CeBit, IAA und Co Wie Messen ihr Image aufpolieren wollen

Cebit oder IAA haben für viele Aussteller und Besucher an Reiz verloren. Der Trend geht zu Festivals mit Start-up-Feeling. Vorbild ist die SXSW.
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Die Messen müssen sich wandeln, um relevant zu bleiben. Quelle: dpa
Cebit

Die Messen müssen sich wandeln, um relevant zu bleiben.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Cebit steckt in einer Sinnkrise. Die Glanzzeiten der Messe für Informationstechnologie, einst vitaler Ableger der Hannover Messe, sind lange vorbei. Kamen 2001 noch 830.000 IT-Fans, waren es zuletzt gerade mal 200.000 Besucher. Auch die Zahl der Aussteller ist von mehr als 7.500 zu Hochzeiten auf 3.000 eingebrochen. Wer in der Tech-Branche etwas auf sich hält, der pilgert heute zu coolen Events mit Festival-Charakter wie der CES in Las Vegas oder der SouthBySouthWest (SXSW) nach Texas. 

Nach einigen vergeblichen Strategiewechseln versucht die Deutsche Messe AG in Hannover mit der Cebit 2018 nun einen radikalen Neustart: „Neuer Fokus, mehr Emotionen", heißt es. Den Veranstaltern schwebt ein Dreiklang aus Messe, Konferenz und Networking-Event vor.

Erste Amtshandlung: Die Messe wird vom kalten März in den Juni verlegt.  Schließlich findet künftig einiges unter freiem Himmel statt. Hip-Hopper Jan Delay etwa soll die Massen anheizen, die Besucher dürfen bei „internationalen Street-Food-Genüssen auf dem d!campus chillen“. Die Cebit will als „Europas führendes Business-Festival für Innovation und Digitalisierung" wiederauferstehen.

Tatsache ist: Die deutschen Messen müssen viele ihrer althergebrachten Konzepte überdenken. Wenn Publikumsmessen international attraktiv bleiben wollen, müssen sie sich frischer in Szene setzen. Es muss ihnen zudem gelingen, Besucher stärker zu involvieren - auch emotional. "Noch stochern Veranstalter im Nebel, wie erfolgreiche Messekonzepte künftig aussehen", meint Messeberater Jochen Witt, ehemaliger Chef der Köln-Messe und Gründer der Messe- und Konferenzberatung JWC. Doch eines steht fest: „Konferenzen, Kongresse und Messen werden immer stärker zusammenwachsen, wo es passt ergänzt durch Festivals", so Witt.

Typische B2B-Messen zum coolen Happening zu machen ergibt wenig Sinn. „Was einen Kreativen aus IT oder Marketing anspricht, könnte einen Einkäufer von Teppichböden oder Werkzeugmaschinen eher irritieren", meint Peter Neven, Hauptgeschäftsführer vom Verband der deutschen Messewirtschaft Auma.

Ob sich Aussteller vom neuen Konzept der Cebit überzeugen lassen, bleibt abzuwarten. Microsoft jedenfalls zieht sich zurück - obwohl Hannover für Bill Gates in den 90ern noch ein absolutes Muss war. Die Deutsche Telekom wird sich entgegen manchen Befürchtungen nicht komplett von der Cebit verabschieden. Der Konzern ist jedoch nicht mehr als klassischer Aussteller vertreten. Stattdessen setzen die Bonner auf Talk-Formate und richten einen Digitalisierungstag aus.

Auch die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt erlebt einen Umbruch. Nicht nur bei den Besuchern, deren Zahl 2017 um mehr als 120.000 auf 810.000 zurückging, auch bei den Ausstellern. BMW etwa will 2019 statt bisher 11.000 nur noch 3.000 Quadratmeter Fläche buchen. Für die IAA ein herber Schlag. BMW will sich in China und verstärkt auf Tech-Events wie dem Mobile World Congress in Barcelona oder der CES in Las Vegas als Technologiekonzern und Mobilitätsanbieter präsentieren.

„Immer mehr der großen deutschen Aussteller fühlen sich auf hippen Tech-Festivals im Ausland wohler als auf heimischen Traditionsmessen“, konstatiert Witt. Der Grund: Die klassische Industrie samt Autobauern wächst immer stärker mit der Digitalwirtschaft zusammen. Stichwort: Internet der Dinge. „Veränderte Märkte ziehen andere Eventformate nach sich“, so Witt.

