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Callcenter kämpft gegen Insolvenz „Versuchen Sie es zum späteren Zeitpunkt“

Die einst blühende Branche der Callcenter dümpelt vor sich hin. Die Nummer zwei im Markt, Walter Services, steht vor der Pleite. Schuld sind jene Firmen, die nicht mal mehr via Call-Center erreichbar sein wollen.
25.07.2013 - 12:45 Uhr 26 Kommentare
Kopfhörer in einem Callcenter: Einer der größten Betreiber steckt in Schwierigkeiten. Quelle: dpa

Kopfhörer in einem Callcenter: Einer der größten Betreiber steckt in Schwierigkeiten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf "Alle unsere Leitungen sind belegt. Versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt." Diesen Satz hören wir alle mehrmals im Monat. Er zeugt davon, dass es im Callcenter desjenigen, den wir erreichen wollen, turbulent zugeht. Die Branche, einst Hoffnungskind aller Wirtschaftsförderer, die nichts als Telefonleitungen zu bieten hatten, dümpelt vor sich hin, seit Auftraggeber versuchen, die Fragen ihrer Kunden schriftlich zu beantworten. Heute hat dieser Trend nach unten ein prominentes Opfer gefordert: Der Callcenter-Betreiber Walter Services, nach eigenen Angaben die Nummer zwei in Zentraleuropa, steht vor der Pleite und hat daher ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Unternehmen bleibt so drei Monate vor seinen Gläubigern geschützt, und das bisherige Management kann in dieser Zeit eine Sanierung versuchen. Andernfalls droht die endgültige Insolvenz. Zuletzt hatte der Fernsehhersteller Loewe als prominentes Beispiel diese neue Möglichkeit des Insolvenzrechts in Anspruch genommen.

Walter Services beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland noch 6000 Mitarbeiter und hat einem Fachmagazin zufolge im Jahr 2011 einen Umsatz von 190 Millionen Euro erzielt. 2.400 weitere Mitarbeiter gibt es im Ausland. Noch vor wenigen Jahren meldete die Firma insgesamt 10.000 Beschäftigte. Unter anderem hatte Walter Services in der Vergangenheit Callcenter-Standorte der Deutschen Telekom, von Karstadt-Quelle und dem Kabelnetzbetreiber Unitymedia gekauft - was sich im nachhinein teilweise als Fehlgriff erwies. „Angesichts massiver Volumenrückgänge im Kernsegment Telekommunikation, die sich seit Juni deutlich beschleunigt haben, muss die Gruppe restrukturiert werden“, heißt es jetzt in einer Erklärung.

Ziel von Geschäftsführer Joachim Hofsähs sei es, so viele Arbeitsplätze und Büros wie möglich zu sichern. An insgesamt 20 Standorten in Deutschland ist Walter Services vertreten. Die Geschäftsführung werde von Restrukturierungsexperten beraten. Auch die Mitarbeiter, Betriebsräte und die Gewerkschaft Verdi würden in das Verfahren eingebunden. Das Unternehmen gehört den Finanzinvestoren HIG Capital und Anchorage Capital.

Nach zähen Verhandlungen hatten Verdi und die Firma im Juni einen Tarifvertrag unterzeichnet. Schrittweise sollen die Stundenlöhne der Beschäftigten dadurch auf mindestens 8,50 Euro pro Stunde angehoben werden.

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    26 Kommentare zu "Callcenter kämpft gegen Insolvenz: „Versuchen Sie es zum späteren Zeitpunkt“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Genau das hab ich gemacht. Ich warte bestimmt nicht weiter ab und arbeite zu noch schlechteren Bedingungen als vorher, falls der Standort, bei dem ich bis jetzt gearbeitet habe weiter macht. Das, was jetzt zur weiteren Einsparung beschlossen wurde ist eine Frechheit. Mit den Kollegen war es trotz großer Fluktuation immer gut und ich werde viele von ihnen vermissen. vermissen. Nach vier Jahren in der Firma reicht es mir jetzt. Und ich kann nur jedem Kollegen empfehlen sich rechtzeitig nach einem neuen Job um zu sehen.

    • Walter Services in Lübeck wird zum 31.10.2013 geschlossen. Der Standort in Aachen hat am 24.09.2013 erfahren dass am 30.09.2013 Schluss ist. Ein Schutzschirmverfahren kann gar nicht beantragt worden sein, denn dann hätte der Ausverkauf nicht schon vor ca. 3 Wochen angefangen. Die Standorte, die sich weigern, mehr als fragwürdige Betriebsvereinbarungen zu unterschreiben, werden einfach geschlossen. Gesetzlich festgelegte Bestimmungen zum Schutz der Mitarbeiter sollen gekappt werden (schriftliche Krankmeldungen müssen z.B. noch am gleichen Tag beim Arbeitgeber eintreffen, Kappung der Bildschirmerholzeiten obwohl zum Schutz der Augen zwingend notwendig, der Mitarbeiter soll erst 3-4 tage vorher erfahren ob und wann er zu erbeiten hat etc.).
      Hauptsache, man stockt die Chefetage mit 2 neuen Chefs auch, die bestimmt nicht unter einem gewissen Netto-Gehalt mtl. nach Hause gegen.
      Verantwortung sieht anders aus und bei dem einen oder anderen müsste das Spiegelbild bei dem täglichen Anblick darin zerspringen.

