seiten Ausschreibungstext in Englisch schwierig genug, etwa einen Teppichleger zu bekommen.“

Zumindest um das Hotelmanagement brauchte sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die dem Berliner Finanzministerium untersteht, keine Sorgen zu machen. Der mit der Hotelgruppe Steigenberger erstmals 1990 unterzeichnete Vertrag wurde 2019 um fünf Jahre verlängert.

Günther Jauch schenkt Wein aus

So hatte es das Management um Hoteldirektor Michael Kain am Eröffnungsabend an nötigem Glanz nicht fehlen lassen. Gäste wie Daniela Katzenberger, Natascha Ochsenknecht oder Wolfgang Bosbach hatten sich hoch über dem Rheinufer eingefunden. Ebenso wie Hugo Egon Balder, Jochen Busse oder Victoria Swarovski. TV-Moderator Günther Jauch schenkte, unterstützt von Ehefrau Thea, den Riesling seines Weinguts „von Othegraven“ aus.

Dabei besitzt das 1892 von der Kölner 4711-Dynastie erbaute Haus in Sachen Prominenz wenig Nachholbedarf. Bundeskanzler Konrad Adenauer verhandelte hier 1949 im „Petersberger Abkommen“ die Souveränität der Bundesrepublik. Großbritanniens Queen Elisabeth, der Dalai Lama, US-Präsident Bill Clinton sowie Nelson Mandela logierten bei Staatsbesuchen auf dem Petersberg. Für den sowjetischen KP-Chef Leonid Breschnew wurde das damals stillgelegte Hotel 1973 sogar für nur vier Tage teilrenoviert und wiedereröffnet.

Im Salon des Hotels wacht der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Quelle: dpa
Unter den Augen von Adenauer

Im Salon des Hotels wacht der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

(Foto: dpa)

Ohne den jetzt vollendeten Umbau wäre Steigenberger, seit 2009 im Besitz der ägyptischen Familie El Chiaty, als Hotelbetreiber abgesprungen, lässt Konzernchef Thomas Willms durchblicken. Denn Deutschlands umsatzstärkster Hotelkonzern erhält für seine Dienste auf dem Petersberg eine Managementgebühr, die sich am Unternehmenserfolg orientiert.

Und der war in den vergangenen Jahren alles andere als üppig. Wohl auch, weil viele der bis vor kurzem 99 Zimmer zu klein und angestaubt erschienen, um auskömmliche Übernachtungsraten aufzurufen.

So verzeichnete der 2019 veröffentlichte Beteiligungsbericht des Bundes, in dem das Gästehaus als alleinige Rendite-Immobilie der Bundesregierung aufgeführt ist, für 2017 einen Jahresfehlbetrag von 1,6 Millionen Euro. Der fiel zwar auch deshalb an, weil zeitweise die Hälfte des Hauses umbaubedingt geschlossen wurde. Doch auch im Jahr vor der Renovierung – also 2016 – häufte sich der Verlust auf 0,7 Millionen Euro, nach einem Minus von 0,3 Millionen 2015.

Erfolglose Verkaufsversuche

Mit einer Auslastung von 55 Prozent blieb das Steigenberger auf dem Petersberg deutlich hinter vergleichbaren Häusern zurück. 2011 hatte die BImA sogar schon einen Verkauf der Immobilie anstoßen, der erfolglos versandete. Dass die Erlöse 2017 durch die Renovierung von 6,4 Millionen auf 3,4 Millionen Euro einbrachen, machte die Sache zuletzt nicht besser.

Der nun vollendete Umbau zu einem „Grand Hotel & Spa“ soll die Ertragslage ab sofort deutlich verbessern. Der Bauherr Bundesrepublik unterzog die Zimmer nicht nur einer Renovierung, ihre Zahl stieg auch auf 112. Übernachtungen in ehemaligen Kutscherunterkünften, deren Größe beim Umbau auf über 30 Quadratmeter wuchs, kosten nun mindestens 179 Euro, die 250 Quadratmeter große Präsidentensuite ist erst ab 2000 Euro zu haben.

Zudem engagierte Steigenberger mit dem Deutsch-Ghanaer Anthony Sarpong einen Sternekoch, der seit Mai im „Ferdinand“ – dem nach dem Hotelgründer Ferdinand Mülhens benannten Weinrestaurant – auftischt. Darüber hinaus lockt auf dem Petersberg das „Bill‘s“, ein nach Bill Clinton benanntes Steak-Restaurant, ebenso wie die Nelson Piano Bar, die an den Staatsbesuch des südafrikanischen Staatspräsidenten von 1996 erinnert.

Nun will Steigenberger in dem historischen Gebäude durchstarten. „Wir haben den Managementvertrag zwar bis 2024 abgeschlossen“, sagt Willms, „möchten aber gerne verlängern.“ Bei der BIma, die für den Hotelbetrieb verantwortlich ist, stößt dies auf Zustimmung. „Wir haben mit Steigenberger ausgezeichnete Erfahrungen gesammelt und würden mit der Hotelgruppe gerne weiterarbeiten“, sagt Behördenchef Christoph Krupp.

Dass ihm die Regierung in Berlin die Zusammenarbeit wie vor acht Jahren erneut streitig machen könnte, schließt er inzwischen aus. „Pläne zur Privatisierung“, sagt Krupp, „sind glücklicherweise in der Schublade verschwunden.“

Mehr: Auf dem Petersberg bekam Deutschland seine Souveränität zurück, Staatschefs gingen hier ein und aus. Das Hotel ist längst das Gästehaus der deutschen Geschichte.

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2 Kommentare zu "Bundesgästehaus Petersberg: Deutschlands einziges Grand Hotel in Staatsbesitz ist wieder geöffnet"

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  • „Pläne zur Privatisierung sind glücklicherweise in der Schublade verschwunden.“ - Kopfschütteln! Wir benötigen nur einen Regierungssitz, und der ist in Berlin! Es wird höchste Zeit für neue Regierungs-Besen, die durchgreifen und solche Beteiligungen am falschen Ort abstossen.

  • 41 Mio für den Umbau und dann kommen zur Eröffnung Hugo Egon Balder, Daniela Katzenberger und Natascha Ochsenknecht? Das ist eine Fallhöhe die kaum zu unterbieten ist. Besonders geadelt wurde das Ereignis offenbar durch die Anwesenheit von Wolfgang Bosbach. Dieser Weltpolitker lässt sich nicht einmal die Eröffnung einer Sardinenbüchse entgehen. Ja, äh klar.