Mercedes wagte bereits auf der IAA 2017 Neues. Auf der MeConvention sprach Astronaut Buzz Aldrin über Mars-Missionen. Daimler-Chef Dieter Zetsche diskutierte mit Facebook-Managerin Sheryl Sandberg. „Die MeConvention soll inspirierende Menschen zusammenbringen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit den drängenden Zukunftsfragen beschäftigen“, sagt Mercedes-Marketingchef Jens Thiemer. Mitorganisiert hat die MeConvention die SXSW. Das digitale Zukunftsmeeting hatte einst als Musikfestival begonnen.

Millennials einbinden Die Digitalwirtschaft wird dominiert von der Generation Y. Sie bestimmt in nicht allzu ferner Zukunft das Wirtschaftsleben. Die EBS Universität für Wirtschaft und Recht hat nun für die Messe Frankfurt untersucht, was sich Millennials von Messen wünschen.

Das Fazit liegt dem Handelsblatt vorab vor: Veranstalter sollten den „Fomo-Faktor“ (Fear Of Missing Out) nutzen - die Angst, etwas zu verpassen. „Messen müssen attraktive Panels mit Hochkarätern bieten, die jeder mal persönlich erleben will“, sagt Studienmitautorin Jocosa Tse. Trotz Social Media sind Face-to-Face-Treffen für Millennials sehr wichtig.

Das sind die Drohnen-Neuheiten des Frühjahrs
Staaker
1 von 5

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde gehört die Staaker zu den schnelleren Drohnen. Sie folgt dem Tracker des Besitzers. Zu haben ist die Drohne für etwa 1.100 Euro.

Revell C-me
2 von 5

Das faltbare Mini-Flugobjekt ist nur so große wie eine Handfläche und passt in jede Hosentasche. Die Drohne ist in der Lage, mit Hilfe einer 8-Mega-Pixel-Kamera Fotos und Videos (Full-HD) aufzunehmen und macht 360-Grad-Panorama-Bilder. Preis: Mit 199 Euro ist sie deutlich günstiger als die Staaker.

GoPro Karma
3 von 5

Nach nur zwei Wochen musste GoPro die Actionkamera wieder vom Markt nehmen – mittlerweile wird sie wieder verkauft. Die GoPro Karma lässt sich durch eine Hero-5-Kamera ergänzen, sodass sie ultrahochauflösende 4K-Videos aufzeichnet. Die Kamera kostet ungefähr 870 Euro.

PowerRay
4 von 5

Das neueste Modell von PowerVision fliegt nicht wie die große Mehrheit der Drohnen durch die Luft. Sie schwimmt im Wasser. Mit ihrem Licht lockt die PowerRay Fische an und filmt diese in 4K. Ein Preis ist bisher noch nicht bekannt.

AirSelfie
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Nie mehr Probleme mit Selfies – dafür soll die fliegende Kamera-Drohne AirSelfie sorgen. Die Steuerung der fliegenden Kamera erfolgt über eine App. Mit einer PowerBank lässt sich die Drohne aufladen und kann dann bis zu einer Stunde am Stück Selfies schießen.

„Messen müssen Besucher viel stärker emotional binden“, erklärt Tse. Diese wollten Teil einer Gemeinschaft werden - vor und nach der Messe. Witt bestätigt: „Community-Building wird immer wichtiger, das ist die größte Herausforderung für die Messegesellschaften heute.“

Gleichwohl traut sich laut Studie jeder zweite Millennial nicht, Unbekannte auf Events anzusprechen. „Hier können Apps die Hemmschwelle zum Networken senken“, rät Tse. Aussteller könnten zudem Virtual oder Augmented Reality stärker nutzen, damit Besucher Innovationen spielerisch und interaktiv erleben können.

Auch Start-ups bringen frischen Wind in Messen. „Messeveranstalter entdecken zunehmend, dass die Start-ups von heute die Stammaussteller von morgen sein können“, sagt Neven vom Auma. Seit 2007 fördert das Bundeswirtschaftsministerium etwa 600 im Jahr auf Messen.

Auf der Hannover Messe präsentieren sich seit 2016 die Young Tech Enterprises. „Für die Cebit und Hannover Messe sind Start-ups von strategischer Bedeutung.  Sie verbinden oft hochkreativ neueste Technologie mit einem neuen Geschäftsmodell und sorgen für erhebliche Innovationsschritte“, sagt Jochen Köckler, Vorstandschef der Deutschen Messe.

Start-ups haben jedoch oft andere Bedürfnisse als etablierte Firmen. Denen will die Cebit seit 2014 mit der Plattform Scale11 gerecht werden: Messeteilnahme nach dem Plug-and-Play-Prinzip. „Start-ups müssen nur ihren Laptop mitbringen. Um den Rest wie Branding, Catering et cetera kümmern wir uns als Veranstalter“, sagt Köckler. Ob die Cebit durch mehr Start-up-Flair die Wende schafft, wird sich Mitte Juni zeigen.

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