    • Verwahranstalt für (moderne) Sklaven. R.I.P

    • na toll und ich bewerbe mich dann direkt bei der Telekom und mehr Geld gib es dann auch
      super freu, freu

    • Das ist nonsens, viele denken bei Callcentern an das Klischee der Lottoscheinverkäufer, die die Oma um ihre Rente bringen. Mal weg von dem Gedanken! Viele Unternehmen betreiben Callcenter für Service und Support und wir sind's auch alle Schuld! Base bietet einen Vertrag für 30 € an mit allnet flat, warum vodafone und Telekom nicht!? Ihr wollt sparen sparen sparen aber nur nicht an der Leistung und droht mit Kündigung! Wo sollen die Kosten gesenkt werden? Natürlich an Mitarbeitern! Also wird ausgelagert und ein Callcenter übernimmt. Passt euch auch nicht? Dann bitte nochmal in die Grundschule und bei Mathe guuut aufpassen!

    • Mal ehrlich... Das war doch abzusehen! Nach Tectum der zweite.
      Telco Inbound geht seit Jahren zurück. Telko Outbound stagniert. Und anstatt in Branchen zu investieren wie Industrie und Pharma kauft man als Walter CallCenterbutzen die doch die gleichen Probleme wie man selbst hat. Der Mannheimer Standort war sicherlich rentabel.
      Ich verstehe nicht warum man sehenden Auges in das eigene Verderben rennnt! Das sieht schon irgendwie nach Absicht aus.

    • Das ein Mitarbeiter nur die ausführende Seite ist, vergessen hier leider viele.
      Ich hoffe daher, dass die Kurve geschafft wird und die Arbeitsplätze langwierig erhalten bleiben können.

    • Ich verstehe die allgemeine Freude mancher Menschen nicht, dass 6000 "Menschen" eventuell den Arbeitsplatz verlieren könnten, wenn es zu einer Schliessung der deutschlandweiten Konzerne kommen sollte.Lt. Homepage werden ca. 11 Mio. bearbeitete E-Mails, Briefe, Faxe und ca. 99 Mio. Calls jährlich von diesem Dienstleister bearbeitet. Das heisst das möglicherweise fast jeder, der schon mal eine Bestellannahme, Kundenbetreuung etc. angerufen oder schriftlich kontaktiert hat, beim Dienstleister gelandet ist. Das es überall Schwachstellen und Pro&Contra´s gibt, ist jedem bekannt. Das nicht nur niedere Leute in einem Call-Center arbeiten ist finde ich persönlich, weit gegriffen. Gäbe es auch diese Art von Job nicht, wären in diesem Fall viele der 6000 Mitarbeiter höchstwahrscheinlich arbeitslos. Schliesslich sammeln dort viele Schulabgänger ihre erste Erfahrung in der Arbeitswelt, Menschen können dort Phasen der Arbeitslosigkeit überbrücken, kommunikative Menschen führen den Job liebend gern aus und können sich weiterbilden inkl. Aufstiegschancen, Studenten/Geringfügig Beschäftigte/Teilzeitler, wie bsp. Mütter verdienen normal gut verdientes Geld, und Alleinerziehende und Väter können mit ca. 1200 durchaus ihre Familie ernähren. Hinzu kommt, dass durch die vielen unterschiedlichen & umfangreichen Projekte dauernd Schulungen stattfinden und viele Kenntnisse unterschiedlicher PC-Programme, wie MS, SAP etc. gesammelt werden.
      Das einige sich hier über schlechte Erfahrungen mit dem Kundenservice beschweren ist traurig & teilweise nachvollziehbar, hat aber nichts mit der Tatsache zu tun, dass jetzt nur dieses Unternehmen daran schuld sein soll, da man 100% ja garnicht weiss ob man bei diesem Unternehmen "rausgekommen" ist oder direkt bei der eigentlichen Firma oder auch bei Callcenter XY. Kundenservice sollte eigentlich Kundenservice sein, dem stimme ich zu, allerdings können die Mitarbeiter am wenigsten dafür, dass in der heutigen Zeit ein enormer Leistungsdruck herrscht.

    • Wer erwartet denn in einem Land, welches als "Servicewüste Deutschland" bekannt ist, dass sich Services verkaufen?
      Der Deutsche würde sich doch noch selber ans Telefon setzen, wenn er dabei ein paar Euro sparen kann.

    • Dieser Kommentar wurde gelöscht.

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